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Extremer Lauf gegen extreme Armut: Bad Lausicker startete beim Muskathlon

Hilfe für Kinder Extremer Lauf gegen extreme Armut: Bad Lausicker startete beim Muskathlon

Eine körperliche Herausforderung, die zugleich die Seele berührt: Das ist der Muskathlon, für den Menschen aus neun Nationen in Uganda die Laufschuhe schnürten. Sie engagierten sich nicht nur sportlich, sondern viel stärker noch dafür, Kindern in bitterer Armut eine Perspektive zu eröffnen. Michael Bartsch aus Bad Lausick war mit am Start.

Michael Bartsch beim Zieleinlauf.

Quelle: privat

Bad Lausick. Ein harter Lauf durch den Südwesten Ugandas, aber jede Menge Mitgefühl: Michael Bartsch aus Bad Lausick gehörte zu jenen 250 europäischen Sportlern aus neun Nationen, die kürzlich beim Muskathlon antraten. Eine Veranstaltung, die viel mehr ist als ein extremsportliches Event, eine körperliche Herausforderung. Getragen wird sie von der Hilfsorganisation Compession, was Mitgefühl heißt. Wer in Uganda antrat – als Läufer, Wanderer oder Radfahrer –, unterstützte damit ganz gezielt den Kampf gegen Armut. Rund 1300 Patenschaften für ugandische Kinder warben die Starter ein, sammelten zudem 625 000 Euro an Spenden. Geld, mit dem Compession sein Engagement intensivieren kann, betreut die Organisation allein in Uganda inzwischen mehr als 100 000 Heranwachsende, die in großer Armut leben.

Michael Bartschs Startnummer 1005 trägt noch den Staub des kraftzehrenden Weges. Seine Medaille ging, zurück in der Heimat, durch viele Hände, die jener, die ihn bei seinem Vorhaben unterstützten. Schließlich musste jeder, der starten wollte, mindestens zehn Patenschaften einwerben, ein Gegenwert von zehnmal 1000 Euro – Geld genug, sagt Bartsch, um zehn Kindern eine Entwicklung zu sichern. „Mit dem Verarbeiten des Erlebten bin ich noch nicht fertig, obwohl ich mehrfach schon in Afrika war, weiß, wie der Kontinent tickt“, sagt der 44-Jährige.

Seine Frau Damaris und er engagieren sich seit Längerem gegen Kinderarmut in Afrika, übernahmen für Jahre eine Patenschaft. Über Monate hatte sich Bartsch, der in Bad Lausick als Systemischer Therapeut, Coach und Supervisor arbeitet, auf den Lauf vorbereitet, hatte trainiert, Unterstützer um sich geschart. Vor dem Lauf selbst besuchte er mit dem deutschen Team Slums, konnte sich aber auch von der „hervorragenden Arbeit“ von Compession überzeugen.

Während des Marathons, ein Kurs mit permanentem Auf und Ab, traf er an der Strecke einen kleinen Jungen. Gerade hatte er ein Dorf passiert, hatte vor sich Weite und Einsamkeit, als beider Blicke sich trafen, der Sechsjährige plötzlich neben ihm lief, seine Hand nahm, beide gemeinsam ein paar Hundert Meter absolvierten. Eine Begegnung, die für Bartsch ein Schlüsselerlebnis wurde, die er in einem Gedicht auf den Punkt brachte. „Ich weiß, dass ich diesem Kind eine Stimme verleihen soll. Dass ich weiter gehen muss, dass der Einsatz vieler Menschen in vielen Teilen der Welt nötig ist. Es gibt fast nichts Schlimmeres als Armut, als dieses Gefühl, nichts wert zu sein.“

Als Bestärkung empfanden Bartsch und die anderen Starter ebenso, dass Tausende Menschen entlang der Strecke die Läufer begrüßten und anfeuerten. Zudem hatten 900 Ugander selbst die Laufschuhe geschnürt, um die Marathon- oder Halbmarathon-Distanz zu absolvieren. Einige der Extremsportler meistern auch beides: mehr als 60 höchst anspruchsvolle Kilometer. Ob er noch einmal bei einem Muskathlon antritt, heute kann Bartsch das noch nicht sagen. Keinen Zweifel aber lässt er daran, dass er, nicht nur aus christlicher Verantwortung heraus, sein soziales Engagement dafür fortsetzen wird.

Von Ekkehard Schulreich

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