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Geithain Fahrt zum Gymnasium wird zur Tortur
Region Geithain Fahrt zum Gymnasium wird zur Tortur
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17:05 19.05.2015

" Mit dieser Meinung weiß sich Jan Körner aus Frankenhain mit 13 anderen Elternpaaren eins. Die wollen sich keinesfalls damit abfinden, dass der Schülertransport aus Frohburger Ortsteilen zum Johann-Mathesius-Gymnasium in Rochlitz seit Schuljahresbeginn deutlich schlechter ist. Doch noch zeigt sich der Verkehrsverbund Mittelsachsen hart, sehr zum Leidwesen auch von Schulleiter Thomas Lohmann.

"Warum wurden Bustouren, die funktionierten, nicht so gelassen? Überall ist davon die Rede, dass in Bildung investiert werden muss. Was aber hier geschieht, ist keinesfalls förderlich für gute Lernergebnisse", macht Jörg Boritz aus Frauendorf seinem Unmut Luft. Seine Tochter Sarah, die das Rochlitzer Gymnasium besucht, muss wie die anderen Schüler unter den Veränderungen leiden. Bis zum vergangenen Schuljahr war noch alles okay. Fahrzeuge des Taxi-Unternehmens Trommer holten die Schüler daheim ab. Zügig ging es nach Rochlitz; ebenso zügig nach Schulschluss von dort nach Hause.

Nun ist alles anders. Neuntklässlerin Carolin Erler aus Elbisbach beispielsweise muss 6.35 Uhr an der Bushaltestelle sein. Das Gefährt sammelt dann auf einer großen Schleife über Prießnitz, Unter-Frankenhain, Frauendorf, Ober-Frankenhain, Tautenhain, Nauenhain und Mark-Ottenhain weitere Schüler ein, ehe es nach etwa einer dreiviertel Stunde am Geithainer Bahnhof eintrifft. "Hier müssen wir in einen anderen Bus umsteigen, um zur Rochlitzer Schule zu gelangen. Der aber ist überfüllt. Stehplätze sind die Regel, über 30 Schüler stehen in etwa immer", schildert die Schülerin.

Auch die Rückfahrt ist deutlich schlechter als in den vergangenen Schuljahren. Ging es da fünf Minuten nach Schulschluss direkt am Gymnasium ab, so müssen die Schüler heute erst zum Markt in Rochlitz laufen, dort über 30 Minuten auf den Bus warten und in Geithain nochmals umsteigen. Früher ging die Tour stets ohne Umsteigen vonstatten, brauchte keiner Angst zu haben, dass der Anschlussbus nicht kommt. "Die Kinder sind jetzt über eine Stunde länger als früher unterwegs. Für Heranwachsende, die dann auch noch Hausaufgaben zu erledigen haben und vielleicht mal etwas Freizeit haben wollen, ist das ein harter Schultag", sagt Mutter Bettina Klose aus Oberfrankenhain, deren Tochter Sabine betroffen ist.

Vor Jahren - nachdem das staatliche Gymnasium Geithain geschlossen wurde - war die Entscheidung für die Eltern und Kinder, ob sie dann nach Borna oder Rochlitz gehen, relativ einfach. "Letzteres war ja nur ein Katzensprung", bestätigt Körner die Wahl für seinen Sohn Tjerk. Das ist nun anders. Zumal von den Mädchen und Jungen auch der Zustand der Busse, die zahlreiche Mängel aufwiesen, kritisiert wird. Doch im Gegensatz zu betroffenen Bad Lausicker Schülern, für die sich aufgrund der Proteste (die LVZ berichtete) inzwischen die Schülerbeförderung etwas verbesserte, tat sich für die 15 Frohburger bisher null Komma nichts.

Daran wird sich nach Auskunft des Zweckverbandes Verkehrsverbund Mittelsachen auch nichts ändern. Dessen Pressesprecherin Silke Dinger erklärte auf Nachfrage dieser Zeitung, dass die Schülerbeförderung für das Gymnasium Rochlitz satzungskonform angepasst wurde. "Damit entspricht die Qualität der aller anderen Gymnasien im Verbandsgebiet, und eine Gleichbehandlung wird gewahrt", so Dinger. Außerdem werde durch die Nutzung des ÖPNV der Steuerzahler jährlich in sechsstelliger Höhe entlastet. Lediglich die Beschwerden über die Fahrzeugqualität der Auftragnehmer würden überprüft und es würde für Änderungen gesorgt, wenn Gesetzlichkeiten nicht eingehalten werden.

Mit großem Unbehagen sieht neben den Betroffenen auch Thomas Lohmann, Schulleiter des Rochlitzer Gymnasiums, diese Entwicklung. Befürchtet er doch, dass sich aus dieser Region dann kaum noch jemand für seine Schule entscheide. Was schon an den Zahlen der fürs kommende Schuljahr angemeldeten Fünftklässler deutlich wird: Die sank von 103 auf 55. Aus den Grundschulen Bad Lausick, Frohburg, Frankenhain, Kohren-Sahlis oder Hausdorf gab es dabei keinen einzigen Interessenten mehr.

"Ich denke, das liegt vor allem am Schülerverkehr. Wir werden die Sache deshalb auch nicht auf sich beruhen lassen, so Lohmann. Ein Gespräch zusammen mit dem Schulträger Ende März beim Zweckverband brachte allerdings noch kein Ergebnis. "Aber für uns ist die Sache noch nicht abgehakt", versichert der Schulleiter.

Das ist sie auch für die betroffenen Frohburger Eltern nicht. "Wir wenden uns weiter", kündigen sie an.

© Kommentar Seite 29

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.05.2013

Thomas Lang

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