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Familie zieht von Australien nach Elbisbach

Frohburg Familie zieht von Australien nach Elbisbach

Nach zehn Jahren Australien hat es die fünfköpfige Familie Kroemer zurück nach Deutschland gezogen: Nun ist sie im beschaulichen Elbisbach heimisch und schätzt vor allem die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Dorfbewohner. Manchmal fehlen ihnen die Besuche von Kängurus im Garten und der Duft von Eukalyptus.

Familie Kroemer ist dieses Jahr von Brisbane in Australien ins sächsische Elbisbach gezogen. Hier die Eltern Nina und Jens mit ihren drei Kindern: Nils ist der Älteste, Jari sein jüngerer Bruder, Emilia ist die Jüngste.

Quelle: Milena Stets

Bad Lausick/Elbisbach. Die vier Jahreszeiten haben ihnen am meisten gefehlt. „Wenn auch im Winter nie unter 20 Grad Celsius sind, wird das auf Dauer langweilig“, antwortet Jens Kroemer auf die Frage, was er in Australien am meisten vermisst habe. Zusammen mit seiner Frau Nina und den drei gemeinsamen Kindern Nils, Jari und Emilia ist die Familie nach zehn Jahren in Down Under zurück nach Deutschland gezogen. Ihr neues Zuhause ist jetzt Elbisbach.

Sie kommen eigentlich aus Saarbrücken und entschieden sich 2006, nach der Doktorarbeit von Vater Jens, nach Australien zu gehen. Dort lebten sie 25 Kilometer entfernt von Brisbane in einer ländlichen Gegend.  Schlangen und Kängurus im Garten sind dort normal. Schon während des Studiums war die Idee gereift, sich auf dem fünften Kontinent niederzulassen. Damals war der junge Mann für ein Jahr Austauschstudent in Australien, seine Frau Nina studierte Englisch. Als ihr ältester Sohn Nils fünf Jahre und sein kleiner Bruder Jari gerade zwölf Wochen alt waren, machten sie Nägel mit Köpfen und wagten den Schritt. An der Universität Queensland arbeitete Jens Kroemer als „Postdoc“. Er bekam eine Stelle als Hochschuldozent für Mikrobiologie, allerdings immer nur befristet für zwei Jahre. In Australien sei das ganz normal, sagt er. 2007 bauten sie ein Haus auf einem 4500 Quadratmeter großen Grundstück.

Nach zehn Jahren Umzug nach Deutschland

Nur fünf Jahre später fasste die Familie den Entschluss, zurück in die Heimat zu gehen. „Ich bin seit 2012 immer wieder nach Deutschland gereist, um einen Job zu finden. 2016 bekam ich dann einen Ruf als Gruppenleiter am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, erzählt Kroemer. Nach zehn Jahren trat die Familie im November vergangenen Jahres die Heimreise an, ihr ältester Sohn beendete fast sein zehntes Schuljahr.  

Vor der Abreise schauten sie sich – mittlerweile zu fünft – ausgiebig den fünften Kontinent an.  „Wir reisten ins Outback und ließen uns auf einer Insel im Great Barrier Reef aussetzen, auf der wir alleine mit einem Überlebenspaket eine Woche leben mussten“, berichtet Nina Kroemer. Anschließend reiste die Familie über Neuseeland und die USA zurück nach Deutschland. „Wir haben in der Zeit Sachen gemacht, die wir so schnell nicht wieder zusammen machen werden, denn jetzt müssen wir unser Haus sanieren“,  freut sich der Familienvater auf die neue Herausforderung.

Nils, das älteste ihrer drei Kinder, lernte Lesen und Schreiben nur auf Englisch. Gesprochen hat die Familie zu Hause aber auf Deutsch. Jari und Emilia sollten auf alle Fälle die deutsche Muttersprache lernen. „Immer, wenn jemand da war, hast du mit uns auf Deutsch geschimpft. Die anderen sollten nicht verstehen, was du gerade sagst“, erzählt Nils und alle lachen zustimmend. Dadurch, dass sie heute nur noch wenig Englisch reden, vergisst vor allem Emilia die englische Sprache. Im April besuchten die Fünf Paris, um sich mit australischen Freunden zu treffen. Schon dort klagte die Jüngste, dass sie nicht mehr so viel verstehe und länger überlegen müsse, was manche Sätze bedeuten.

Nach Elbisbach führte der Zufall

Jari besuchte an seinem neuen Wohnort zunächst die Grundschule in Frankenhain und wird bald in die Oberschule nach Bad Lausick wechseln. Dort kann er mit seinen neuen Freunden hingehen und der Kontakt zu den Jungs im Dorf bleibt bestehen. „Bei solchen Entscheidungen fragen wir vor allem unsere Kinder und beziehen sie mit ein, was sie gerne möchten.“

„Die Idee, nach Elbisbach zu gehen, war eher ein Zufall“, erwähnt Nina und beginnt zu lachen. „In Australien hatten wir deutsche Freunde, die aus Sachsen stammen. Sie rieten uns immer ab, nach Sachsen zu gehen. Doch irgendwann sagten sie, wenn wir wirklich dorthin wollten, dass wir in die Nähe von Bad Lausick ziehen sollten. Und jetzt sind wir hier.“  Von Australien aus fanden sie ihr neues Haus in Elbisbach, besichtigten vorher aber auch andere Häuser, die zum Verkauf standen. Schwerer war es allerdings eine Wohnung zur Miete zu finden. Denn bis das Haus in Elbisbach saniert und zum Einzug fertig ist, vergehen noch ein paar Monate. 

Ihre Ursprungsidee war es eigentlich, ins Saarland zu gehen, um dort bei ihrer Familie zu wohnen. Schnell reifte dort der Wunsch, etwas Eigenes zu haben. So kauften sie sich ein Auto und reisten durch Sachsen, um Häuser anzusehen. „Von unserer Familie kam eigentlich immer nur Kritik. Unsere Freunde bestärkten uns allerdings“, erzählt Nina über die Reise.

Positiv an Sachsen und Elbisbach finden sie, dass jeder hilft. Auch beim Hausbau. Sie haben viele Kontakte über die Elbisbacher. Wenn sie beispielsweise einen Elektriker brauchen, werden sie durch die Nachbarn unterstützt. Inzwischen kennt man sich im Dorf.

Duft von Eukalyptus fehlt

Waren es in Australien noch die verschiedenen Jahreszeiten, deutsches Bier und  Wurst, die sie vermissten, ist es jetzt das Angeln gehen, um dicke Fische aus dem Wasser zu ziehen. Zudem fehlen ihre australischen Freunde und der Duft von Eukalyptus. Für Familie Kroemer war es normal, im Garten Pythons und Kängurus zu haben. Allerdings vermissen sie weder die Schlangen noch die zahlreichen Spinnen. Kontakt nach Australien halten sie über soziale Netzwerke

Was die Familie positiv findet, ist der Stolz, den die Sachsen auf alte Dinge haben. Sei es die Simson, mit der die Dorfjugend fährt, oder auch der Trabi. Positiv sei auch die Mülltrennung. „Wenn wir in Australien einkaufen waren, wurden immer genau zwei Lebensmittel in einen Beutel getan, deswegen hatten wir Hunderte von diesen Beuteln daheim“, erklärt Nils. In Brisbane wurde die riesige Mülltonne, in die alles gestopft wurde, jede Woche geleert, ein Pfandsystem gab es nicht. „Als wir damals dort ankamen, hatten wir natürlich Probleme mit dem australischen Akzent. Doch hier in Sachsen ist das nicht anders. Heute telefoniere ich manchmal fünf Minuten lang und bis dahin reden wir aneinander vorbei, weil man das Sächsisch kaum versteht“, verdeutlicht Jens. „Und vor allem läuft hier keiner barfuß durch den Supermarkt“, sagt Nils und alle fangen wieder an zu lachen. Gerade ihre positive Art lässt die Familie schnell neue Freunde finden. Auch in Elbisbach.

Von Milena Stets

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