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Geithain Felixmüller und Tautenhainer bis heute verbunden
Region Geithain Felixmüller und Tautenhainer bis heute verbunden
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18:42 27.09.2018
Die Enkelinnen des Malers Catarina Felixmüller (li.) und Susanne Geister (r.) mit Pfarrer Sven Petry in der Tautenhainer Kirche. Quelle: Jens Paul Taubert
Frohburg/Tautenhain

Wie eng der Maler Conrad Felixmüller (1897 bis 1977) mit seiner Zuflucht Tautenhain verbunden war, zeigen eindrücklich jene Bildtafeln, die er in den Fünfzigerjahren für die Empore der Jakobuskirche malte. In ihnen verbindet er die Heilsgeschichte mit dem Leben jener Menschen, die damals an seiner Seite waren: in dem er viele Tautenhainer ins Bild setzte.

Kirchenjubiläum wird bis Sonntag gefeiert

Dass der Maler, der 1944 in das Dorf nahe Geithain kam und bis 1961 hier lebte, den Tautenhainern sieben Jahrzehnte später noch nahe ist, dafür ist das Jubiläum „700 Jahre Kirche Tautenhain“ ein Beleg. Eröffnet mit einer Andacht unter Felixmüllers Bildern am Mittwochabend, wird es bis zum Sonntag gefeiert.

700 Jahre Kirchweih von St. Jacobus in Tautenhain – aus diesem Anlass schenkten die Enkel des Künstlers Conrad Felixmüller der Kirchgemeinde vier Pastell-Skizzen der Emporenbilder.

„Als er die Bilder in unserer Kirche malte, war das eine große Sache“, erinnert sich Karin Günther, Jahrgang 1943, in Tautenhain zu Hause, in der Jakobuskirche getauft, konfirmiert, getraut. „Da hat man schon eine innige Beziehung dazu.“ Wie sie hatte auch Paul Seidel, der heute im damals von Felixmüller genutzten Haus wohnt, den Künstler persönlich gekannt. „Ich sehe ihn noch, wenn er mit Mütze und langem Mantel durchs Dorf ging, die Kamera umgehängt. Was ihm wichtig war, hat er sofort fotografiert“, sagt er.

Kirche zur Eröffnung des Jubiläums gut gefüllt

Die Motive flossen in die Bilder ein. Und vieles von dem, was der Künstler schuf, findet sich bis heute gut gehütet in heimischen Stuben. Dass der Kirchenraum zur Eröffnung des Jubiläums gut gefüllt war, konnte da nicht überraschen. Pfarrer Sven Petry nannte Felixmüllers Tafeln an der Empore „eine bildgewordene Predigt“. Er selbst entdecke im Laufe der Jahre immer wieder neue Details.

Geschenk der Felixmüller-Enkel an die Kirchgemeinde

Eine ganz neue Entdeckung war am Mittwoch und ist noch bis einschließlich Sonntag möglich: Die sieben Enkel des Künstlers schenkten der Kirchgemeinde vier Pastell-Skizzen der Emporenbilder. „Wir freuen uns, dass sie ihren Ort gefunden haben. Hier gehören sie her, nicht in ein Archiv“, sagte Enkelin Susanne Geister, die mit ihrer Cousine Catarina Felixmüller zugegen war.

Erinnerungen an den Großvater

Ihr Großvater habe den Tautenhainern „einen Platz in der Heilsgeschichte gegeben“, weil er hier wieder Grund fand: nachdem er in Dresden von den Nazis verfemt war, Bomben sein Berliner Atelier zerstörten, er als russischer Kriegsgefangener litt. Catarina Felixmüller schilderte den Maler als einen „ernsthaften Arbeiter. Wir Kinder hatten es da nicht so einfach.“ Gern habe sie, schon in Hamburg wohnend, in Tautenhain frohe Schulferientage verbracht.

Schau mit Holzschnitten ebenfalls zu sehen

Geweitet wird der Fokus auf die Felixmüllerschen Bildwelten durch eine Schau seiner Holzschnitte, die erneut am Wochenende im Gemeinderaum zu sehen ist. Zur Verfügung gestellt hat die Blätter Hans-Jürgen Wilke, der letzte Drucker des Künstlers. Tautenhainer Motive dominieren, etwa eine Pferdemusterung auf Schellenbergers Hof oder ein Blick auf die winterliche Dorfstraße, auf der die Quark-Martha, eine Händlerin, in einen Schal gehüllt, unterwegs ist.

Fest findet am Sonnabend statt

Ein Fest für alle Generationen beginnt am Sonnabendmittag rund um die Kirche, das die Kirchgemeinde und der Freizeitverein Tautenhain gemeinsam gestalten. Höhepunkte sind 17 Uhr ein Orgelkonzert, abends Tanz im Festzelt. Am Sonntag folgt 10.30 Uhr ein Festgottesdienst. Kirche und Felixmüller-Schau im Gemeinderaum können besichtigt werden.

Von Ekkehard Schulreich

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