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Geithain Fledermäuse gibt es nur in intakten Lebensräumen
Region Geithain Fledermäuse gibt es nur in intakten Lebensräumen
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17:45 19.05.2015

Der Erhaltung und der Erforschung der mittels Ultraschall navigierenden Tiere, die europaweit streng geschützt sind, widmen sich beide seit vielen Jahren. Jetzt machen sie sich damit wirtschaftlich selbstständig, in Thierbaum und in Leipzig.

"Die Fledermaus ist das Zeichen für einen intakten Lebensraum", sagt Frank Meisel. Für den 42-Jährigen ist das Grund genug, sich intensiv für diese Tiere einzusetzen. 19 Arten kommen in Sachsen vor; 16 davon sind im Leipziger Land und im Muldental heimisch. "Der Mensch kann nicht einfach immer mehr Bausteine aus dem Ökosystem herausnehmen. Eines Tages bricht es zusammen. Es geht nicht allein um Tiere, sondern um unser aller Lebensraum." Für Meisel und Marco Roßner (32) ist das eine klare Sache. Mit ökoaktivistischen Eiferern haben sie nichts am Hut. Beide, Fachkraft für Landschaftspflege und Naturschutz der eine, Bankkaufmann und Diplom-Geograf der andere, haben sich über Jahre für die Naturfördergesellschaft Borna-Birkenhain mit der Erfassung und dem Schutz von Fledermäusen befasst. Sie haben an Planungen für Verkehrsbauten mitgewirkt, haben bei Gebäudesanierungen beraten. Sie haben Vorkommen untersucht, Tiere mit Sendern ausgestattet. Sie haben sich für Landschaftspflege engagiert, Datenbanken erstellt, Forschungsergebnisse veröffentlicht. Seit Februar betreiben sie ein Zwei-Mann-Büro in Thierbaum und Leipzig.

"Fledermäuse am Haus werden nicht mehr als Problem verstanden. Das Bewusstsein vieler Menschen ist gewachsen", diagnostiziert Marco Roßner. Wer Hof oder Haus sanieren wolle, müsse diese Pläne nicht verwerfen, bloß weil da Fledermäuse ein zu Hause gefunden hätten. "Viele wissen gar nicht, dass die Tiere da sind. Ein Zeichen dafür, dass sie nicht stören." Wie Fledermäuse auch nach Baumaßnahmen ein Quartier behalten können, Roßner und Meisel zeigen es auf. Oft sind sie für Planungsbüros oder Behörden tätig. Im Zuge des Citytunnel-Baus erfassten sie Fledermaus-Vorkommen auf dem Gelände des Leipziger Hauptbahnhofs, ebenso vor Parksanierungen in Rötha und Markkleeberg. Für den Windpark Schleenhain untersuchten sie Auswirkungen auf den Lebensraum der Tiere. Bei der Verlegung der B 176 durch den Tagebau zwischen Neukieritzsch und Groitzsch planten sie Artenschutz-Maßnahmen. Und verbanden diese Projekte immer wieder mit Forschung. Sie konnten zwei neu entdeckten Fledermausarten in der Region erstmals nachweisen, entwickelten spezielle Fledermaus-Quartiere für Gebäude. Ein Kooperationspartner in der Feldforschung, bei der es um Verhaltensbiologie und genetische Fragen geht, ist das Institut für Biologie der Universität Leipzig.

"Was ich für die Fledermaus tue, tue ich auch für andere Arten", sagt Frank Meisel. Es sei wichtig, alte Baumbestände zu schützen, in der oft ausgeräumten Feldmark Hecken zu pflanzen, an Gebäuden Unterschlupfe bereitzuhalten. "Fledermäuse vertilgen unglaubliche Mengen an Insekten", sagt Marco Roßner. Während der Sommermonate verspeise eine Fledermaus pro Nacht Insekten, die ein Drittel des eigenen Körpergewichtes ausmachten.

Lässt sich auf Fledermäuse eine wirtschaftliche Existenz gründen? Frank Meisel und Marco Roßner sind zuversichtlich. Mit Fledermäusen befassten sich viele, doch sei die Materie sehr komplex. "Wir haben uns spezialisiert, können unsere Erfahrungen nutzen. Und wir haben die umfangreiche und teure Spezialtechnik", sagt Meisel, der im Grunde mit Fledermäusen groß geworden ist. Sein Hof nahe Thierbaum beherbergt neben einer im Kern aus dem abgebaggerten Heuersdorf stammenden Fransenfledermaus-Kolonie zahlreiche andere Arten wie Braunes Langohr und Mopsfledermaus. Im Frühjahr und Herbst zieht hier der Große Abendsegler durch und macht gern Station. Ins Gehege komme man einander nicht, sagt Meisel: "Das ist ein Schatz."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.03.2013

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