Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Frankenhainer Wehrleiter schreibt an sächsischen Innenminister
Region Geithain Frankenhainer Wehrleiter schreibt an sächsischen Innenminister
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:33 22.03.2018
Die Nachwuchsarbeit hat in Frankenhain einen hohen Stellenwert. Doch Wehrleiter Christopher Martin (links) setzt deutlicher auch auf junge Väter und Mütter, um die Wehr zu verstärken. Quelle: Jens Paul Taubert
Anzeige
Frohburg/Frankenhain

Um die Zukunft seiner Frankenhainer Feuerwehr muss sich Christopher Martin nicht unmittelbar Sorgen machen. Mit 37 Aktiven zählt sie, eine der vier Stützpunkt-Wehren im Frohburger Stadtgebiet, zu den souverän aufgestellten. Für die Situation der Freiwilligen Feuerwehren in Sachsen insgesamt lässt sich das so nicht sagen. Dass der Wehrleiter, Teilnehmer des Fachforums II „Feuerwehr - Helden des Alltags - Wer rettet uns?“ kürzlich in Dresden, danach an Innenminister Roland Wöller (CDU) einen Brief schrieb, verwundert nicht. Sein Hauptanliegen: „Dass der Freistaat viel Geld für die Feuerwehr zur Verfügung stellt, ist super. Aber das muss an der Basis spürbarer werden.“

„Der Freistaat muss dafür sorgen, dass die Kommunen stärker entlastet werden. Anderenfalls werden dringende Investitionen immer wieder hinausgeschoben oder sterben ganz, weil die Eigenmittel fehlen“, sagt Martin, zugleich stellvertretender Stadtwehrleiter von Frohburg. Egal ob Einsatzkleidung oder technische Ausrüstung: Würde die höchstmögliche Förderquote von 75 auf 90 Prozent angehoben, wäre viel gewonnen. Auch die Wiedereinführung einer rechtssicheren Art der Feuerwehrabgabe wäre ein Gewinn – von zusätzlichen Mitteln oder – ersatzweise – ehrenamtlichem Engagement. Zusätzliche Rentenpunkte wie in Thüringen seien durchaus eine Option, um Anerkennung sichtbar zu machen. Und die Arbeitgeber sollten stärker entlastet werden, wenn sie ihre Mitarbeiter im Einsatzfall entbehrten.

Als Christopher Martin vor drei Jahren Wehrleiter von Frankenhain wurde, konnte er sich auf 23 Aktive stützen. Inzwischen wuchs diese Zahl auf 37. Hinzu kommen 19 Jugendliche und elf Mädchen und Jungen in der Kinderwehr. Um der guten Personalausstattung der Wehr gerecht zu werden, ist das Frankenhainer Depot zurzeit eine Baustelle. Die Stadt Frohburg investiert in die Erweiterung der Fahrzeughalle. Lager, Schulungs- und Sanitärräume werden erneuert, erstmals überhaupt Duschen eingebaut. „Den Umkleidebereich sanieren wir aus eigener Kraft“, sagt Christopher Martin. Die Kameraden packten an vielen Stellen zu, um die Belastungen für die Kommune gering zu halten. Am 26. Mai soll das erweiterte Gebäude im Rahmen eines großen Tages der offenen Tür übergeben werden. Die Erweiterung wurde auch nötig, weil im Spätherbst ein größeres Löschfahrzeug erwartet wird. Zudem machen seit der Auflösung der Hopfgartener Wehr Aktive aus dem Nachbarort hier ihren Dienst.

Die bereits frühzeitige Arbeit mit dem Nachwuchs sei sehr wichtig, sagt das Frohburger Stadtratsmitglied. Mindestens ebenso entscheidend aber sei es, „junge Väter und Mütter zu gewinnen, die im Ort wohnen und nicht wegen Ausbildung oder Schulwechsel der Feuerwehr schnell wieder den Rücken kehren. Doch dafür muss die Ausbildung komprimiert werden, brauchen wir flexiblere Systeme.“ Immerhin dauere die Truppmann-Ausbildung satte 70 Stunden - verteilt auf viele Feierabende und Wochenenden. Martin: „Wir brauchen eine qualitativ hochwertige Grundausbildung, keine Frage. Doch die sollte so erfolgen, dass sich die zeitlichen Belastungen in Grenzen halten.“ Dass das ein verbreiteter Wunsch sei, hätten ihm viele Gespräche gezeigt.

Welche Feuerwehr-Strukturen zukunftsträchtig seien, müssten die Kommunen selbst entscheiden, sagt Christopher Martin. Frohburg fahre mit seinem Prinzip der Stützpunkt-Wehren – an die weitere kleine Wehren angegliedert sind – gut. Unabhängig davon aber gelte es, dass möglichst viele sich in die Debatte über die Feuerwehr der Zukunft in Sachsen einbrächten: „Deshalb wollte ich gewisse Dinge offen ansprechen.“ Die Resonanz auf seinen Brief, den er unter anderem Kreisbrandmeister Nils Adam, Landrat Henry Graichen (CDU) und dem CDU-Landtagsabgeordneten Georg-Ludwig von Breitenbuch in Kopie zustellte, sei ermutigend: „Viele sagten: Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.“

Von Ekkehard Schulreich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der bekannte Naturfotograf Harald Lange aus Thierbaum bei Bad Lausick zeigt ab Sonnabend im Schloss Colditz 300 Bilder über den Wald. Dabei geht es ihm um verschiedene Themen – einige davon bereiten ihm Sorgen.

19.03.2018

Das Schneechaos sorgte teilweise auch noch am Montag für Nachwehen. Letzte Ortsverbindungen konnten erst am Morgen wieder freigegeben werden. Um der Region Rutschpartien zu ersparen, verteilte der Winterdienst auf Staats- und Bundesstraßen seit Freitag rund 700 Tonnen Salz. Neben zahlreichen Pkw war auch ein Bus in den Schneewehen steckengeblieben.

19.03.2018

Die extreme Wetterlage mit Sturmböen und Schneeverwehungen sorgte für zahlreiche Einsätze von Feuerwehren, Räumdiensten und Polizei im Landkreis Leipzig. In der Nacht zum Sonntag mussten drei Pkw-Fahrer bei Thierbach aus ihren eingeschneiten Autos befreit werden. Im Muldental war die Straße zwischen Leipnitz und Böhlen im Thümmlitzwald gesperrt.

19.03.2018
Anzeige