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Geithain Frankenhains Piloten sauer: Behörde will aus ihnen Tiefflieger machen
Region Geithain Frankenhains Piloten sauer: Behörde will aus ihnen Tiefflieger machen
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13:37 27.07.2016
Den Wolken ein Stück näher: Dieser Gleitschirm wird von einem Modell geflogen und vom Boden aus gesteuert. Quelle: Foto: privat
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Frohburg/Frankenhain

Wenn sich sein Paraglider in die Lüfte hebt, bleibt Roland Richter – obwohl er alle Fäden in der Hand hält – auf dem Boden: Statt seiner geht Pilot Robin auf die Reise, die durchaus eine ganze Stunde dauern kann, so die Thermik mitspielt. Der Sport, den der Geithainer treibt, ist ebenso erdverbunden wie der der anderen in der Interessengruppe Fun & Fly Frankenhain, egal ob sie Hubschrauber, Flugzeuge oder Copter steuern – denn es sind Modelle, denen ihre Leidenschaft gilt.

„Im Sommer, wenn es lange hell ist, nutze ich jede freie Minute, um rauszugehen auf die Felder“, sagt Roland Richter. Häufig wählt er die Abendstunden, gern aber auch den frühen Morgen, wenn es noch ganz still ist, um seinen RC-Paraglider, Spannweite 4,50 Meter, aufsteigen zu lassen. Vor sich an einem Gurt trägt er das Steuerpult, mit dem er den Gleiter lenkt, genauer Robins Arme, so wie es beim Paragliding üblich ist. Motor und Rotor sind lediglich dazu da, den Gleiter am Ende der Reise sicher zurückzubringen. Sieht der 51-Jährige sein Gerät weit über sich seine Bahn ziehen, ist das für ihn Entspannung pur und ein Hochgefühl. Die Sehnsucht, selbst zu fliegen, komme dabei nicht: „Am Boden zu sein ist mir angenehmer.“

Vor knapp einem Jahrzehnt fand sich die Gruppe Fun & Fly zusammen, die sich als loser Zusammenschluss versteht, den bürokratischen Aufwand vermeidet, die ein Vereinsstatus mit sich bringt. Heiko Scholz aus Frankenhain, der die IG heute leitet, und Roland Richter, verantwortlich für den Internetauftritt, arbeiten beide im Dachziegelwerk in Obergräfenhain. Das gemeinsame Hobby führte die Kollegen zusammen, weitere begeisterte Hobby-Modellflieger stießen dazu. Heute zählt die Gruppe anderthalb Dutzend Leute im Alter zwischen Anfang 40 und Mitte 60, die in Geithain, Borna und Orten dazwischen zu Hause sind; zudem ist ein Gymnasiast dabei.

Eine abgelegene Wiese inmitten weiter Felder zwischen Frankenhain und Elbisbach dient als Flugplatz. „Hier sind wir weit weg, hier stören wir keinen“, sagt Richter. Wobei die Geräuschkulisse längst geringer sei aufgrund der heute gebräuchlichen Elektroantriebe. Verbrennungsmotoren würden immer öfter abgelöst. Aus der Mode komme auch, Modelle selbst zu entwerfen und dann als Balsaholz zusammenzufügen – wie es Dieter Scholz, Nestor der Gruppe, in früheren Zeiten gerne tat. Ultraleichte Flugzeugmodelle würden heute meist im Fachhandel gekauft und dann aufwendig zusammengesetzt. Hubschrauber und vor allem Multicopter, die groß im Trend lägen, würden bereits als Modelle erworben. Zum gemeinsamen Fliegen trifft sich die Gruppe nicht zu festen Zeiten: „Viele arbeiten im Schichtbetrieb, das wäre gar nicht zu schaffen.“ Zu manchen Treffen aber seien auch die Frauen mit von der Partie, etwa Jahr für Jahr beim Männertagsevent auf dem idyllisch gelegenen Flugfeld.

Finden in der Geithainer Region größere Veranstaltungen statt, dann sind die Luftathleten von Fun & Fly gern gesehen. Bei Jubiläen in Flößberg, Ossa, Geithain waren sie dabei, kürzlich bei Friedrichs Technikschau in Bad Lausick. Wenn die Frankenhainer Feuerwehr im Rahmen ihres 75. Geburtstages am 28. August einen Familientag ausrichtet, sind die Männer mit ihren fliegenden Modellen ebenso dabei. Dann können Besucher nicht nur schauen, sondern selbst auch steuern. „Wir nutzen dann zwei Fernbedienungen. Wenn der Flugschüler die Sache plötzlich nicht mehr im Griff hat, können wir übernehmen“, sagt Richter. Die Gruppe leistete aber schon per Modellhubschrauber Hilfseinsätze, etwa um stilgerecht einem Jubilar den Gutschein für einen Rundflug im – echten – Hubschrauber zu überbringen. Darüber hinaus widmen sich die IG-Mitglieder ihrem Hobby individuell. Roland Richter ist, begleitet von seiner Frau, regelmäßig bei Flugtagen in Österreich unterwegs, weiß die besondere Thermik des Hochgebirges zu schätzen.

Modellflug ist für Richter, Scholz und Co. ein besonderes, ein sehr schönes Hobby. Das schließt den verantwortungsvollen Umgang mit den Fluggeräten ein. Dass das Bundesverkehrsministerium, aufgeschreckt durch Zwischenfälle mit Drohnen, das Flugwesen beschränken möchte, können sie nicht verstehen. Dürften die Modelle künftig nicht höher hinaus als 100 Meter, wäre das das Aus für den Modellsport, sagt Roland Richter. Das Hobby Hunderttausender, die sich an die Regeln hielten, sei in Gefahr. Der Deutsche Modellfliegerverband, dem Fun & Fly angehört, hat deshalb eine Unterschriften-Kampagne im Internet gestartet. Die Petition „Hände weg von meinem Hobby“ ist unter www.pro-modellflug. de zu finden. Richter selbst betreibt seit zwei Jahren ein Internet-Forum, um sich mit anderen Mini-Paraglidern auszutauschen.

www.funandfly.de

www.rc-paraglidingwithfun.de

www.rcparaglidingforum.de

Von Ekkehard Schulreich

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