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Geithain Frohburg: Hochwasserschutz im Blick beim neuen Wohngebiet
Region Geithain Frohburg: Hochwasserschutz im Blick beim neuen Wohngebiet
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00:16 08.08.2017
Am Schützenhaus (hinten) in Frohburg entsteht ein neues Wohngebiet. Quelle: Jens Paul Taubert
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Frohburg

Die Greifenhainer Straße in Frohburg ist seit wenigen Tagen wieder frei, deutliches Zeichen dafür, dass die Anbindung des geplanten neuen Wohngebietes Am Schützenhaus abgeschlossen ist. Die Stadt möchte hier Bauwilligen 16 Parzellen für Einfamilienhäuser bereit stellen. Für die ersten beiden Grundstücke traf der Stadtrat im Juli die Verkaufsbeschlüsse. Die Stadt nahm die Erschließung in eigene Regie. Das Rochlitzer Unternehmen HTB baute die Erschließungsstraße, verlegte Wasser- und Abwasserleitungen, Strom und andere Medien. Nachdem der Wohnpark An der Apfelwiese quasi voll belegt ist, die Nachfrage nach attraktiven Baugrundstücken aber unvermindert anhält, verknüpft die Stadt mit dem Gebiet hohe Erwartungen.

Zschunke: Gebiet vor Flut schützen

Die Bauplätze liegen in unmittelbarer Zentrumsnähe, aber dennoch eingebettet in Grün an einem Bogen, den hier die Wyhra beschreibt. Ein Teil des Areals gehörte bis nach der Wende zum Betriebsgelände der Wäscheunion, wurde später beräumt. Ortschronist Karl-Heinz Zschunke, der gleich um die Ecke wohnt und der sein ganzes Berufsleben in diesem Betrieb verbrachte, verfolgte die Erschließungsarbeiten mit Interesse. „Es wird aber höchste Zeit, dass das seit langem geplante Rückhaltebecken in Kohren-Sahlis endlich gebaut wird“, meinte er mit Blick auf die nach starkem Regen mitunter schnell anschwellende Wyhra. Es müsse sichergestellt werden, dass das Wohngebiet vor den Folgen eines möglichen Hochwassers geschützt werde.

Der Hinweis ist für Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) nicht neu. Den Hochwasserschutz habe man im Blick – allerdings: „Die Fläche des Baugebietes war trotz einer Vielzahl von Hochwassern niemals betroffen.“ Die Recherchen der Stadt reichten zurück bis in die 1930er Jahre. „Auch Zeitzeugen konnten bereits vor Jahren bestätigen, dass Überschwemmungen durch die Wyhra stets andere Bereiche betrafen.“ Dem trügen die behördlichen Unterlagen Rechnung.

Weder die Fläche des Baugebietes noch die Fläche Am Wyhrabogen liege in einem gesetzlich festgesetzten Überschwemmungs- oder Hochwasserschutzgebiet, so der Bürgermeister. Diese Gebiete habe man auf der Grundlage des Jahrhunderthochwassers 2002 neu festgesetzt. Das Hochwasser der Wyhra 2013 habe die Richtigkeit dieser Aussage bestätigt. Schon bei der Aufstellung eines Bebauungsplanes für das damals noch bebaute ehemalige einstige Wäscheunion-Gelände hinter dem Schützenhaus in den Neunzigerjahren habe die Problematik Überschwemmungsgebiet/Hochwasser beachtet.

Hiensch: Intensiv mit Materie befasst

Später, im Zuge des Erwerbs, Abbruchs und der Revitalisierung des Betriebsgeländes 2001 bis 2003 durch die Stadt habe dies ebenfalls eine Rolle gespielt. „Vorsorglich wurde damals die Oberkante Fahrbahn des Radweges zwischen Wyhra und Baugebiet mit einer Höhe festgelegt, die deutlich über dem höchsten Hochwasserstand von 2002 liegt. Somit bildet der Radweg einen zusätzlichen Schutz gegen Überschwemmungen.“ Als weitere Vorsorge wurden im Baugebiet Straßenhöhen oberhalb der Höchststände bekannter Wyhrahochwasser festgelegt. Außerdem dürften keine Keller gebaut werden; es gelte eine Mindesthöhe für die Oberkante der Rohfußböden.

Allein schon aufgrund der Höhenverhältnisse würden zuerst ganz andere Gebiete unter Wasser stehen, ehe durch die Wyhra baulich nutzbare Flächen des ehemaligen Wäscheunion-Geländes überschwemmt werden würden, so das Stadtoberhaupt. Richtig sei, dass am Schützenhaus mit einem hohen Grund- oder Schichtenwasserstand gerechnet werden müsse. Das liege nicht an der Wyhra-Nähe, sondern an einem unterirdischen Zufluss aus Richtung Eisenberg. Darauf sei man seinerzeit bei der Betriebserweiterung in den Siebzigerjahren und beim Bau der Kindertagesstätte „Spatzennest“ nach der Wende gestoßen. Künftigen Bauherren im Gebiet „Am Schützenhaus“ stelle die Stadt ein aktuelles Baugrundgutachten zur Verfügung.

„Grundsätzlich kann wohl niemand künftige Katastrophen durch Klimawandel oder andere nicht vorhersehbare Ereignisse ausschließen“, so Wolfgang Hiensch. Die Stadt aber habe sich im Vorfeld intensiv mit der Materie befasst und dafür Sorge getragen, alle in Betracht kommenden Eventualitäten nach Möglichkeit auszuschließen. Anderes zu behaupten und Gerüchte zu schüren, hieße, Bauwillige zu beunruhigen. Dafür sehe er keinen sachlichen Grund, und es liefe den Bemühungen um eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung zuwider. Daran dürfte niemandem gelegen sein.

Von Ekkehard Schulreich

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