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Geithain Frohburg: Landkreis beendet Ebbe im Schutzgebiet Eschefelder Teiche
Region Geithain Frohburg: Landkreis beendet Ebbe im Schutzgebiet Eschefelder Teiche
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10:58 28.03.2018
Das von der Wyhra-Pump-Station gelieferte Wasser fließt in den Großteich des Naturschutzgebietes Eschefelder Teiche. Quelle: Jens Paul Taubert
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Frohburg

Dass Schwarzhalstaucher und Schwarzkopfmöwe – die für den Wert des Vogelschutzgebietes europäischen Ranges entscheidenden beiden Arten – im Eschefelder Teichgebiet 2017 wieder erfolgreich brüteten, ist nicht belegt. 2016 jedenfalls habe es keinen nachweisbaren Bruterfolg gegeben, sagt Lutz Bergmann, der das Umweltamt des Landkreises Leipzig leitet. Akuter Wassermangel in den Teichen habe den geschützten Arten in den vergangenen Jahren erheblich zugesetzt. Diese Zeit der Ebbe soll nun vorbei sein: Der Landkreis, der die Teiche vor anderthalb Jahren im Land Sachsen übernahm, installierte eine neue Pumpleitung, die bei Bedarf Wyhrawasser heranführt. Mit Erfolg, der etwa am Pegel des Großteichs ablesbar ist. Hier ist das Soll fast erreicht. Allerdings werden 2018 drei der Teiche trockenfallen müssen, Voraussetzung, um sie von Bewuchs und Schlamm zu befreien.

Eine Schwarzkopfmöwe. Quelle: Fotolia

„Wir konzentrieren uns auf die wichtigsten Dinge. Die werden Schritt für Schritt abgearbeitet“, sagt der Amtsleiter. Die Wiederherstellung der Pumpleitung samt der Pumpen am Wyhraufer im Frohburger Schlosspark sei jetzt abgeschlossen. Nun gehe es an die Herrichtung der Teiche. Aufgrund des Wassermangels seien viele von ihnen zugewachsen. Erhebliche Mengen Grüns habe man bereits entfernt; das Gros hole man heraus, wenn man den Schlamm entferne. Das stehe ab dem Sommer 2018 an.

Ein Schwarzhalstaucher. Quelle: Fotolia

„Über viele Jahre gab es massive Probleme im Teichgebiet und massive Kritik“, blickt Bergmann zurück. Mit der Übergabe der Verantwortlichkeiten an eine Behörde – den Landkreis Leipzig – habe man zu Jahresbeginn 2016 die entscheidende Weichenstellung vollziehen können. „Unser Ziel ist es, das Vogelschutzgebiet in der Form, wie es als eines der ersten in Sachsen ausgewiesen wurde, zu erhalten.“ Der Freistaat, bis 2015 Eigentümer der ursprünglich für die Fischzucht angelegten Gewässer, habe dem Kreis die Übernahme angetragen. Dass der Kreistag dem letztlich zustimmte – wohl wissend um die Komplexität, Problemlagen und den hohen Investitionsaufwand –, habe nicht zuletzt an finanziellen Zusagen des Landes gelegen. Eine Summe, die Bergmann ausdrücklich nicht beziffern will, die aber hinlangt, um unter anderem besagte Leitung neu zu verlegen und demnächst drei Teiche zu sanieren. Der Ziegelteich war bereits 2016 in Regie des Kreises mit Geld des Autobahnbauers Deges und unterstützt durch die Stadt Frohburg entschlammt worden.

Die Pumpstation an der Wyhra in Frohburg liefert Wasser für die Eschefelder Teiche. Quelle: Jens Paul Taubert

Allein die Wiederherrichtung von Großteich, Streckteich zwei und Vorwärmer, die im Sommer 2018 beginnen soll, wird viele Millionen Euro kosten. Nach dem Abfischen im Herbst werde man die Teiche austrocknen lassen. Dann könne man die Schlammmengen ermitteln, die zu entfernen seien, erklärt Katrin Land, Sachgebietsleiterin Natur- und Landschaftsschutz. „Dass diese Teiche erneut über eine Brutsaison hinweg kein Wasser führen, muss man in Kauf nehmen. Anders lassen sich die Teiche nicht sanieren. Und ohne Sanierung ist es unmöglich, die Schutzziele wieder zu erreichen“, sagt sie. Mit Udo Wolf, dem Beuchaer Fischer, der das Teichgebiet bewirtschafte, seien diese Pläne abgestimmt. Dass der Landkreis mit seiner Strategie bei manchem Umweltschützer und Ornithologen auf Ablehnung stoße, wisse man, so Land: „Wir sind aber der Überzeugung, dass die Wasservögel, wenn eine kontinuierliche Bewirtschaftung wieder möglich ist, das Gebiet erneut in großem Umfang annehmen.“ Deshalb komme man um diese Investitionen nicht herum.

Um zusätzlich für Ruhe im Schutzgebiet zu sorgen, sei es gelungen, Flächen zu tauschen und intensive Landwirtschaft weiter herauszunehmen. Apropos Ruhe: Um die Schäden an den Gelegen, die Waschbär, Mink, Wildschwein und Marderhund verursachten, einzudämmen, suche man nach Lösungen.

„Dass den Teichen Wasser zugeführt wird, ist das A und O“, bestätigt Roland Dathe, Sachgebietsleiter Hochbau und Liegenschaften. Die Pumpleitung sei unverzichtbar. Selbst die heftigen Niederschläge der vergangenen Tage hätten gezeigt, dass diese natürlichen Quellen nicht ausreichten. Der Bauausschuss des Landkreises werde sich in seiner Juli-Sitzung mit der geplanten Sanierung der drei genannten Teiche befassen und eine Grundsatzentscheidung treffen. Doch selbst wenn man hinter diese Investition dann einen Haken machen könne, seien weitere Investitionen in das Teichgebiet nötig. Dessen sei man sich bewusst, und dazu sei man bereit.

Wichtige Impulse für das Teichgebiet gingen vom Nabu aus, der in dessen Herzen die Naturschutzstation Teichhaus Eschefeld betreibe, sagt Katrin Land: „Mit dem jungen Team, das hier tätig ist, gibt es eine konstruktive Zusammenarbeit.“ Die Veranstaltungen strahlten zunehmend aus; das Haus sei für Naturinteressierte eine wichtige Anlaufstelle. Das helfe dem Landkreis in seinem Bemühen, den Eschefelder Teichen den guten Ruf als Schutzgebiet zurückzugeben, den es über Jahrzehnte hatte.

Von Ekkehard Schulreich

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