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Geithain Frohburg: Verdächtiger nach Einbruchserie in Haft
Region Geithain Frohburg: Verdächtiger nach Einbruchserie in Haft
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12:00 14.02.2019
Gesprächsrunde zum Thema Sicherheit: Matthias Bradtke, Rainer Musch, Martin Seymer und Frank Winkler (von links). Quelle: Ekkehard Schulreich
Frohburg

Weiterhin in Untersuchungshaft befindet sich jener Mann, den die Polizei für zahlreiche Einbrüche in Frohburg verantwortlich macht. Es sei gelungen, den „ortsansässigen Einzeltäter“ zu ermitteln, sagte Polizeihauptkommissar Frank Winkler, der vertretungsweise das Polizeirevier Borna leitet, am Mittwochabend im Frohburger Gewerbeverein.

Der Verein hatte Ende Januar in einer Beschwerde an den damals noch tätigen Chef der Polizeidirektion Leipzig, Bernd Merbitz, mehr Einsatz gegen die ausufernde Kriminalität gefordert. Mehr als 20 Gewerbetreibende kamen nun zu einer Informationsveranstaltung im Bürgerzentrum zusammen, um Aktuelles zum Ermittlungsstand zu erfahren und dazu, wie man sich gegen Angriffe besser schützen kann.

Polizei: Massiver Anstieg von Einbrüchen in Frohburg

Ein „massiver Anstieg“ von Einbrüchen und Einbruchsversuchen in Geschäfte und Büros, Arztpraxen und Kindereinrichtungen, Werkstätten, das Museum im Schloss und sogar das Pfarrhaus habe Frohburg in den zurückliegenden Wochen in Nervosität versetzt, sagte Frank Winkler: „Dass da das Sicherheitsgefühl leidet, ist völlig klar.“

Die Ermittler hätten eine gute Spurenlage vorgefunden. Es sei möglich gewesen, Verbindungen zwischen den Tatorten und der Vorgehensweise zu ziehen. Dass hier nicht die organisierte Kriminalität am Werk sei, habe man schnell gemerkt. Streifenpolizisten sei es am 19. Januar nach einem Einbruch in eine Arztpraxis in Geithain gelungen, einen Tatverdächtigen aufzuspüren. Dabei sei auch ein Fährtenhund zum Einsatz gekommen.

Der Mann, so Winkler, sei festgenommen worden. Er habe die Einbrüche wohl verübt, um seinen Drogenkonsum zu finanzieren. Die Staatsanwaltschaft habe beim Ermittlungsrichter einen Haftbefehl erwirkt: „Entgegen der in Frohburg kursierenden Gerüchte ist der Mann weiter hinter Gittern.“

Gewerbeverein: Klartext reden

Rund 20 Einrichtungen seien allein seit Neujahr in der Stadt angegriffen worden, sagte Rainer Musch, der als Vorsitzender des Gewerbevereins die Debatte moderierte. Deshalb sei es höchste Zeit, Klartext zu reden, Spekulationen vorzubeugen und aufzuzeigen, wer was tun könne und müsse - auch präventiv. Dass Fenster und Türen meist Schwachstellen an Gebäuden seien, darauf wies Matthias Bradtke von der Polizeilichen Beratungsstelle hin: „Am liebsten wird dort gehebelt. Das geht schnell und lautlos.“

Schon mit überschaubaren Mitteln könne man sich schützen, vieles lasse sich nachrüsten. „Bei einem Beratungsgespräch nehmen wir uns die Zeit, alle Fragen zu klären“, so Bradtke. Diese Beratung sei kostenlos, erfolge produktneutral.

Kommentar: Polizeipräsenz allein ist es nicht

Der mutmaßliche Serien-Einbrecher, der Frohburg über Wochen in Aufruhr versetzte, ist in Haft. Dem kriminellen Geschehen in der Wyhrastadt ist zumindest die Spitze genommen. Grundsätzlich vom Tisch ist das Thema damit freilich nicht, wird es niemals sein. Umso wichtiger ist es, dass sich alle Verantwortlichen zusammensetzen, eine gemeinsame Sprache finden und eine gemeinsame Strategie. Die Runde, zu der der Gewerbeverein einlud und die Frohburger Unternehmer, Stadträte und Polizei ins Gespräch brachte, war deshalb ein wichtiger Schritt.

Indem er den erst vor wenigen Jahren von der sächsischen Landespolitik veranlassten Personalabbau bei der Polizei als spätestens heute offenkundigen „Blödsinn“ bezeichnete, legte Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) in seiner schnörkellosen Art den Finger in die Wunde. Natürlich darf man nicht davon ausgehen, dass eine einzige Streifenfahrt durch das Frohburger Stadtgebiet des Nachts die Gefahr von Einbrüchen gegen Null drücken würde. Doch es wäre schon beruhigend zu wissen, die Polizei käme sofort, wenn man sie alarmierte – und müsste nicht erst viele zeitfressenden Kilometer Anfahrtsweg bewältigen. Polizeipräsenz zu verstärken, ein nachvollziehbarer Wunsch. Sie würde präventiv wirken, und sie würde – nicht zu unterschätzen – das gern beschworene Sicherheitsgefühl stärken.

Mindestens ebenso wichtig ist, dass die Menschen zusammen stehen. Dass das Verantwortungsbewusstsein über den eigenen Gartenzaun hinausreicht. Dass man weiß, dass die Nachbarschaft ein Rückhalt ist. Die Runde des Gewerbevereins sprach das deutlich an, und sie zeigte, dass die Bereitschaft vieler dafür vorhanden ist. Das, was etwas hochtrabend bürgerschaftliches Engagement genannt wird, ist doch der Kitt einer Gesellschaft, vornehmlich einer, die das Freiheitliche betont. Jeder kann, jeder sollte (s)einen Beitrag dazu leisten.

e.schulreich@lvz.de

Führten mehrere Einbrüche in dasselbe Objekt oder eine Serie in einem Stadtgebiet dazu, dass die Versicherer höhere Prämien verlangten, wollte einer der Zuhörer wissen. So pauschal treffe das nicht zu, aber natürlich orientierten sich alle Versicherer an den Statistiken, sagte Martin Seymer von der R+V-Versicherung. Er gab den Geschäftsleuten Hinweise, wie sie ihr Gewerbe versicherungstechnisch schützen könnten.

Verdächtiger ist weiter in Haft

Dass eine Polizeistreife den Täter in Geithain gefasst habe, unterstreiche die Wichtigkeit von solchen Streifen, meinte Ex-Gewerbevereinschef Günter Köhler: „In Frohburg sieht man aber keine mehr. Dabei könnte die manches verhindern.“ Natürlich sei man bestrebt, „die Präsenz auch in Frohburg zu erhöhen“, sagte der stellvertretende Revierleiter.

Es gebe einen Bürgerpolizisten. Bradtke ergänzte, Streifen erhöhten zwar das „subjektive Sicherheitsgefühl“, verhinderten aber kaum Einbrüche, weil die Täter sich darauf einstellten.

Ordnungsamt der Stadt und der Bürgerpolizist in Frohburg wichtig

„Jetzt begreifen alle, dass der Personalabbau bei der Polizei Blödsinn war“, hielt Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) nicht hinterm Berg. Die Bürger wünschten mehr Sichtbarkeit der Beamten; das sei nachvollziehbar und richtig. Wichtig sei aber auch ein gutes Miteinander, wie es diese Gesprächsrunde demonstriere: „Wir müssen Partner sein mit der Polizei.“

Das Ordnungsamt der Stadt und der Bürgerpolizist etwa hielten engen Kontakt. Es gehe aber auch um einen engagierten Zusammenhalt innerhalb der Bürgerschaft.

www.k-einbruch.de

Von Ekkehard Schulreich

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