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Frohburg: Zweite Wohngruppe für junge Flüchtlinge geplant

Kindervereinigung Frohburg: Zweite Wohngruppe für junge Flüchtlinge geplant

Bis zu 20 heranwachsende Flüchtlinge aus Kriegsgebieten will die Kindervereinigung Leipzig in Frohburg betreuen. Das seit Februar praktizierte Angebot wird auf Drängen des Landkreises jetzt aufgestockt. Die seit Jahrzehnten hier etablierte offene Kinder- und Jugendarbeit soll weitergeführt werden.

Blick auf Frohburg. Die Kindervereinigung will in der Kinder- und Jugendbegegnungsstätte künftig bis zu 20 jungen Flüchtlingen ein Zuhause geben.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg. Seit Februar versucht die Kindervereinigung Leipzig in Frohburg jungen Flüchtlingen ein Zuhause zu geben. Einen Ort, an dem sie Fuß fassen, einen Zugang zur Gesellschaft und eine Perspektive finden können. Die Immobilie der Kinder- und Jugendbegegnungsstätte am Stadtrand bietet dafür aus Sicht von Matthias Heinz, dem Geschäftsführer des Vereins, beste Bedingungen. Zudem erweise sich Frohburg als eine Stadt mit zugänglichen Menschen, gute Voraussetzung für eine Integration der Entwurzelten und meist durch kriegerische Gewalt Traumatisierten.

Für die Kindervereinigung ein Grund, in Abstimmung mit der Kommune und auf Drängen des Landkreises ab dem Herbst hier eine zweite Gruppe minderjähriger Flüchtlinge zu betreuen. Parallel dazu soll die im Haus etablierte Kinder- und Jugendarbeit fortgeführt werden – wenn auch in einem anderen Flügel des Gebäudekomplexes, der im kommenden Jahr dafür hergerichtet werden soll.

„Die Jugendlichen sind offen, sind leistungsbereit“, sagt Matthias Heinz über die aktuell 13 unter 18-Jährigen, Jungen durchweg. Die meisten kämen aus Konfliktgebieten in Afghanistan, seien zum Teil Ernährer ihrer Familien. Die jungen Syrer zählten in ihrer kriegsverheerten Heimat bisher zu den sozial Bessergestellten, so Heinz: „Da gibt es schon Unterschiede in den Ansprüchen. Doch alle sind bestrebt, sich zu integrieren.“ Das zeige sich nicht nur in der Geithainer Paul-Guenther-Schule, wo sie unterrichtet würden, oder im Beruflichen Schulungszentrum in Böhlen, sondern auch vor Ort; einige kickten beispielsweise im Frohburger Sportverein.

Künftig will die Kindervereinigung in Frohburg bis zu 20 Heranwachsende in zwei Gruppen betreuen. Die dafür nötigen Umbauten seien erfolgt. „Zwanzig sind für uns die Obergrenze. Integration kann nur in kleinen Strukturen gelingen.“ Die Rund-um-die-Uhr-Betreuung sichert der Verein mit 18 Pädagogen ab; darüber hinaus schaffe man bei der Bewirtschaftung des Objektes einige neue Arbeitsplätze. Vor der Erweiterung standen Gespräche, um die Akzeptanz in der Stadt zu sichern. „Wir haben diskutiert, was ist gut für die Bürger und wo sind rote Linien“, sagt Heinz. Der Stadtrat hatte das Konzept im September einstimmig gebilligt. Ebenso konstruktiv sei das Zusammenwirken mit dem Landkreis, der für die Unterbringung junger Flüchtlinge zuständig sei. Dass die großen Betreiber solcher Unterkünfte in Tanndorf, Hohburg, Frohburg, Waldsteinbach und demnächst in Markranstädt – Kindervereinigung, das DRK und das BSW – kooperierten, sei hilfreich.

Weil Wohnbereiche und Offener Treff räumlich klar getrennt sein müssen – eine Auflage des Landesjungendamtes – , wird der Verein im nächsten Jahr rund 150 000 Euro in weitere Umbauten investieren. Das bisherige Sommercafé werde „zügig, funktional und preiswert“ zum Treff umgebaut, kündigt Heinz an. Den Bauantrag wolle man bis Jahresende einreichen und im Frühjahr loslegen, Bauzeit zwei, drei Monate: „Bis dahin bleibt der Treff, wo er ist – mit ein paar organisatorischen Veränderungen.“ Der vor wenigen Jahren neu errichtete Spielplatz bleibe ohne Einschränkungen öffentlich nutzbar. Lediglich für Klassenfahrten und Ferienfreizeiten fehle künftig die Kapazität. Allenfalls die über Jahre ausgerichteten internationalen Jugendbegegnungen sollen „im Einzelfall einmal jährlich“ möglich sein.

Matthias Heinz geht davon aus, dass minderjährige allein reisende Flüchtlinge auch in den nächsten Jahren ein Thema sind. „Ihr Anteil an jenen, die jetzt nach Deutschland kommen, ist höher als im vergangenen Jahr.“ Zudem würden die Flüchtlinge zurzeit innerhalb der Bundesrepublik umverteilt, um dem Königsteiner Schlüssel zu entsprechen. Die neue Entwicklungskonzeption für die Frohburger Einrichtung sei deshalb nicht auf Kurzfristigkeit ausgelegt: „Der Landkreis hat uns den Bedarf klar signalisiert.“

Von Ekkehard Schulreich

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