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Frohburg verkauft das Prießnitzer Bauernrathaus

Schnäppchen oder Ladenhüter? Frohburg verkauft das Prießnitzer Bauernrathaus

Die Stadt Frohburg will das Prießnitzer Bauernrathaus – ein Wahrzeichen des Dorfes und ein bedeutendes Kultur- und Baudenkmal – verkaufen. Der Stadtrat beschloss bei zwei Enthaltungen, das 1717 errichtete Gebäude auszuschreiben. Mindestens 22.000 Euro soll die Immobilie kosten. Doch die Sanierung könnte teuer werden.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg/Prießnitz. Was nach dem ersten Hören nach einem Schnäppchen klingt, kann sich durchaus als ein Ladenhüter entwickeln. Das läge dann weniger an der fehlenden Attraktivität des Fachwerkhauses in bester Lage, sondern an hohen Anforderungen an Sanierung und Nutzung, die sich aus dem Denkmal-Status ergeben.

Dass viele Prießnitzer den Verkauf des Hauses, lange Zeit ein Kulminationspunkt dörflichen Lebens, nicht gutheißen, darauf machte Eberhard Schneidenbach (Linke) aufmerksam. Allerdings sei der Heimatverein Prießnitz/Trebishain schon personell nicht in der Lage, das Gebäude in seine Regie zu übernehmen. Der Ortschaftsrat mahnte vor einer Entscheidung des Frohburger Stadtrates an, mit dem Mieter, einem Versicherungsmakler, zu sprechen, ob er nicht das Ensemble kaufen wolle. Letzteres habe man getan, sagte Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW); ein verwertbares Kaufangebot liege nicht vor.

„Wir müssen uns konzentrieren. Das Prießnitzer Rittergut kostet auch in den nächsten Jahren eine Menge Geld“, wiederholte Hiensch seine Argumentation pro Verkauf: „Der Kern der Sache wird verkannt.“ Die Stadt könne in Prießnitz nicht in zwei denkmalgeschützte Immobilien in Größenordnungen investieren – umso weniger, als dass sie für besagtes Rathaus, im Gegensatz zu Rittergut samt Schloss, keine Verwendung habe. Keiner wolle das Bauernrathaus abreißen, es werde auch in der Zukunft nicht verschwinden aus dem Dorf, doch warum solle es immer die Kommune sein, die für Sanierung und Betrieb aufkommen müsse?

Dass sich Frohburg für Rittergut und Schloss Prießnitz engagiere, sei gut und richtig, sagte Andreas Mertin (Linke). Darüber hinaus könne man aber nicht von der Stadt verlangen, in Größenordnungen Geld für Prießnitzer Immobilien auszugeben. Weiteren Gesprächsbedarf gab es in der Stadtratsrunde offenkundig nicht. Mit zwei Enthaltungen beschloss das Parlament, das 760 Quadratmeter große Grundstück an der Frohburger Straße auszuschreiben. Der Mindestverkaufspreis wurde auf 22.000 Euro festgelegt. Hiensch plädierte dafür, auch überregional um Interessenten zu werben. Schließlich sei Voraussetzung für den Erwerb, dass eine Sanierung erfolge. Und die dürfte ein Vielfaches des Kaufpreises kosten. Das 300 Jahre alte Gebäude, ein Umgebindehaus, diente lange Zeit als Gemeindehaus. Die Bohlenstube im Erdgeschoss wurde zuletzt als Versammlungsraum genutzt, seit dem Frühjahr durch die Stadt allerdings nicht mehr zur Vermietung angeboten. In den achtziger Jahren war das Haus neu eingedeckt worden; es gebe allerdings einen „erheblichen Unterhaltungsstau“, heißt es in der Beschlussbegründung. Neue Nutzungen zu finden – etwa der Umbau zum Wohnhaus –, sei kompliziert; Auflagen der Denkmalbehörden schreckten einen potenziellen Interessenten bereits ab.

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