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Geithain Frohburg verschenkt Greifenhainer Schule – doch niemand will das Gebäude
Region Geithain Frohburg verschenkt Greifenhainer Schule – doch niemand will das Gebäude
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00:22 11.02.2018
Marode ist die Bausubstanz der alten Greifenhainer Schule schon lange. Orkan Friedrike sorgte für erhebliche Schäden am Dach. Quelle: Jens Paul Taubert
Frohburg/Greifenhain

Für Generationen von Greifenhainern und Kindern umliegender Orte ist das Schulgebäude neben der Kirche unmittelbar mit ihrer Lebensgeschichte verbunden: Doch dieses imposante Haus, vor einem Jahrhundert errichtet, später Zentralschule, dann POS und seit Schließung der Grundschule 2000 verwaist und verfallend, scheint kaum noch eine Zukunft zu haben.

Orkan Friederike holte das Haus zurück in die öffentliche Wahrnehmung, denn er hinterließ erhebliche Schäden an der maroden Substanz. Und zwingt die Stadt Frohburg wider Willens, in die Immobilie, für die sie keinerlei Verwendung hat, rund 8000 Euro zur Beseitigung der eklatantesten Gefahrenstellen zu investieren. Finde sich allerdings auch in den nächsten Monaten kein Käufer für das 1911 errichtete imposante Gebäude, komme man nicht umhin, eine dauerhafte Schutzabsperrung zu installieren, kündigte der Frohburger Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) vor dem Stadtrat an: „Damit können die Flächen nicht für das Weihnachtsfest in Greifenhain genutzt werden. Ich werde auf jeden Fall die Verantwortung ablehnen, wenn dort jemand zu Schaden kommt.“

Unter all den Immobilien mit dem Makel Kirchschullehen, die sich im Frohburger Stadtgebiet befinden, erscheint Hiensch die Greifenhainer Schule von ihrer Substanz her als die wertvollste – auch unter denkmalpflegerischem Gesichtspunkt. Da aber auch hier wie in vielen zu Frohburg zählenden Dörfern die Eigentums-Bereinigung zwischen Kirche und Kommune weder erfolgt sei noch überhaupt voran komme, sehe er für die Zukunft eher schwarz. „Für den Eigentumsübergang des Gebäudes an die Kirche oder auch an einen anderen Eigentümer verlangt die Stadt keinen Cent. Soweit die Kirche von Kaufinteressenten für den Grund und Boden eine Entschädigung verlangt, so würde die in voller Höhe der Kirche zu Gute kommen.“ Das habe der Stadtrat vor Jahren schon so beschlossen. Doch selbst dieser Verzicht der Stadt, der ja eine Art Mitgift sei, habe bisher nicht dazu geführt, die Greifenhainer Schule einer neuen Nutzung zuzuführen. „Jegliche Investitionen der Stadt in die Erhaltung des Gebäudes müssen schon auf Grund der finanziellen Situation, anderer gesetzlicher Zuständigkeiten und Prioritäten ausgeschlossen werden.“

Mit Blick auf das Gesamtproblem Kirchschullehen warf der Bürgermeister erneut den zuständigen Kirchengremien Inaktivität vor. Es gab in den vergangenen Jahren und gebe immer noch für das eine oder andere Objekt Kaufinteressenten. Die sprängen ab, weil die Kirche ihrer Verantwortung nicht gerecht würde; der Stadtverwaltung aber seien die Hände gebunden. Sie könne sich nur auf jene Häuser konzentrieren, für die es eine öffentliche Nutzung gebe – doch schon die zahlreichen Dorf- und Gemeindezentren stellten eine Herausforderung dar: „In Schönau, Greifenhain, im Haus der Begegnung in Kohren-Sahlis und anderswo sind bauliche Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten dringend erforderlich.“

Hiensch nannte lediglich ein positives Beispiel: In Flößberg sei es dank des Engagements von Pfarrerin Barbara Vetter gelungen, die Eigentumsauseinandersetzung zum Erfolg zu führen. Hier ging es um die Kindertagesstätte, die die Stadt demnächst umbauen will. Im Gegensatz dazu bemühe sich die Stadt anderenorts seit Jahren und zum Teil Jahrzehnten vergeblich um eine Klärung, „ohne dass es größere Fortschritte oder Lösungen gibt“. Es sei schade um die in vielen Fällen denkmalgeschützten, längst aber völlig verschlissenen Gebäude, die ja trotz ihres Zustands meist ortsbildprägend seien.

Von Ekkehard Schulreich

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