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Frohburger Joachim Franke gießt Historie in Zinn und macht neugierig auf Geschichte

Ausstellungen in Wyhra und Prießnitz Frohburger Joachim Franke gießt Historie in Zinn und macht neugierig auf Geschichte

Joachim Franke aus Frohburg fertigt und sammelt Zinnfiguren – um die Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen: so in den Museen in Wyhra und in Prießnitz. Im Rahmen der derzeitigen Sonderausstellung „Zinnfiguren-Kabinett“ lädt das Volkskundemuseum Wyhra am 20. Januar zu einer besonderen Veranstaltung mit Joachim Franke ein.

Joachim Franke mit einigen Exponaten. Große Figuren wir der Kreuzritter werden in mehreren Teilen gegossen und dann zusammengefügt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg/Borna . Ein Karton mit Blei-Soldaten war für Joachim Franke das prägende Erlebnis. Vier Jahre alt war er damals, und der Zweite Weltkrieg wütete noch wenige Monate. Der die Figuren schenkte, sein Onkel Franz, hatte am selbem Tag wie er selbst Geburtstag, am 1. Januar; er kehrte nach seinem Fronturlaub zum Jahreswechsel 1944/45 in den Krieg zurück und nie mehr heim. Dass sich Joachim Franke mit Figuren, nun aus Zinn, zu befassen, sie zu sammeln und selbst zu gießen begann, datiert zu Beginn der Achtzigerjahre. Und dauert an. Teile seines Schatzes macht der 75-Jährige jetzt öffentlich zugänglich: in den Ausstellungsräumen des Heimatvereins Prießnitz/Trebishain im Prießnitzer Rittergut, im Volkskundemuseum Wyhra, in Günther Neubauers Streitwalder Heimatstube.

„Das Gießen, das Putzen, das Arrangieren, das ist die Freude. Die Krönung ist der Bau von Dioramen, von ganzen Schaubildern, aber da bin ich sehr eingeschränkt“, sagt Joachim Franke, der mit seiner Frau Helga in Frohburg im Altneubaugebiet lebt. Zwar fertigt sie nicht selbst Figuren, doch sie teilt seine Begeisterung dafür und sammelt ebenso. „Beide müssen mit dem Herzen dabei sein, sonst wird das nichts“, sagt sie. Da wundert es nicht, dass beide gemeinsam über ihr Interesse an der Geschichte zu den Zinnfiguren kamen. 1980 besuchten sie das Torhaus in Leipzig-Dölitz, ein Ort, an dem 1813 Kämpfe der Völkerschlacht dominierten und inzwischen Heimstatt der Zinnfiguren-Enthusiasten. „Einige der Dioramen kannte ich noch aus dem Alten Rathaus, hatte sie dort in den Fünfzigerjahren bewundert“, sagt Joachim Franke. Die Brücke zur Kindheit war gebaut – auch wenn jene Soldaten aus Blei nicht allzu viel gemein hatten mit der sich nun öffnenden Welt in ihrer handwerklichen und thematischen Breite.

Figuren zu gießen, das war in der DDR eine mehrfache Herausforderung. „Wer Formen hatte, gab sie nur ungern aus der Hand, allenfalls leihweise“, so Franke. Und dann war da das Rohstoff-Problem: „Wir haben uns mit Lötzinn beholfen.“ Um eine höhere Festigkeit zu erreichen oder – bei filigranen Formen – ein besseres Fließverhalten, bedurfte es Zusätzen, Antimon oder Wismut – kaum zu beschaffen. Frankes erste eigene Figuren waren welche aus der Kaiser-Wilhelm-Zeit, nicht aus einer Vorliebe für Pickelhauben heraus, sondern weil er dieser Formen habhaft wurde. Dabei erinnerte er sich sehr wohl, dass die Blei-Soldaten der Kindheit ein Sakrileg waren: Jegliches Militärische gleich Militaristische war mit einem Bann belegt.

„Im Keller habe ich meine Ecke“, sagt Joachim Franke. Hier findet er das Werkzeug und die Ruhe, um zu arbeiten. Organisiert war er, der als Elektriker das nötige Fingerspitzengefühl besitzt, nie, nicht im Kulturbund, nach der Wende in keinem Verein. Vor einem Jahrzehnt angesprochen, sich an einer Hobbymesse in Prießnitz zu beteiligen, tat er den Schritt in die Öffentlichkeit. Der Kontakt zum Heimatverein Prießnitz/Trebishain entstand – und Ende vergangenen Jahres dort eine kleine Schau, die ausgebaut werden soll. „Die Figuren bekommt der Verein geschenkt. Ich brauche sie nicht für mich. Sie sollen sichtbar, andere sollen ebenso Freude daran haben.“

Für ihn ist die Schenkung zugleich eine Wertschätzung der musealen Arbeit. Und eine Chance, ein in hochtechnisierten Zeiten archaisch wirkendes Hobby wie die Beschäftigung mit metallnen Figuren hochzuhalten als ein Stück Kultur, das allmählich zu verschwinden droht. Zu Unrecht, wie er überzeugt ist nicht nur wegen der Bodenständigkeit und – in mehrfachem Sinn – Begreifbarkeit: „Dieses Gebiet ist unheimlich interessant, weil man mit der ganzen Breite der Geschichte konfrontiert wird – auch mit den eigenen Wurzeln.“

Im Rahmen seiner derzeitigen Sonderausstellung „Zinnfiguren-Kabinett“ lädt das Volkskundemuseum Wyhra am 20. Januar zu einer besonderen Veranstaltung mit Joachim Franke ein. Dem Frohburger verdankt das Museum, dass die Ausstellung überhaupt stattfinden kann. Er stellte fast alle Exponate dafür zur Verfügung. Neben Zinnfiguren gehören dazu auch Materialien und Werkzeuge zu deren Herstellung. Auf der Veranstaltung gibt Franke eine Einführung in die Welt der Zinnfiguren und stellt sein interessantes Hobby vor. Ergänzt wird dies durch einen kleinen Vortrag zur Rolle des Zinns in der sächsischen Kulturgeschichte. Die Veranstaltung beginnt 16 Uhr. Die Ausstellung „Zinnfiguren-Kabinett“ wird noch bis Ende April im kleinen Sonderausstellungsraum des Volkskundemuseums Wyhra gezeigt. Bis Ende März ist das Museum dienstags bis Freitag von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Von Ekkehard Schulreich

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