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Frohburger Museum eröffnet neue Schau mit Werbung aus den Fünfzigern

Kaffee-Ersatz und Muscat Ottonel Frohburger Museum eröffnet neue Schau mit Werbung aus den Fünfzigern

Dass Konsum-Werbung in der jungen DDR mehr war als nur eine Verkaufsofferte, führt die neue Ausstellung im Frohburger Schloss vor Augen: Der Betrachter taucht ein in ein Stück Lebens- und Alltagskultur der Nachkriegsjahre, erinnert sich eines Aufbruchs, verspürt in manchen Bildern das propagandistische Pathos.

Im Treppenhaus des Westflügels und in Vitrinen ergänzen Haushaltgegenstände die Konsum-Plakate.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg. Ost und West erkennt man am Konsum, präziser: an der Betonung dieses Wortes. Wer in der DDR aufwuchs, spricht ein kurzes O, wenn er sich an die Einkaufskultur vergangener Jahrzehnte erinnert. Immerhin war „der Konsum“ nach der Handelsorganisation (HO) zweitgrößter Anbieter von Ata bis Zweifruchtmarmelade in der kleineren Republik. Was die Gestaltung der Werbung betrifft, lag man zumindest in den endvierziger und fünfziger Jahren gar nicht so weit mit Deutschland West auseinander, orientierte sich das Grafische doch oft an Vorkriegsstandards und gehörte Reklame beiderseits zum Alltag. „Konsumplakate werben“ heißt eine neue Sonderschau, die das Museum Schloss Frohburg am Freitag eröffnet – und die anknüpfen will an den großen Erfolg der Schau „Chic im Osten“, bei der 2015 die Mode im Mittelpunkt stand.

„Bitte überzeugen Sie sich selbst von der Güte und Auswahl unserer Lebensmittel“, heißt es auf einem der mehrfarbigen Konsum-Plakate. Auf einem anderen gönnt sich ein Industriearbeiter, die Schweißerbrille auf die Stirn geschoben, eine Tasse der „guten Kaffee-Ersatzmischung“. Eine Verkäuferin mit gestärktem Häubchen fordert „Kritik und Vorschläge zur weiteren Verbesserung der Arbeit der Konsum-Genossenschaften“. Ein weiteres Plakat umwirbt die Bauern: „Verkauft Schlachtvieh, Eier, Milch, Geflügel“ – an die Aufkaufstellen des Konsums selbstredend.

Apropos selbstredend: Die Schau mit knapp einem halben Hundert Konsum-Plakaten, ein gutes halbes Jahrhundert alt, spricht für sich selbst. Wer diese Zeiten erlebte, egal ob als Erwachsener oder als Kind, taucht im Nordflügel des Frohburger Schlosses und im geräumigen Treppenaufgang des westlichen Gebäudeteils ein in ein Stück eigener Lebensgeschichte. Man mag es kaum glauben, dass die so weit schon zurück liegt. Dass es keine großen Erläuterungen braucht, liegt auch an der gegenständlichen Ergänzung: In Vitrinen ist Geschirr dieser Jahre arrangiert, werden nur sehr selten aufgehobene Verpackungen gezeigt, eine Bonbonniere „Elbflorenz“, Baerio-Bonbons „für Sport, Reisen und Wandern“, eine Flasche Muscat Ottonel. Auf dem Boden Gerätschaften zum Einkochen – zum Einwecken, wie die Großmutter mit Verweis auf einen Firmennamen Weck aus der Vorkriegsära sagte: Einkochtopf, Gläser mit Gummiringen und Spangen, ein ungeöffnetes Riesenglas Sauerkirschen mindestens aus Ulbrichts Zeiten. Langatmige Erklärungen sind auch deshalb entbehrlich, weil die Besucher in Anbetracht der Exponate untereinander in Gespräche kommen und spätestens dann die Jüngeren oder in Fernen Aufgewachsenen ins Bild gesetzt werden – ganz nach dem Motto: Wes das Herz voll ist, des läuft der Mund über. Ergänzt wird die Schau durch einen geschichtlichen Abriss zum Konsumgenossenschaftswesen, das dank des Markenanleckens und -aufklebens eine durchaus sinnliche Dimension hatte.

„Die Zeitreise, die wir in Sachen Mode im vergangenen Jahr anboten, kam sehr gut an“, resümiert Konstanze Jurzok, die das städtische Museum im Frohburger Schloss leitet. Rund 1000 Besucher habe man da gezählt, daran wolle man anknüpfen. Ebenso daran, dass Menschen aus der Region mit Leihgaben die Schau ergänzen – im konkreten Fall durch Haushaltsgeräte, Geschirr, Kochbücher, Verpackungen. Der Marken-Kern der Exposition indes stammt von Siegfried Lorenz. Der 73-Jährige, in Meinersdorf im Erzgebirge zu Hause, arbeitete als Werbegrafiker bei der staatlichen Werbeagentur DEWAG und im Messebau. Er trug über Jahrzehnte einen riesigen Fundus an Werbung zusammen. Die Konsum-Plakate sind nur ein kleines Sammelgebiet von vielen.

Dass in Frohburg keine Originale zu sehen sind, begründet Jurzok mit der Lichtempfindlichkeit des alten Papiers und mit dem angegriffenen Zustand vieler dieser Werbeträger. Lorenz machte sich deshalb die Mühe, die Blätter zu scannen, am Bildschirm behutsam zu retuschieren und neu großformatig in Farbe auszudrucken. Bereits im vergangenen Jahr hatte er einige Blätter Mode-Werbung leihweise zur Verfügung gestellt. So sei die Idee zu dieser neuen Schau entstanden, sagt Museumsmitarbeiterin Monika Buschmann: „Sein Archiv böte auch für weitere Ausstellungen beeindruckende Exponate.“ Etwa zur Tourismus-Werbung, zu Schulanfang und Jugendweihe, zu politischen Themen. Ob das Museum davon Gebrauch macht, wird nicht zuletzt die aktuelle Ausstellung zeigen.

Das Museum Schloss Frohburg ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 12 und 13 bis 16 Uhr, Sonnabend von 14 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Von Ekkehard Schulreich

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