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Frohburger Skisportler blickt an seinem 75. Geburtstag zurück

Zweifacher Goldmaster Frohburger Skisportler blickt an seinem 75. Geburtstag zurück

Dass der Skisport nicht allein den Gebirglern vorbehalten ist, Reiner Wiesenbachs sportliche Laufbahn beweist es. In den Nachkriegsjahren entdeckte der Frohburger seine Leidenschaft für den Langlauf. Fortan nahm der Skisport breiten Raum ein, wurde zu Lebensinhalt und Lebenselixier. Dienstag wird Wiesenbach 75 – kein Alter, um sich zur Ruhe zu setzen.

Reiner Wiesenbach mit zwei Medaillen, die ihm besonders wertvoll sind: Sie bestätigen ihn als Worldloppet-Goldmaster 2005 und 2008.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg. Reiner Wiesenbachs Herz gehört dem Sport, dem Skilanglauf vor allem: Seit der Mann, der am Dienstag 75 Jahre alt wird, im Alter von neun auf den schmalen Brettern stand, bedeuten sie für ihn die Welt. Über Jahrzehnte war er Übungsleiter, höchst qualifizierter Kampf- und Sprungrichter („Das war für einen Flachländer ungewöhnlich!“) – und genoss in den Jahren seit der Wende die Chance, international zu starten, europaweit und in Übersee.

„1950 hab’ ich angefangen mit Laufen. In der Schule. Da gab es ein Händeschütteln vom Sportlehrer“, erinnert sich Reiner Wiesenbach über den Beginn seiner Skilauf-Leidenschaft. Die schrägen Wände unter dem Dach seines Frohburger Hauses sind dicht an dicht bestückt mit Startnummern und Plakaten, die seinen sportlichen Einsatz und Erfolg illustrieren – nach dem Ende der DDR. Aus der Zeit davor bewahrt er Medaillen und Urkunden auf. Um im Untergeschoss Platz für den Enkel zu machen, zog der Großvater mit seinem Traditionskabinett im besten Sinne hinter die Giebel.

„Ich fange langsam wieder an“, sagt Wiesenbach. Er meint das Sporttreiben ebenso wie das Engagement dafür im Verein. Mehr als ein halbes Jahrhundert war er ehrenamtlich in leitender Funktion, zuerst in der Sektion Wintersport der BSG Einheit Frohburg, nach der Wende als Gründungsmitglied im Skiklub Frohburg. Als sich der Gesundheitszustand seiner Frau Isolde verschlimmerte, trat er kürzer, um sie zu pflegen; 2015 starb sie. Ein Verlust, der Reiner Wiesenbach schwer traf. Die Familie und der Sport sind Möglichkeiten für ihn, sich dennoch wieder aufzurichten.

„Meine Mutter hatte von ihrem Bruder, der im Krieg blieb, ein Paar Ski. Auf den Latten bin ich gerutscht“, blickt Reiner Wiesenbach zurück. Auf Zeiten, als es in Frohburg noch richtige Winter gab mit massig Schnee. Als im Eisenberg Langlauf stattfand und auf einem Wiesenhang am Gaudenberg bei Kohren-Sahlis Abfahrt. Als Kohren, Geithain, Niedersteinbach, Bad Lausick in Wintersportsektionen aktiv waren, der Skisport verbreitet war – Wettkämpfe und Spartakiaden inklusive, bei Schnee im Streitwald, sonst im vogtländischen Hammerbrücke. Anderthalb Jahrzehnte war Wiesenbach Delegationsleiter zur DDR-Bestenermittlung, reiste mit den Jugendlichen zu Vergleichen ins befreundete Ausland. Er selbst absolvierte viele Jahre unter anderem den Kammlauf Johanngeorgenstadt–Mühlleiten und den Gedenklauf im tschechischen Liberec, beide über 50 Kilometer.

Als dann die ganze Welt offen stand, war der Wasalauf eine besondere Herausforderung in der Laufserie Word-Loppet, die mindestens 14 internationale Teilnahmen erfordert. Zweimal holte er hier das Goldmaster-Diplom: „Insgesamt habe ich mehr als 200 Läufe gemacht, von 42 bis 120 Kilometern.“ Wiesenbach schmunzelt, wenn er das sagt. Er wirft sich nicht in die Brust, muss keinem etwas beweisen als sich selbst. Älteren ist er auch als Fußballer ein Begriff. Allein über Wiesenbach und den Fußball ließe sich ein ganzer Beitrag füllen.

Viel Stoff böte ebenso in seine berufliche Tätigkeit. Unter all den internationalen Startnummern hat sich deshalb aus gutem Grund ein Foto der Ortslage Altmörbitz geschmuggelt: Es zeigt die Bundesstraße 95 nach dem mehrjährigen Umbau 1995. Hier war Wiesenbach Bauleiter. Eine besondere Herausforderung angesichts des beinahe explosiv anschwellenden Verkehrs zwischen Leipzig und Chemnitz und angesichts denkmalpflegerischer Einwände in dem von Fachwerk-Fassaden geprägten Dorf. Als die Trasse noch F 95 hieß, wurden über Jahre zwischen Eschefelder Kreuz und Wernsdorfer „Zeisig“ das Granitpflaster gegen Asphalt ersetzt (Wiesenbach: „Das Pflaster ging angeblich in den Westen, und der Spruch lautete: Ach, wäre ich ein Pflasterstein...“) und Kurven begradigt. Von seinem Espenhainer Büro aus leitete Wiesenbach den vierspurigen Neubau der F 95, die zwischen Espenhain und Großdeuben über verfüllten Tagebau verläuft („Das war damals ein Novum.“).

Was Reiner Wiesenbach besonders freut: Die Familie teilt seine sportliche Begeisterung. Tochter Annett Wiesenbach-Fischer ist Mitglied im Skiklub und Leichtathletin. Sohn René ist Übungsleiter für Kinder und Jugendliche und im Frohburger Fußball erfolgreich. Annett und René zählten in ihrer Jugend zudem zu den erfolgreichsten Langläufern in der Region. Enkel Felix, mit sechs Jahren Langlauf-Bezirksmeister und Vogtlandlauf-Sieger, entdeckte später das runde Leder für sich. Enkel Rudi spielt ebenso Fußball. Zur Ruhe setzen, auch für den 75-Jährigen kommt das nicht in Betracht: „Ich kann doch nicht einfach aufhören, bloß weil ich älter geworden bin!“

Zwei Stimmen:

„Der Name Reiner Wiesenbach ist untrennbar mit dem Skisport in Frohburg und im Raum Leipzig verbunden. Als Aktiver, als Kampfrichter und als Organisator hat er die Geschichte des nordischen Skisports im sächsischen Flachland mitgeschrieben.“ Heinz Creuzburg, Skiclub Frohburg

„Reiner Wiesenbach zählt zu den erfolgreichsten Übungsleitern im Skisport. Was ihn auszeichnet, sind fachliches Wissen und Können, pädagogisches Geschick, Besessenheit und die Bereitschaft, für den Skisport Opfer zu bringen.“ Druckschrift zum 90-jährigen Bestehen des Skiverbandes Sachsen

Von Ekkehard Schulreich

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