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Geithain Frohburger Sportler bauen sich im ersten Friedensjahrzehnt ein Stadion
Region Geithain Frohburger Sportler bauen sich im ersten Friedensjahrzehnt ein Stadion
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16:26 20.10.2017
Frohburgs Vereinschef Dietmar Perl (v. l.) kann sich auf die gestandenen Mitglieder verlassen. Zur Truppe, die sich nach den Punktspielen der Fußballer um den Rasen kümmert, gehören Peter Hiensch, Günther Wehefritz und Holm Ludwig. Quelle: Ekkehard Schulreich
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Frohburg

Dass sich die Frohburger Stadtverordneten im Oktober 1957 zu einer Festsitzung trafen, hatte denselben Grund wie der Sportlerball im Kulturhaus „Wyhratal“ Mitte des Monats: Gefeiert wurde die Inbetriebnahme des Frohburger Stadions. Dreieinhalb Jahre hatten die Frohburger an ihrer neuen Sportstätte am Erligtweg gebaut, einem Sportforum, das nicht nur im Kreis Geithain Maßstäbe setzte. Von jenen, die damals – der Zweite Weltkrieg war gerade ein Jahrzehnt zuvor zu Ende gegangen – enthusiastisch und unentgeltlich zupackten, leben 60 Jahre später nur noch wenige. Einheit Frohburg, 1957 durch die Fusion zweier Betriebssportgemeinchaften entstanden und nach der Wende neu strukturiert, ist bis heute nicht nur ein sehr aktiver Verein. Mit mehr als 300 Mitgliedern gehört er zu den großen im Leipziger Süden.

Unglaubliche Leistung wegen der einfachen Mittel

„Wenn man sich vor Augen führt, mit welch primitiven Mitteln der Stadionbau angegangen wurde, dann ist das eine unglaubliche Leistung“, sagt Dietmar Perl. Er verweist auf die wohl sortierte Chronik des Vereins, zu der zahlreiche Fotografien gehören. Die zeigen, dass vor allem mit Schaufeln, Hacken und Pferdefuhrwerken an einer Sportstätte gebaut wurde, die den bis dato vorhandenen bescheidenen Platz von 1932 förmlich umkrempelte. Der 73-Jährige, seit 1995 Vereinspräsident, hat bis heute höchsten Respekt vor dem Einsatz und der Begeisterung der vielen Erbauer. Auf 170 000 Mark wurde das Bauvolumen veranschlagt; mehr als 100 000 Mark erbrachten die Sportler mit Eigenleistungen.

Arbeitspause 1954/1955 mit Brot und Bier: Nach dem ersten Spatenstich im Sommer 1954 packten viele Frohburger bei Bau des Stadions mit zu. Quelle: Vereinsarchiv

An die Einweihung des Stadions, das bis heute den Namen des antifaschistischen Arbeitersportlers Werner Seelenbinder trägt, kann er sich noch gut erinnern. 13 Jahre alt, war er mittendrin, als am 18. Oktober 1957 der Festumzug von der Schule durch die Straßen zum Stadion führte. „Die ganze Stadt war auf den Beinen. Es war ein Mordsprojekt und ein Ereignis, das man nicht vergisst.“ Zumal wenige Tage später der Wunsch der ganz jungen Frohburger Kicker erhört wurde und die Betriebssportgemeinschaft (BSG) Einheit eine Kinder-Mannschaft aufbaute. Perl gehörte zu jenen, die hier ihre Fußball-Leidenschaft entdeckten. In den Achtzigern fungierte er dann als Trainer der Männer, erlebte mit ihnen 1989/1990 sogar den Aufstieg in die Bezirksliga.

„Frohburg spielt einen guten Fußball und hat sich auch in schweren Zeiten behauptet“, sagt Günther Wehefritz. Er trainierte selbst mal die Kicker, spielte Tennis im Verein, fungierte als Platzwart – und gehört heute wie etwa Peter Hiensch und Holm Ludwig zu jenen Älteren, die sich in ihrer Freizeit um den Erhalt der Sportstätte kümmern. Etwa indem sie nach Punktspielen, bei denen der Rasen häufig stark leidet, mit Gabeln losziehen und den Platz wieder in Ordnung bringen. Einen Rasen, auf dem nach 1990 zweimal Größen wie Wolfgang Overath, Günther Netzer und Dixie Dörner bei Freundschaftsspielen der Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft aufliefen.

Einheit Frohburg entstand aus zwei Betriebssportgemeinschaften

Den Massensport entwickeln, den Kindersport fördern, neue Sektionen gründen, die Traditionen des Arbeitersports fördern – diese Ziele formulierte 1957 Herbert Kaufmann, erster Vorsitzender der BSG Einheit. Er meinte damit die Fusion der BSG Fortschritt der Textildruckerei mit der BSG Traktor der genossenschaftlichen Technikstation ebenso wie den Stadionbau. Daran wurde über Jahrzehnte festgehalten, sagt Perl, auch nach der Neugründung des Ballsportvereins (BSV) Einheit nach der Wende. Fußball, Basketball, Tennis, Volleyball, Kegeln und Tischtennis haben unter diesem Dach heute ihre Heimstatt, während andere Sektionen wie die Turner und die Wintersportler eigene Wege gehen. Das Stadion aber nutzen sie gemeinsam.

Der Verein weiß die Stadt und die regionale Wirtschaft an seiner Seite, nicht nur was das Sportliche, sondern auch was das Bauliche betrifft. Mitte der 90er-Jahre wurden die Traversen des Stadions erneuert, 2009/2010 war die Laufbahn dran. „Zum 50-Jährigen des Stadionbaus haben wir ein Fest gemacht mit allen Abteilungen. Das 60-Jährige feiern wir nicht“, sagt Perl. Den uneigennützigen Einsatz der Erbauer zu würdigen, sei dennoch wichtig und richtig – gerade auch, um nachfolgende Generationen dafür zu gewinnen, das Areal und den Verein weitere 60 Jahre am Laufen zu halten.

Von Ekkehard Schulreich

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