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Frohburger freuen sich auf Buchpreisträger Guntram Vesper

Lesung am 22. April Frohburger freuen sich auf Buchpreisträger Guntram Vesper

Überschaubar dürfte noch immer die Zahl derer sein, die Guntram Vespers ausgezeichnetes Werk „Frohburg“ bis zum Ende gelesen haben. Höchste Zeit also, dass der Autor am 22. April in die Stadt seiner Kindheit kommt, um daraus zu lesen. Wellen schlägt das Tausend-Seiten-Werk in jedem Fall. Und wird viele neugierig machen auf die Stadt an der Wyhra.

Buchpreisträger Guntram Vesper spricht mit Thomas Mayer zur Buchmesse in der LVZ-Autorenarena über sein Roman „Frohburg“.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Frohburg. Zu formulieren, der Schriftsteller Guntram Vesper habe mit seinem kürzlich erschienenen Tausend-Seiten-Werk „Frohburg“ seiner Geburtsstadt ein Denkmal gesetzt, ginge an den Intentionen und den literarischen Realitäten vorbei. Nicht um Huldigung geht es dem Autor. Die Stadt, die er umreißt aus der Erinnerung und die – dank des Leipziger Buchpreises, den er auf der Leipziger Buchmesse für seinen Roman erhielt – plötzlich im Licht einer ungeahnt breiten Öffentlichkeit steht, ist gezeichnet von vielen Wunden des an Verletzungen und Zerstörungen so überreichen 20. Jahrhunderts.

„Frohburg“ ist keine rühmende Werbeschrift für diesen Ort. Eine Liebeserklärung ist das Buch in seiner Vielgesichtigkeit dennoch – zweifellos macht es neugierig auf die Stadt im Bogen der Wyhra, deren Silhouette der Turm der Michaeliskirche und des Rathauses prägen und das Schloss.

„Frohburg war bisher den meisten kein Begriff“

Im Schloss, das das Museum der Stadt beherbergt, sieht man dem Strom der Entdecker auf Vespers Spuren mit Erwartungen entgegen – und ist überzeugt, überraschen zu können. Denn das Bauwerk mit seinen mittelalterlichen Wurzeln, das der Autor als einen düsteren, sinnentleerten Kasten beschreibt, ist längst ein anderes. Und es war, davon ist Museumschefin Konstanze Jurzok überzeugt, samt Rittergut über all die Jahrhunderte ein Ort der Arbeit, der Künste, der höfischen, später der bürgerlichen Kultur. Ein Ort mit Strahlkraft.

„Frohburg war bisher den meisten kein Begriff. Das ändert sich jetzt. Wenn etwas beschrieben wird – positiv oder negativ – weckt es Interesse“, sagt sie. Nicht nur des literarisch Bewanderten wie Claudius Nießen, Leiter des Literaturinstitutes in Leipzig, für den Frohburg viele Jahre nur ein Durchfahrtsort zwischen Leipzig und Chemnitz war und den erst Vespers Werk veranlasste, anzuhalten: „So wird es vielen gehen. Darauf freuen wir uns.“

Uns. Das schließt den Freundeskreis Schloss Frohburg ein. Günter Köhler, dessen Vorsitzender, war in der Schule eine Klasse unter dem Schriftsteller. Dort hatte er in den 50er-Jahren kaum Berührung mit Vesper, der als 16-Jähriger mit den Eltern in den Westen ging. Nach der Wende aber erlebte er ihn, bei einem Vesper-Vortrag über den Maler Conrad Felixmüller. Er ist gespannt auf Vespers Auftritt am 22. April in jener Stadt, die ihn seit Kindheitstagen nie wirklich losließ.

375 Anmeldungen für die „Frohburg“-Lesung

375 Anmeldungen gibt es für die „Frohburg“-Lesung in Graichens geräumiger Möbelproduktionshalle, in der es eng werden dürfte – und in der Diskussion ausgesprochen lebhaft. „Mit diesem starken Zuspruch haben wir und die Firma Graichen nicht gerechnet. Gäste kommen unter anderem aus Pirna, Schwerin, Leipzig und Bad Elster“, sagt Stadtsprecherin Nicole Kampf. Beginn der Lesung ist 18 Uhr, Einlass ab 17 Uhr.

Köhler selbst, der schon mehrere hundert Seiten weit in Vespers Roman vorgedrungen ist, sieht eine Diskrepanz zwischen dem großen Lob, das das Buch erfährt, und der Schilderung, die das Frohburg der Nachwendezeit ausspart. „Ich bin gespannt, was er auswählen und lesen wird.“ Vielleicht die Episode mit Erich Loest, der als junger Autor – das aktuellpolitisch eingefärbte Buch „Die Westmark fällt weiter“ im Gepäck – 1953 in Frohburg liest. Danach kann er sich nicht entschließen, gleich ins Bett zu gehen, unternimmt mit zwei Einheimischen eine stundenlange nächtliche Führung durch die Stadt, erfährt „im spärlichen Licht funzliger Straßenlampen“ Geschichte und Geschichten. Keine Frage, dass man nicht nur Otto Nuschkes (stellvertretender DDR-Ministerpräsident) Geburtshaus passiert und die Textildruckerei, sondern auch das „reizlose klotzige Schloss, eine Trutzburg über der Wyhra, über den Rittergutsteichen und den Gassen der Stadt“.

Gern nähme Günter Köhler den Autor anno 2016 den Schriftsteller mit auf dieselbe fußläufige Reise, nüchternerweise bei Tageslicht, „um zu zeigen, was sich getan hat bei uns und warum Frohburg mindestens eine Reise lohnt. Wir würden ganz gewiss eine illustre Runde zusammenbringen.“

Engagiert für Frohburger Schloss und Gut

„Ob die Blümners, die von Falkensteins oder die Familie Krug von Nidda, fast durchweg hohe sächsische Staatsbeamte, haben sich alle engagiert für das Schloss und das Gut, das eines der größten von Sachsen war“, sagt Konstanze Jurzok. Davon erzähle das Schloss selbst, davon erzähle die Ausstellung des Museum. Viele Millionen Euro investierte die Stadt Frohburg als Eigentümer nach der Wende in die Sanierung des von einem Park eingefassten Ensembles. Bildersaal und Steinsaal, eine wieder freigelegte Jagdszene aus der Renaissance, die gotische Holzbalkendecke, das barocke Treppenhaus, imposante mittelalterliche Keller – das Schloss atme in allen Räumen und Winkeln Geschichte. In der neuen Museumssaison, die am 1. Mai beginnt, ist die Teil-Rekonstruktion einer klassizistischen Wandfassung erstmals zu sehen.

Am 17. Juli ist – in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner Schlösserland Sachsen – ein Schlosspark-Picknick in historischem Ambiente geplant. Jurzok: „Das wird dein Angebot für die ganze Familie.“ Außerdem greife man die Intentionen der erfolgreichen DDR-Mode-Schau „Chic im Osten“ auf: mit einer neuen Sonderausstellung über Konsumwerbung in der kleineren deutschen Republik; Eröffnung voraussichtlich Ende Mai, unterstützt vom Heimatverein Prießnitz/Trebishain.

Kulturraum-Förderung als Hauptsäule der Finanzierung

„Die Hauptsäule unserer Finanzierung ist neben dem städtischen Haushalt die Kulturraum-Förderung“, so die Museumschefin. Sie trage einen Teil der Personalkosten, bezuschusse Restaurierungen und Projekte. Wichtiger Partner seien zudem die Kultur- und Umweltstiftung der Sparkasse Leipzig und, nicht zu vergessen, viele Ehrenamtliche, die sich für das Schloss einsetzten. So wie Günter Köhler und der Freundeskreis, der aus einem „Aspekte“-Beitrag des Zweiten Deutschen Fernsehens zitiert: „,Frohburg, ein kleines Nest auf halber Strecke zwischen Leipzig und Chemnitz, das man nicht kennen muss?’ – Ich hoffe, dass viele neugierig sind und einen ganz anderen Eindruck mit nach Hause nehmen von unserem Schloss, von unserer Stadt.“

Von Ekkehard Schulreich

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