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Geithain Für Katastrophen gewappnet und ungleich behandelt
Region Geithain Für Katastrophen gewappnet und ungleich behandelt
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07:02 07.08.2018
Dienstabend beim 3. Katastrophenschutzzug Leipziger Land in Roda: Die Ehrenamtlichen kontrollieren die auf den Sanitätsfahrzeugen mitgeführten Materialien und treffen Absprachen für das Frohburger Dreieckrennen im September, das sie seit Jahren absichern. Quelle: Jens Paul Taubert
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Frohburg/Roda

Von Hochwasser bedrohte Orte, Evakuierungen von Pflegeheimen nach anonymen Drohungen, große Unfälle mit zahlreichen Verletzten: In solchen komplexen Situationen kommen die Katastrophenschützer des Landkreises Leipzig zum Einsatz. Vier Einsatzzüge gibt es zwischen Hohburger Bergen und Kohrener Land. Zwei sind in Zwenkau stationiert, einer in Wurzen. Der dritte Einsatzzug, gestellt durch den Geithainer Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes, startet vom Frohburger Ortsteil Roda aus. Die landwirtschaftliche Versuchsstation am Dorfrand, im Zuge des Autobahn-Baus aufgegeben, dient ihm heute als Domizil. Seit mehr als einem halben Jahrzehnt sind die Ehrenamtlichen dabei, die Hallen herzurichten, um Fahrzeuge und Technik sicher abzustellen, um das Personal der vier Ortsverbände Geithain, Frohburg, Kohren-Sahlis und Roda fitzumachen.

Gelder von Bund und Land sind unzureichend

Ein Engagement, das unverzichtbar sei, sich monetär aber kaum bezahlbar mache, sagt Kreisbereitschaftsleiter Peter Winter: „Das Geld, das von Bund und Land kommt, reicht nicht einmal, die Fahrzeuge zu unterhalten.“ Allein der Kauf von Baumaterial sei eine große Belastung für den Kreisverband, und das Meiste, was hier in den vergangenen Jahren entstanden sei, hätten die vielen Helfer unentgeltlich geschaffen. Das verdiene höchsten Respekt. Doch an dem fehle es ganz offenkundig seitens der Politik und der Gesellschaft.

Aufgaben sind vielfältig und zeitintensiv

Das Arsenal, über das der dritte Zug verfügt, ist beachtlich: In den beiden inzwischen umgebauten Hallen stehen acht komplett ausgerüstete Fahrzeuge, eine Feldküche, demnächst auch ein Betreuungs-LKW mit Kühlzelle, großem Geschirrspüler und anderen Gerätschaften, um den Betrieb eines Versorgungszeltes abzusichern. Ein großer Schulungsraum wurde geschaffen. In Roda lagert das Equipment für den Sanitätsdienst. Das, sagt Ausbilder Robby Oehmichen, müsse immer auf dem aktuellsten Stand sein. „Und die Fahrzeuge müssen wir 50 Kilometer im Monat bewegen.“ Jede Menge zu tun gebe es für die 80 Ehrenamtlichen des Zuges – neben dem schrittweisen Ausbau des Rodaer Depots, an dem sich alle vier Ortsverbände beteiligten. Umso ärgerlicher sei, dass die Helfer in Sachsen ungleich behandelt würden, dass etwa die Feuerwehren eine bessere Förderung erhielten als etwa die Rettungskräfte: „Eine Gleichstellung zu erreichen, ist für uns eine ganz wichtige Sache.“

Petition an den Sächsischen Landtag

„Wir sind die Helfer der zweiten Reihe“, bringt es Winter auf den Punkt; damit abfinden wolle man sich nicht. In einer Petition an den Landtag fordern die Ehrenamtlichen in den Hilfsorganisationen wie dem DRK „eine vollständige juristische Gleichstellung gegenüber den Kameraden der Feuerwehr, die Auflage eines zeitlich begrenzten Förderprogrammes für Investitionen zur Schaffung baulicher Infrastruktur zur DIN-gerechten Unterbringung von Katastrophenschutzeinsatztechnik und Mannschaften und die Anpassung der Fördersätze für den Unterhalt der landeseigenen Katastrophenschutzeinheiten“. So ist es formuliert in der Kampagne zur Helfergleichstellung „Status 6“.

Gleichstellung mit Feuerwehren gefordert

Dieser Status bedeutet in der Fachsprache: außer Dienst. So weit wolle und dürfe man es nicht kommen lassen, sagt Lutz Peltzer vom Ortsverband Frohburg, der unmittelbar neben dem Rodaer Depot wohnt und immer einen Blick darauf hat. Angesichts solcher Ungleichbehandlung aber falle es schwer, junge Leute dauerhaft für den Katastrophenschutz zu gewinnen. Und es sei nicht nachzuvollziehen, warum die Ehrenamtlichen im Falle eines Einsatzes, der durchaus mehrere Tage dauern könne – Stichwort Flut 2013 – „Urlaub nehmen müssen“.

Noch 17 Tage und 19 Stunden! Dann startet das Highfield Festival 2018 am Störmthaler See und wir sind wieder vor Ort um...

Gepostet von DRK Kreisverband Leipzig-Land e.V. am Montag, 30. Juli 2018

Um die Umbau-Arbeiten in Roda finanzieren zu können – Dach und Fassade wären als Nächstes dran, und auch Umkleideräume braucht es endlich – kümmern sich die Katschutz-Aktivisten auch um die Absicherung von Veranstaltungen in der Region: des Frohburger Dreieck-Rennens, des Kohrener Oldtimer-Treffens, des Highfield-Festivals am Störmthaler See, der Crashcar-Rennen in Dolsenhain. „Das sind für uns die einzigen Einnahmen, die wir selbst generieren. Die stecken wir hier wieder rein“, sagt Peltzer. Darüber hinaus sei man dankbar für die vielen Menschen, die die Arbeit des Kreisverbandes finanziell förderten. „Es gibt so viele, die wie wir engagiert bei der Sache sind“, so Peter Winter. Man könne es sich gar nicht leisten, auf Verschleiß zu fahren. Deshalb hoffe man, dass die Politik die Zeichen der Zeit erkenne – und die Rahmenbedingungen für die Hilfsorganisationen nachhaltig verbessere.

Von Ekkehard Schulreich

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