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Funkes Autohaus in Obergräfenhain zählt zu den dienstältesten in Sachsen

Penig Funkes Autohaus in Obergräfenhain zählt zu den dienstältesten in Sachsen

Die Marke Opel stand am Beginn der Unternehmensgeschichte für moderne Fahrräder. Bald schon reparierten Funkes in Obergräfenhain den P4, später Wartburg. Nach der Wende entschieden sie sich für Ford. Inzwischen ist eines der ältesten Autohäuser Sachsens ein Familienbetrieb, das ohne Markenbindung auskommt.

Hermann Funke wagte 1933 mit Schlosserei und Zweirad-Werkstatt in Obergräfenhain den Schritt in die Selbstständigkeit. Seine Nachfahren führen das kleine Unternehmen bis heute.

Quelle: Jens Paul Taubert

Penig/Obergräfenhain. Die Marke Opel begleitete Hermann Funke seit der Gründung seines Geschäftes 1933: Zuerst reparierte und verkaufte er Zweiräder des damals weltgrößten Fahrradproduzenten, außerdem Motorräder. Opel-Personenkraftwagen kamen ab 1936 hinzu. Der Wahl-Obergräfenhainer Funke war damit zwar vier Jahrzehnte nach dem heute welt-ältesten Opel-Autohaus Bachem in Bonn am Start, doch zu den am längsten bestehenden Autohäusern Sachsens zählt der Familienbetrieb in dritter Generation zweifellos. Und Generation vier ist längst eingestiegen und hat Zukunftspläne.

Der Anfang, weiß Uwe Funke (58) aus den Erzählungen, war alles andere als spektakulär: „Mein Großvater wollte raus aus der Arbeitslosigkeit.“ Im Getriebewerk Penig hatte der gearbeitet, in den Krisenjahren Ende der Zwanziger/Anfang der Dreißiger seine Zukunft in der Selbstständigkeit gesehen. In einer gemieteten Scheune in Obergräfenhain begann er mit Nähmaschinen, Fahr- und Motorrädern sich eine bescheidene Existenz aufzubauen. Er bekam in der Tat Boden unter die Füße, baute zwischen Chaussee und Bahnviadukt ein Werkstattgebäude, das bis heute genutzt wird. 1936 wurde Hermann Funke Opel-Händler, stellte eine Esso-Zapfsäule auf. Er rettete den Betrieb über die Nachkriegsjahre, avancierte Anfang der Fünfziger zu einer von zwei Vertragswerkstätten im Kreis Geithain für den in Eisenach produzierten DDR-Klassiker Wartburg.

So blieb es bis zur Wende. Hermanns Sohn Werner wuchs ins Geschäft hinein, machte seinen Meister, übernahm den Betrieb 1969. Dessen Sohn Uwe wiederum folgte dieser Tradition, lernte im väterlichen Betrieb, absolvierte 1985 die Meisterprüfung – und stand 1990 bereit, als plötzlich alles anders und vieles möglich war. „Die Euphorie war groß damals. Es war einerseits eine schöne Zeit. Andererseits gab es große Verunsicherung, denn die Industrie mit ihren vielen Arbeitsplätzen wurde plattgemacht“, sagt Uwe Funke (58), der den Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Regina (57) lenkt. Mit dem Tag der Währungsumstellung sei man – neben Reparaturen – in den PKW-Handel eingestiegen. Der 60. Firmengeburtstag war der Beginn einer Partnerschaft mit Ford (nicht mit Opel, obwohl der Konzern 1990 am Fuße der Wartburg ein neues Werk baute!), die 2006 endete: „Es gab immer mehr Auflagen. Diesen Zwängen wollten wir uns nicht unterziehen.“ Statt dessen fand man als freie Werkstatt zu den Ursprüngen zurück, so Hermanns Enkel: „Heute sind wir wieder ein klassischer Familienbetrieb.“

Ein Betrieb, der sich auch in der DDR-Zeit der Verstaatlichung zu entziehen wusste. „Anfang der Siebzigerjahre sollten wir mit Waglers, der Moped-Werkstatt in Langenleuba-Oberhain, eine PGH, eine Genossenschaft, bilden. Das wollten beide nicht, und es verlief letztlich im Sand“, sagt Uwe Funke. Edgar Wagler hatte im Nachbardorf schon 1931 Werkstatt und Handel für Zweiräder und Kraftwagen gegründet, der sich später aber auf Mopeds und Motorräder spezialisierte. Wer mit seinem Wartburg in Obergräfenhain vorrollte, durfte es nicht eilig haben: „Für große Teile, die wir brauchten, mussten wir in Eisenach erst einen Antrag stellen. Wenn die bereit lagen, haben wir sie selber in Thüringen abgeholt. Kleineres wie eine Lichtmaschine wurde aus Leipzig beschafft. Und – natürlich – hatte der eine oder andere das Ersatzteil privat auf Umwegen besorgt und ließ es bei Funkes nur einbauen. „Das war Planwirtschaft, aber vieles hat auf seine Art auch funktioniert“, schmunzelt Funke. Mitunter öffnete auch ein Korb Erdbeeren, frisch vom Feld, ganz wundersam Türen zu Ersatzteillagern.

„Einer unserer Kunden hat tatsächlich noch seinen Wartburg, einen 353er“, sagt Regina Funke. Sie selbst hätten ihre beiden letzten Wartburgs vor Jahren weggegeben – „schade eigentlich“. Was sich über die Jahrzehnte erhielt, ist nicht nur Hermann Funkes Gebäude; auch einige seiner Werkzeuge sind bis heute in Gebrauch, manchmal auch der Flaschenzug, mit dem einst Wartburg-Motoren aus der Karosse gehievt wurden. Die nächste Generation ist indes längst am Start: Sohn Alexander arbeitet in der Werkstatt mit. Sohn Marcel ist für Audi international aktiv. Die Zukunft ihres Betriebes sehen Regina und Uwe Funke deshalb als gesichert an: „Unsere Söhne werden etwas daraus machen und vielleicht auch ein bisschen größer denken.“

Von Ekkehard Schulreich

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