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Gedenken in Geithain an Eberhard von Cancrin

Gedenken in Geithain an Eberhard von Cancrin

In einer öffentlichen Mitgliederversammlung erinnerte der Geithainer Heimatverein am Mittwoch an den Volksaufstand in der DDR am 17. Juni vor 60 Jahren. Für den Vereinsvorstand stand bei der Wahl des Themas nicht nur die allgemein-historische Bedeutung des Tages vor Augen.

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Mitglieder des Geithainer Heimatvereins und Gäste bei der Veranstaltung zum Gedenken an den Volksaufstand in der DDR vor 60 Jahren.

Quelle: G. Senf

Geithain. Im Mittelpunkt des Vortrages stand der spezielle Bezug des Tages zur Geithainer Zeitgeschichte.

 

 

Der Geithainer Arbeiter Eberhard von Cancrin war einer der mindestens 55 Todesopfer des 17. Juni 1953 in der DDR. Er wurde am 18. Juni 1953 auf der Espenhainer Kippe von sowjetischer Geheimpolizei erschossen. Erst sieben Wochen später erhielt seine Frau Ruth von Cancrin - nach vielen vergeblichen Anfragen bei den verschiedensten Stellen - die amtliche Mitteilung, dass ihr Mann am 18. Juni 1953 verstorben sei und die Urne abgeholt werden könne. Die wahren Umstände des Todes blieben sowohl für die Familie als auch für die Geithainer Öffentlichkeit verborgen.

Von Anfang an bis zum Ende der DDR herrschte in Geithain das große, verordnete Schweigen über den Tod des 43-Jährigen. Dass er von sowjetischen Militärs erschossen wurde, ist heute sowohl durch einen Augenzeugen als auch durch ein Dokument der Leipziger Bezirksverwaltung für Staatssicherheit belegt. Dort steht, dass "von Cancrin durch die Freunde erschossen wurde." Auch der Tatort ist durch Zeitzeugen belegt. Demnach wurde "von Cancrin mit anderen angeblichen Anführern von den Russen in zwei Jeeps zur Kippe bei Espenhain gefahren. Ein anderer Fahrzeuginsasse berichtete später, dass von Cancrin bei der Rückfahrt fehlte."

 

 

Was sich im Detail dort auf der Kippe ereignete, ist bis dato unbekannt. Allein das Studium von sowjetischen Originaldokumenten im Moskauer Miltärarchiv könnte zu einer Klärung führen. Daran arbeitet das Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam. Dieses Institut hatte die Ausarbeitung zu Eberhard von Cancrin (veröffentlicht in "Geithain Journal, Beiträge zur Stadt- und Schulgeschichte, Teil II) seinerzeit zur Herausgabe des Gedenkbuches für die Toten des Volksaufstandes 1953 übernommen.

 

 

Von den 22 in Espenhain Inhaftierten wurden sieben "wegen Mangels an Beweisen" bereits am 21. Juni 1953 entlassen. 14 Personen, darunter die als Rädelsführer bezeichneten Blohme und Mahleur, blieben inhaftiert. Warum nun allein an von Cancrin, der in den Berichten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) nicht als Rädelsführer bezeichnet wurde, das härteste Urteil vollstreckt wurde, ist bis heute offen. Ob das Wort "von" im Namen oder die Auswanderung der Familie von Cancrin 1929 nach Chile beziehungsweise die Tatsache, dass es einen Finanzminister von Cancrin im zaristischen Russland des 19. Jahrhunderts gab, eine Rolle gespielt haben, sind nur drei von bisher unbewiesenen Annahmen.

 

 

Zu der öffentlichen Versammlung des Heimatvereins konnten neben 20 Mitgliedern auch acht interessierte Gäste begrüßt werden, darunter die beiden Töchter von Cancrins sowie Bürgermeisterin Romy Bauer. Mit dieser Veranstaltung wurde auch Ruth von Cancrins gedacht, die einige Tage vorher im gesegneten Alter von 96 Jahren verstorben war. Für die beiden Töchter endete die Versammlung mit einer kleinen persönlichen Freude: Karlheinz Oertelt, als Kind mit der Familie bekannt, gab ihnen einen südamerikanischen Gaucho-Hut zurück, den er um 1950 von Eberhard von Cancrin geschenkt bekommen hatte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.06.2013

Gottfried Senf

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