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Geithain Geithain: Denkmalschützer wünschen sich Zentrum unter Schutz
Region Geithain Geithain: Denkmalschützer wünschen sich Zentrum unter Schutz
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09:29 08.12.2016
So könnte möglicherweise die Wunschvariante der Denkmalschützer aussehen.. Quelle: Patrick Moye
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Geithain

Dass die Geithainer Altstadt ein besonderes Flair besitzt, spürt, wer das jährliche Event-Shopping besucht. Deutlicher als in der Abendstimmung wird der Schatz, den die geschlossene, aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammende Bebauung der Innenstadt darstellt, am hellerlichten Tag: Mit seinen in ihrer Ur-Substanz bewahrten Handwerker- und Ackerbürgerhäusern, oft durch originale Türen und Tore, mitunter Porphyr-Portale geschmückt, steht Geithain im Landkreis Leipzig in einer Reihe mit Pegau, Grimma, Wurzen. Kein Wunder, dass Sachsens obere Denkmalschützer die Fülle innerstädtischer Einzeldenkmale gern in einem gesonderten Denkmalschutzgebiet vereinen würden. Ein Vorhaben, mit dem sie im Geithainer Rathaus allerdings auf erhebliche Vorbehalte stoßen.

„Der historische Kern von Geithain ist noch gut erfahrbar - nicht nur durch die Gebäude im Zentrum, sondern auch durch die Stadtmauer und den grünen Ring, der die Stadt umschließt“, sagt Thomas Brockow, als Referent des Landesamtes für Denkmalschutz für den Landkreis Leipzig verantwortlich. Das Gros der Gebäude hier sei nach dem letzten Stadtbrand von 1804 errichtet und trage heute „entscheidend zur Unverwechselbarkeit des Stadtbildes“ bei. Mehr als ein halbes Hundert Einzeldenkmale führte die Denkmalliste – in den vergangenen Jahren überarbeitet und Ende 2015 neu vorgelegt – allein innerhalb der Altstadt auf; bezogen auf die Gesamtstadt und ihre Ortsteile Wickershain, Syhra, Nauenhain und Niedergräfenhain umfasst die Liste 48 Seiten.

Viele Eigentümer dieser Denkmale seien sich sehr wohl bewusst, in einem schützenswerten Haus zu leben, sagt Brockow. Sie bemühten sich deshalb um deren Erhaltung. „Die Frage aber ist: Wie kann man ein Schutzgut zuverlässig bewahren, wenn es nicht nur aus einzelnen Denkmalen besteht, sondern zudem aus der Summe derselben?“ Gestaltungssatzungen, die viele Kommunen erließen, trügen dem nur bedingt Rechnung. Das Geithainer Zentrum, seit den Neunzigerjahren Fördergebiet des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz, habe durch diese Sanierungen eine maßgebliche Aufwertung erfahren. Das Erreichte für die Zukunft zu sichern, ließe sich durch ein spezielles Denkmalschutzgebiet erreichen. Ein Status, den die Wurzener ihrem Zentrum bereits gegeben hätten. In Torgau sei man unmittelbar vor diesem Ziel, in Grimma und Pegau habe man – wie in Geithain – eine solche Satzung vorgeschlagen. „Beschließen müssen die Kommunen eine solche Satzung selbst, wenn sie es wollen.“

„Für uns kommt das nicht in Frage“, erteilt Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) diesen Überlegungen eine klare Absage. Nicht weil man die Denkmalfülle nicht als einen Schatz begreife, der zu sichern sei. „Aber die Gebäude stehen meist ohnehin als Einzeldenkmale unter Schutz. Wir möchten nicht, dass die Bestimmungen für die Eigentümer weiter verschärft werden.“ Schon heute falle es schwer, für leer stehende Häuser neue Nutzer zu finden; zusätzliche Hürden aufzubauen verbiete sich aus kommunaler Sicht deshalb.

Gab es in der DDR-Zeit mit Kreis-, Bezirks- und landesweiter Liste drei Kategorien von Denkmalverzeichnissen, erfolgte nach der Wende eine Neuerfassung in einem Dokument. Grundlage dafür in Sachsen war das 1993 erlassene Denkmalschutzgesetz. Die um die Jahrtausendwende vorgelegte Liste wurde nun neuerlich überarbeitet. „Eine solche Liste ist nicht Statisches. Denkmale, die vorher als solche nicht bekannt oder erkennbar waren, kamen hinzu, andere wurden heruntergenommen, etwa weil sie ohne Genehmigung baulich zu stark verändert wurden oder gar nicht mehr existieren“, erläutert Thomas Trajkovits, als Referent des Landesamtes mit der Erarbeitung dieses Verzeichnis betraut. Die Neufassung habe man den Kommunen vor einem Jahr übergeben. Die Einwände, die Städte und Gemeinden daraufhin geltend machten, habe man inzwischen in den meisten Fällen geklärt, so auch in Geithain. Unabhängig von Listen stehe ein Denkmal per se unter Schutz.

Bei weitem nicht zu den ältestes Denkmalen Geithains, wohl aber zu den stadtbildprägendsten gehören die Bürgerschule, die nach der Wende das Landratsamt beherbergte, und das Empfangsgebäude des Bahnhofes. Beide stehen leer. Konzepte der privaten Eigentümer seien nicht bekannt, sagt Thomas Brockow: „Wir bedauern, dass sich nichts tut. Aber in dieser Hinsicht sind wir ohne Einfluss.“ Dagegen scheinen sich im Falle von Gebäuden an der Hospitalstraße Kreis- und Landesdenkmalbehörde auf der einen und die Stadt auf der anderen Seite anzunähern. Der Stadtrat beschloss bereits den Verkauf des Grundstücks, auf dem sich an der Grimmaischen Straße das einstige städtische Krankenhaus (nicht denkmalgeschützt) und das einstige Armenhaus befinden. Der Schutzstatus des Letzteren habe man aufgehoben, nicht zuletzt, um der Kommune bei der Entwicklung des Areals entgegenzukommen, so Brockow. Besagtes Armenhaus dürfe abgerissen werden. Das quer stehende, deutlich ältere Gebäude – für die Denkmalschützer erstes Geithainer Armen- und Krankenhaus und damit Keimzelle städtischer Daseinsfürsorge – muss indes gesichert werden. Allerdings sind Behörden und Kommune offenbar auf dem Weg, einen Kompromiss zu schließen, der die Wiederbelebung der Immobilie unter Erhalt dieses Gebäudes erlaubt.

Von Ekkehard Schulreich

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