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Geithain: Erhellendes und Erheiterndes von Dichter Nebel und 35 Karikaturisten

Lyrik und Cartoons Geithain: Erhellendes und Erheiterndes von Dichter Nebel und 35 Karikaturisten

Literatur verbindet – Ausstellungen zum Beispiel. Gerade vorbei ist in der Geithainer Stadtbibliothek die Schau mit Gegenständlichem von Matthias Lehmann, auf das ab Sonntag Zeichnerisches von Michael Kops folgt – da legt Dichter Nebel seinen ersten Gedichtband dazwischen. Samt Cartoons von 35 Karikaturisten.

Karikatur von Andreas J. Mueller aus dem Buch (Ausschnitt).

Quelle: privat

Geithain. Dass der Debütant im Monat November sein Buch vorlegt, scheint von bestechender Logik, nennt der Lyriker sich doch Dichter Nebel. Um das Werk in der Geithainer Stadtbibliothek präsentieren zu können im Rahmen der Schau „Außer Rand und Band“, kam das Buch allerdings um Augenblicke zu spät: Am Donnerstag schon wurde Nebels dreidimensionale Kunst zum Abtransport verpackt, macht sie Platz den Karikaturen des Markkleeberger Zeichners Michael Kops, die hier ab Sonntag, 11 Uhr, zu sehen sind.

„Vom Blitz getroffen“ hat Kops diese Auswahl tituliert, und sie korrespondiert durchaus mit dem Nebel’schen Gedicht-Konvolut namens „Wenn ich Flügel hätt’“. Denn nicht nur 35 Texte sind darin versammelt, sondern ebenso viele Blätter ebenso vieler Zeichner, die Weltgeschehen gern aus dem Ungefähren holen, auf den Punkt bringen, bitterböse, bittersüß. Einer jener heißt Kops.

„Seine Kunst aus bloßen Resten/ verkauft er hier als Kunst vom Besten“, heißt es im Gedicht „Der Künstler“, ein Fingerzeig möglicherweise auf Gründe, warum der Autor Matthias Lehmann seine Identität im Ungefähren zu belassen versucht ist. Was ihm angesichts aufmerksamer Leser und Betrachter – natürlich – nicht gelingt. Zu obskur, überbordend, herzhaft sind bei aller Abwegigkeit die Spuren, die er legt. Und einem der Zeichner, dem im September gestorbenen Grafiker Eberhard Heinicker, einem langjährigen Wegbegleiter, gelang es gar, ein Porträt des Autors als Kunstwerk zwischen die Seiten zu schmuggeln. Als „kompromisslosen Nihilismus“ charakterisiert Ludhardt M. Nebel, was er dem Publikum bietet. Angesichts dessen bleibt offen, ob das Geleitwort des Lyrikbandes, verfasst von einem geistlichen Würdenträger (!), zuvörderst den Leser oder den Dichter stützt.

Wer sich vertieft, findet Vielgesichtigkeit zwischen allen Nebeln, Klarheit mitunter, Grund, Genuss. Nebel bedenkt die weit gereiste kleine Meise ebenso wie die mit ihrem Schicksal hadernde Eintagsfliege, sinniert über die politische Inkorrektheit von Negerküssen und die demonstrative Mainelke als B-Ware-Form des lieblichen Maiglöckchens. Im Kühlschrank ist längst das Licht schon aus, und Leipzigs Heldenstädter wissen längst, dass auf Ebben Fluten folgen. Aber muss deshalb wirklich gelten: „Alles trübe in der rübe/ ist der geist denn schon so müde?“

Wer immer schon wissen wollte, welche Karikaturisten aus dem deutschen Sprachraum im einstigen Obergräfenhainer Bahnhofsgebäude – seit knapp zwei Jahrzehnten Ausstellungsgehäuse am Lunzenauer Muldeufer – noch nie ausstellten, findet im Buch die anderen: Rudi Hurzlmaier und Rainer Schade, Cleo-Petra Kurze und Eva Muggenthaler, Ernst Kahl und Andreas Prüstel. Die allenfalls antippende Liste zeigt: Nebel verbindet. Dass sein Buch im Mironde Verlag Niederfrohna erschien, ist konsequent, weil Mironde ein Verbund ist aus dem Begriff Welt – dem französischen und dem russischen.

„Wenn ich Flügel hätt“ ist im Buchhandel zu haben und kostet 19 Euro. Der Leser, der nach Lunzenau in den „Prellbock“ kommt, kann sich gewiss ein Autogramm geben lassen. Zum Beispiel am 18. November, wenn dort 19 Uhr Cartoonistin Lilli Bravo aus Kassel ihre „Bravourösen Ansichten“ offenbart.

Von Ekkehard Schulreich

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