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Geithain Geithain: Fliegerdenkmal bei Syhra soll saniert werden
Region Geithain Geithain: Fliegerdenkmal bei Syhra soll saniert werden
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18:59 17.10.2017
Das Fliegerdenkmal bei Syhra. Quelle: Jens Paul Taubert
Geithain/Syhra

Zum 51. Mal jährt sich am 19. Oktober der Tag, an dem nahe der Ortschaft Syhra zwei Angehörige der Fliegerkräfte der in der DDR stationierten Sowjetarmee vom Flugplatz Altenburg/Nobitz beim Absturz ihres Kampflugzeugs ums Leben kamen.

„Juri Alexejewitsch Wladimirow und Viktor Nikolajewitsch Schandakow opferten ihr Leben, um das der Einwohner von Syhra nicht zu gefährden. Viel zu spät machten sie aus diesem Grund von den Selbstrettungs-Mechanismen in der Maschine Gebrauch. Die Flughöhe war dann zu gering, um noch sicher mit dem Rettungsfallschirm landen zu können“, sagt Bernd Gnant, der den Ortsverband Geithain der Partei Die Linke leitet.

Am Donnerstag findet 17 Uhr am Denkmal nahe des Dorfes eine Erinnerungsveranstaltung statt. Dank der Mithilfe der Eigentümer des Bodens, auf dem das Denkmal erbaut wurde, und der Unterstützung des Landratsamtes des Landkreises Leipzig werde im nächsten Jahr die längst fällige Sanierung des auf der Kreisdenkmalliste erfassten Denkmals durch eine Spezialfirma aus Trebsen durchgeführt, so Gnant. Die Linksfraktion im Geithainer Stadtrat leite gemeinsam mit dem Ortsverband die notwendigen Schritte in die Wege.

Um die Kosten für die Sanierung aufzubringen, werde man in den nächsten Wochen um Spenden von Bürgern, Unternehmen und Organisationen bitten.

Flugzeug mit letzter Kraft übers Dorf gelenkt

So hat Gerd Barnstein in der LVZ die Geschichte des Fliegerdenkmals erzählt: Zwei sowjetische Piloten katapultierten sich am 19. Oktober 1966 so spät aus ihrem brennenden Flugzeug, dass die Maschine nicht über Syhra abstürzte, sie sich aber nicht mehr retten konnten. Nur noch wenige Augenzeugen wissen heute, was damals genau geschah.

Es war ein nasskalter Herbsttag. Gegen 19.30 Uhr dämpften auf dem Hof vor dem Schloss in Syhra Mitglieder der damaligen LPG Kartoffeln. Kameraden der Feuerwehr wollten gerade mit ihrer Versammlung beginnen. Auf dem nahe gelegenen Flugplatz der damaligen sowjetischen Luftstreitkräfte in Nobitz bei Altenburg waren für den Abend Übungsflüge zum Starten und Landen bei Nacht geplant.

Als erste hob eine Mig 21 vom Boden ab, um zunächst die Flugvoraussetzungen zu erkunden. Am Steuer der Maschine saß der Kommandant des Flughafens, Oberst Viktor Nikolajewitsch Schandakow. Der Ukrainier war 43 Jahre alt. Als ganz junger Mann hatte er im Krieg gegen Nazi-Deutschland gekämpft. Seine Frau Katja war Bordschützin des Flugzeuges, das er im Krieg flog. Mit an Bord war am 19. Oktober 1966 Schandakows Adjutant, Major Juri Alexejewitsch Wladimirow. Der Moskauer hätte eine Woche später Geburtstag gehabt. Er wäre 35 Jahre alt geworden.

Doch die beiden kamen nicht weit. Bereits über Ossa fing die Maschine Feuer. Ursache war ein Vogel, der beim Start wahrscheinlich eingesogen wurde. Der Motor funktionierte nicht mehr richtig. Schnell verlor die Maschine an Höhe, stürzte genau in Richtung Syhra, dorthin, wo viele Menschen eben mit Kartoffeldämpfen beschäftigt waren. Mit aller Kraft lenkten die Flieger die Mig 21 noch über den Ort. Die abgesprengte Kanzel schlug auf der Straße zwischen Kirche und LPG-Hof auf. Die beiden Männer betätigten erst nach den letzten Gebäuden von Syhra ihre Schleudersitze. Doch es war zu spät. Aus einer Höhe von 40 Metern entfalteten sich die Fallschirme nicht mehr. Mit voller Wucht schlugen ihre Körper auf dem Boden auf. Die Mig bohrte sich etwa 100 Meter entfernt in den Erdboden - mit einer solchen Wucht, dass bei der Bergung des Rumpfes Panzer aus Borna eingesetzt werden mussten.

Sofort eilten die Syhraer an die Verbindungsstraße zur F 7, doch sie konnten nicht mehr helfen. Einer der Piloten war bereits tot, der andere starb in ihren Armen. Sie opferten ihr Leben, um Leben in Syhra zu erhalten. „Wir bauen beiden Helden ein Denkmal“, hieß es damals. Schüler sammelten Altstoffe und spendeten den Erlös. Im Klinkerwerk Narsdorf wurden in einer Sonderschicht die Klinker gebrannt. Der Obelisk kam aus dem Porphyrwerk am Rochlitzer Berg, die Bepflanzung aus der damaligen Baumschule Niedergräfenhain. Den Stern stellten Arbeiter des Geithainer Emaillierwerkes her. Das Mauern übernahmen Jugendliche aus Syhra.

Das Denkmal wurde im Oktober 1967 in Anwesenheit von Familienangehörigen eingeweiht. Der Direktor der Kohrener Oberschule, Lothar Drechsler, mauerte eine Hülse mit Unterlagen über das Geschehen ein. Schüler hatten das Material zusammengetragen. Gleich nach dem Unglücksfall 1966 berichtete die sowjetische Nachrichtenagentur Tass darüber. Das DDR-Fernsehen berichtete am Abend der Denkmalsweihe.

Von Ekkehard Schulreich

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