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Geithain: In den Kanal werden Siebe eingebaut – gegen Überflutung hilft das nicht

Ab Mittwoch Geithain: In den Kanal werden Siebe eingebaut – gegen Überflutung hilft das nicht

In der Altenburger Straße im Geithainer Altdorf werden ab Mittwoch in den Stauraum-Kanal Siebe eingebaut. Gegen Überflutung hilft das nicht, auch wenn so wenigstens die Fäkalien zurückgehalten werden sollen. Das sei nur eine Marginalie, das Maß sei voll, sagt Geithains Stadtchef Frank Rudolph (UWG).

So sehen die Siebe aus, die in den Kanal in der Altenburger Straße in Geithain eingebaut werden, um künftig die Fäkalien zurückzuhalten.

Quelle: Versorgungsverband

Geithain. Unter der Altenburger Straße im Geithainer Altdorf verläuft ein Stauraum-Kanal. Er soll bei Starkregen das aus Richtung Stadt ankommende Schmutzwasser zurückhalten, ehe es in die Eula fließt. Dass das in vielen Fällen nicht funktioniert, weiß niemand so genau wie die Eula-Anlieger, denn mit unschöner Regelmäßigkeit schwillt der Fluss binnen Minuten derart an, dass Grundstücke und Gebäude geflutet werden. Nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Fäkalien. Um zumindest Letzteres abzustellen, lassen die Kommunalen Wasserwerke Grimma-Geithain (KWW) ab Mittwoch Siebe einbauen. Verbunden ist das mit einer halbseitigen Sperrung der Bundesstraße 7 für zwei Wochen. Das Problem der Überschwemmungen wird damit aber nicht gelöst.

Dass die Eula ausgebaut werden muss, um im Bedarfsfall zusätzliche Mengen aufnehmen und abführen zu können, darüber herrschte vor einem Jahrzehnt Einvernehmen zwischen den KWW und der Landestalsperrenverwaltung (LTV). Beide Seiten schlossen einen Vertrag, doch gebaut wurde nicht. Die LTV habe andere Prioritäten gesetzt und „dem Eulaausbau in Geithain keine hohe Priorität“ beigemessen, sagt Lutz Kunath, der Geschäftsführer des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain.

Die KWW seien es schließlich gewesen, die den Druck erhöhten. Eine Nutzen-Kosten-Analyse habe 2013 aber ergeben, „dass der Profilausbau der Eula aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht realisiert werden soll, weil die Investitionskosten von 1,6 Millionen Euro über den Wert der zu schützenden Grundstücke liegen“. Die LTV habe die Sache deshalb abgeblasen und sei vom Vertrag zurückgetreten – trotz des Widerspruchs seitens der KWW. Kunath: „Zwischenzeitliche Gespräche und Schriftverkehr blieben leider erfolglos.“

Die Wasserbehörde habe eine Grobstoff-Reinigung gefordert. Das soll jetzt geschehen. „Bei den einzubauenden Gitterrost-Elementen handelt es sich um Sonderkonstruktionen mit einer längeren Lieferzeit. Da für den Einbau der Reinigungsanlage trockene Witterung unbedingte Voraussetzung ist, konnte die Umsetzung nicht in den normalerweise regenreichen Monaten Juli und August erfolgen“, so Kunath. Jetzt hoffe man, das in anderthalb oder zwei Wochen zu schaffen. Bei Regen müssten die Mitarbeiter des beauftragten Unternehmens den Kanal sofort verlassen und auch das Material bergen.

In den Augen von Geithains Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) ist der Sieb-Einbau nicht viel mehr als eine Marginalie. Dass es aus hygienischen und aus Umweltschutzgründen nicht hinnehmbar sei, dass infolge eines Regengusses Fäkalien aus dem Kanalsystem in die Eula, in die Gärten und Häuser gelangten, verstehe sich von selbst. Die Investition, die die KWW jetzt betrieben, lösten das Grundproblem mitnichten.

Die Geduld der Anlieger sei längst überstrapaziert, und auch die Stadtverwaltung sei nicht länger bereit, diese Zustände hinzunehmen. „Ich will, dass das geklärt wird. Anderenfalls werde ich über die Gerichte gehen“, sagte Rudolph. Noch im Herbst bitte er LTV, KWW und Landratsamt an einen Tisch, um eine wirkliche Lösung zu finden. Das Maß sei voll.

Einem solchen Termin verschließe man sich nicht, sagt Lutz Kunath. Die KWW biete den Grundstückseigentümern Unterstützung an, wenn es um den Schutz ihres Eigentums vor Überflutung gehe, erklärt er außerdem.

Von Ekkehard Schulreich

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