Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Geithain: Reinhild Mitschke geht in Ruhestand
Region Geithain Geithain: Reinhild Mitschke geht in Ruhestand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:09 29.09.2018
Reinhild Mitschke vor dem Zollhaus neben dem Geithainer Stadttor: Hier leitete sie über Jahre das Fremdenverkehrsamt. Quelle: Jens Paul Taubert
Geithain

Unter fünf Geithainer Bürgermeistern hat sie gearbeitet, unter einem sogar in zwei gegensätzlichen Gesellschaftssystemen: Reinhild Mitschke, ein Urgestein der Stadtverwaltung, wechselt am letzten September-Tag nach 34 Jahren im Rathaus in den Ruhestand. Wobei es das Rathaus allein nicht war: Das Zollhaus, einst Sitz des Kultur- und Fremdenverkehrsamtes, war ihr von allen Arbeitsplätzen der liebste.

Werbung für Geithains Sehenswürdigkeiten gemacht

Dass Reinhild Mitschke nicht nur in Geithain (fast) jeder kennt, sondern auch viele Auswärtige, hat mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt zu tun. Mehr als zwei Jahrzehnte kümmerte sie sich darum, Ausflüglern die Vorzüge der mittelalterlichen Kernstadt mit den unterirdischen Gängen, den Kirchen, dem Heimatmuseum, dem Stadttor nahezubringen.

Reinhild Mitschke (li.) und Geithains verstorbener Bürgermeister Heinz Herzog (M.) mit Gästen an den unterirdischen Gängen. Quelle: Jens Paul Taubert

Walpurgisnächte am Zollhaus, Konzerte im Bürgerhaus, Kabarett, Ausstellungen, das zweite sächsische Landeserntedankfest – in vieles war die heute 63-Jährige maßgeblich involviert. „Damals kamen viel mehr Touristen in unsere Stadt, und im Zollhaus waren wir für sie genau an der richtigen Stelle.“

Reinhild Mitschke berät einen Gast im Zollhaus. Das stand dann lange leer, nun wird es Raum für Trauungen. Quelle: Jens Paul Taubert

Unter der Ägide von Rolf Galisch (CDU), Bürgermeister von 1994 bis 2001, war das kleine Gebäude saniert worden. Als Romy Bauer (CDU) 2008 die Amtsgeschäfte übernahm, beorderte sie Mitschke und Mitarbeiterinnen zurück an den Markt. Zuletzt habe sich das Kulturamt unter dem Dach befunden, zu weit weg. Frank Rudolph (UWG) ließ nach seiner Wahl 2016 das verwaiste Bürgerbüro im Rathaus-Foyer mit ihr neu besetzen. Ihre letzten Arbeitsjahre verbrachte Mitschke deshalb unter markantem Kreuzgewölbe und war so etwas wie das sprichwörtliche Mädchen für alles.

Am Anfang war die „Steuerfahndung“

„Mit Menschen zu arbeiten, habe ich immer geschätzt“, resümiert Reinhild Mitschke. Und verhehlt nicht, dass ihr dieses Miteinander künftig ein bisschen fehlen werde. In Wyhra aufgewachsen, hatte sie ab 1972 beim Rat des Kreises Geithain gelernt. Als junge Finanzkauffrau schickte man sie in die Betriebsprüfung zu den noch selbstständigen Handwerksbetrieben vom Fleischer bis zum Fuhrunternehmer, „Steuerfahndung könnte man heute sagen“. Ein Job, bei dem es sich behaupten hieß.

800-Jahr-Feier war ein Ereignis

Als 1984 Heinz Herzog (SED, dann parteilos, nach der Zweitwahl 2001 UWG) erstmals Bürgermeister wurde, machte er Mitschke, Stadtverordnete mit CDU-Mandat, zum Stadtrat für Gesundheit und Soziales. Fortan kümmerte sie sich um die Gemeindeschwestern, die Schwerbehinderten, die Menschen, die unter schwierigen Verhältnissen lebten („Die gab es, klar!“). Gern erinnert sie sich an die Weihnachtsfeiern für die Rentner: „Wie stolz waren wir, dass wir immer jedem eine Apfelsine auf den Tisch legen konnten.“ 1986 wurde Geithains 800-Jahr-Feier groß begangen, doch bald darauf waren Staat und Stadt am Scheideweg.

Systemwechsel brachte Unsicherheiten

„Aus der sozialistischen Planwirtschaft sind wir in die Marktwirtschaft geschmissen worden“, so Mitschke. Plötzlich habe es für viele große berufliche Unsicherheit gegeben: Wie sehen die neuen Verwaltungsstrukturen aus? Gelten die Abschlüsse? Wer hat mit der Stasi, dem Staatssicherheitsdienst, paktiert? Als Leiterin des neu gebildeten Hauptamtes, das sich um die allgemeine Verwaltung, auf einmal aber auch um Horte, Kindereinrichtungen, die Poliklinik kümmerte, hatte Mitschke einen undankbaren Job, der an ihr fraß: „Ich musste viele Kündigungsgespräche führen.“ Immerhin sei es gelungen, die Poliklinik als Ärztehaus in die neue Zeit zu führen; eine von vielen Geithainern hoch geschätzte Institution.

Alleinerziehend mit drei Kindern

Fern der Öffentlichkeit vollzog sich das private Leben. Als Alleinerziehende brachte sie Familie und Beruf unter einen Hut: „Mit 21 hatte ich drei Kinder. Heute würde das gar nicht gehen.“ Zweieinhalb Jahrzehnte Geithainerin, zog sie Mitte der Neunzigerjahre zurück nach Wyhra in das Geburtshaus ihrer Mutter. „Ich fühle mich trotzdem als Geithainerin, und ich werde die Stadt auch künftig im Blick behalten.“ Und viele Menschen, die sie begleiteten und denen sie dankbar dafür ist, im Herzen.

Jetzt ist Zeit für die Enkel

Die viele freie Zeit will sie nutzen, um Kinder und Enkel häufiger zu sehen und um ihrem Wyhraer Kleingartenverein „Friedenshain“ aufzuhelfen. Unter Menschen ist sie auch da. „Ich denke, ich kann noch eine Menge tun. Darauf freue ich mich.“ Und sie freut sich auch darüber, dass nach Jahren des Leerstands und der Verkaufsversuche das historische Zollhaus neu belebt wird: als stilvoller Raum für Eheschließungen, „schöner noch als in unserem Ratssaal“.

Von Ekkehard Schulreich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gemessen an der Großstadt Leipzig ist Bad Lausick beinahe eine Insel der Seligen. Dennoch stiegt die Zahl der Straftaten 2017 leicht an. Beinahe verdoppelt hat sich die Zahl der Sachbeschädigungen.

28.09.2018

Eine Autofahrerin ist in Otterwisch (Landkreis Leipzig) von der Straße abgekommen und gestorben. Ihr Wagen sei am Freitagvormittag eine Böschung heruntergerutscht und auf die Seite gekippt.

28.09.2018

Ein Autofahrer ist am Donnerstag auf der B7 bei Geithain mit seinem Auto von der Fahrbahn abgekommen und hat sich mehrfach überschlagen. Der 73-Jährige erlitt schwere Verletzungen.

28.09.2018