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Geithain: St. Nikolai ist unter der Haube

Gemeinschaftsaktion Geithain: St. Nikolai ist unter der Haube

Eine riesige Strickhaube ziert seit Samstagvormittag das Dach des Südturms der Geithainer Nikolaikirche. Sie wirbt für das Reformationsfest, zu dem das Kirchspiel Geithainer Land vom 27. bis 31. Oktober einlädt. Fast 50 Helfer haben für die Haube gestrickt. Das Aufsetzen auf den Turm gelang erst im zweiten Anlauf.

Helfer rollen die Haube für den Transport nach oben auf.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Das Dach des Südturms der Geithainer Nikolaikirche ist seit Samstagvormittag eingestrickt. Ein großer Kran von Hennemann Holzbau hat ihm eine riesige Strickhaube aufgesetzt. „Kirche muss sich warm anziehen in dieser Zeit der ständigen Veränderung“, sagt Pfarrer Markus Helbig. Die Haube wirbt für das Reformationsfest, zu dem das Kirchspiel Geithainer Land vom 27. bis 31. Oktober einlädt.

Ein trüber Herbstmorgen früh um neun Uhr, immer mehr Schaulustige kamen auf den Kirchhof von St. Nikolai. Viele haben früh in der LVZ gelesen, dass nun der große Tag ist: Der Südturm der Kirche kommt unter die Haube. Ganz kurzfristig stand fest, dass der Kran an diesem Tag zur Verfügung stehen würde. Erst Freitagabend gegen 20 Uhr war die Riesenmütze fertig. Fast 50 fleißige Stricker dürften mitgewirkt haben, schätzt Helbig. Sie kommen nicht nur aus der Kirchgemeinde, sondern auch aus Köln, Dresden und Hengelo, der holländischen Partnergemeinde des Kirchspiels. Vorgeschlagen war, jeweils Stücke in der Größe von einem mal einem Meter zu stricken. Manche haben aber auch ganz andere Maße gewählt unter dem Motto „So ein Stück braucht ihr sicher auch irgendwo…“

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Das Dach des Südturms der Geithainer Nikolaikirche ist seit Samstagvormittag eingestrickt. Ein großer Kran von Hennemann Holzbau hat ihm eine riesige Strickhaube aufgesetzt. „Kirche muss sich warm anziehen in dieser Zeit der ständigen Veränderung“, sagt Pfarrer Markus Helbig. Die Haube wirbt für das Reformationsfest Ende Oktober.

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Teilweise sind Namen mit eingestrickt, Kreuze, die Schriftzüge Hengelo und Holland finden sich. Auch Ilona Denecke hat wie viele Frauen vom Kalandtreff mitgestrickt. „Eine schöne Aktion, mit der Geithain auf sich aufmerksam macht“, sagte sie. Die Turmhaube ist bunt, denn jeder hat verwendet, was er an Material da hatte. Die Teile wurden dann zusammengefügt und auf ein großes Netz genäht. „Wie bei Tetris“, erzählte der Pfarrer, der auch selber zu Nadel und Faden griff. Bis zu neun Leute haben am Freitag den ganzen Tag genäht.

In einer Runde war die Idee, der Kirche ein weithin sichtbareres Strickwerk aufzusetzen, letztes Jahr entstanden. Als er sie öffentlich gemacht hatte, habe mancher durchaus auch zurückhaltend reagiert, erinnerte sich der Pfarrer. Doch er habe argumentiert: „Lasst uns das einfach probieren!“ Peter Hennemann, Inhaber des gleichnamigen Tautenhainer Unternehmens, packte Samstag persönlich mit an. Andreas Eidner ist schon seit über 40 Jahren Kranfahrer. Doch diese Aufgabe war einzigartig. „Für alles ist mal Premiere“, erklärte er. Bis zu 60 Tonnen befördert der Kran mühelos in die Höhe, dagegen war die Last dieses Mal ein Leichtgewicht.

Der Pfarrer sprach ein Gebet, bevor er in die Kabine am Kranhaken schritt und sich mit einem Karabinerhaken am Gestänge sicherte. Neben ihm Andreas Eidner mit der Fernbedienung für den Kran. Dritter im Bunde war Helbigs Sohn Niklas, als Zimmermann ist der 22-Jährige die Höhe gewöhnt. Zahlreiche Helfer packten an, um die fast 170 Quadratmeter Strickwerk an der Kabine zu verstauen, bevor es 42 Meter in die Höhe ging. „Von dort oben kann man bis Frohburg schauen“, erzählte Niklas Helbig später. Kranfahrer Eidner gab alles, doch er konnte nicht sehen, wie es unter der Kabine passte. Ralf Niemann, Kirchner in Ruhestand, rief auf Augenhöhe vom Dachreiter aus Kommandos. Doch es gelang nicht, die Haube über den Wetterhahn zu fädeln.

So ging es wieder abwärts. „Haben jetzt alle umsonst gestrickt?“, fragte ein Kind. Damit dem nicht so ist, schlug Peter Hennemann vor, das Gestell einer Richtkrone zu holen. In ganz Deutschland hat seine Zimmerei derzeit Baustellen, auf denen die knapp 20 Mitarbeiter arbeiten. Sofort würde der Firmenchef weitere Leute einstellen, viel zu viel sei zu tun. Doch sobald Bewerber das Wort Montage hören, seien sie weg.

Schnell war der Firmenchef mit dem Metallgestell zurück, Helfer rollten das Strickwerk wiederum auf. Ralf Niemann holte den alten Wetterhahn des Nordturms zur Anprobe. Alle sahen: Es passt, wird aber eng. 90 Zentimeter misst das Tier vom Schnabel bis zum Schwanz. „Wir wollten nur auf die Sonne warten“, scherzte Niklas Helbig, als es wieder hinauf ging. Geschickt fädelte Andreas Eidner den Metallring von etwa zwei Metern Durchmesser über den glänzenden Hahn. Kurz nach elf war es vollbracht, Stück für Stück kappten die Kabinenpiloten nun die Hilfsfäden, bis sich die Haube tatsächlich über das Turmdach ergoss. „Es liegen paar Falten, vielleicht sieht jemand sein Teil nicht“, bemerkte der Pfarrer. 11.38 Uhr hatten die drei wieder festen Boden unter den Füßen. Applaus empfing sie. „Bravo-Rufe“, „Habt ihr toll gemacht.“ War Markus Helbig immer überzeugt, dass es klappen würde? „Heute Nacht nicht mehr...“, räumte der 49-Jährige ein.

Jeder ist willkommen zum Reformationsfest Ende Oktober. „Wir haben ein schönes Programm“, steht für Helbig fest. Besucher können vielen Handwerkern über die Schulter schauen, aber auch Speis und Trank genießen, gemütlich beisammen sein, ins Gespräch kommen.

Noch ist offen, wie lange das Turmdach in Geithain nach dem Fest verhüllt bleibt – ebenso, was hinterher mit dem Strickwerk passiert. Ideen gäbe es verschiedene, erzählte der Pfarrer, so könnten vielleicht Decken für Bedürftige daraus entstehen oder ein Künstler fertigt einen Wandteppich daraus. Unbefriedigend ist noch der Kontakt zum Redaktionsteam vom Guinnessbuch der Rekorde. Einmal habe es einen Rückruf gegeben, seitdem herrsche Funkstille, erzählte Pfarrersfrau Karina Helbig.

Von Inge Engelhardt

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