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Geithain bietet 50 Wohnungen an

Geithain bietet 50 Wohnungen an

Ein Zehntel ihrer Wohnungen will die Stadt Geithain jetzt losschlagen: Bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung traf der Stadtrat vorgestern Abend den kontroversen Grundsatzbeschluss.

Geithain. Es geht um den Verkauf einen Blocks mit 50 Wohnungen in der Goethestraße. Der Verkehrswert des Plattenbaus liegt bei nur einem Drittel jener Summe, mit der das Objekt in dem kommunalen Büchern steht.

"Wer hat gerade diesen Block vorgeschlagen?", fragte Frank Rudolph (UWG) und legte damit den Finger in die Wunde: Schließlich habe die Stadt in den vergangenen Jahren gerade in der Goethestraße 14 bis 18 einiges investiert, zum Beispiel neue Türen eingebaut. Das Gebäude sei aufgrund seiner Lage am westlichen Rand des Neubaugebietes Geithain-West und aufgrund seiner räumlichen Beschaffenheit ins Auge gefasst worden, erklärte Bürgermeisterin Romy Bauer (CDU): "Von der Stadt und einem möglichen Interessenten." Der Hinweis, dass offenbar ein potenzieller Käufer für die Immobilie schon bereitstehe, ließ vor allem auf den Besucherstühlen aufhorchen. Ebenso die Bemerkung, dass der Ausschreibungstext für den Verkauf für das nächste Geithainer Amtsblatt bereits vorbereitet sei, um keine Zeit zu verlieren.

"Die Stadt ist nicht in der Lage, die Sanierung der Wohnungen selbst vorzunehmen", hatte Romy Bauer um Zustimmung zum Verkauf geworben. Moderne Wohnungen aber seien nötig, um Menschen in Geithain zu halten. Der Block war 1975 errichtet worden. Mitte der neunziger Jahre wurde er in Teilen saniert. Den Verkehrswert von Haus und Grundstück bezifferte sie auf 233 000 Euro. Der Verkaufserlös würde zur weiteren Kredittilgung verwendet.

"Viele Mieter hat die Nachricht über den Verkauf überrascht. Sie haben aus der Zeitung davon erfahren", kritisierte Ludbert Schmuck (WVWV). Man müsse - gerade in so wichtigen Fragen - die Bürger frühzeitig einbeziehen. "Ich sehe die Notwendigkeit, dass wir lukrative Wohnungen zur Verfügung stellen", meinte Ulrich Böhme (Linke). Andererseits schmecke ihm diese Privatisierung nicht. Der Verkehrswert betrage gerade mal drei Jahresmieten, meinte Manuel Tripp (NPD) und sprach sich für preiswerten Wohnraum aus.

"Wir haben schon zweimal in Geithain-West Anlauf genommen", erinnerte Gunter Neuhaus (UWG) an alte Debatten. Er könne den Verkauf akzeptieren, wenn sichergestellt sei, dass der Käufer tatsächlich und umgehend saniere. Das lasse sich vertraglich regeln, meinte die Bürgermeisterin. Gabriele Sporbert (CDU) nannte Verkauf und Sanierung "eine Aufwertung für das gesamte Wohngebiet", während Fraktionskollege Mario Frommhold eine Kernfrage formulierte: "Was machen wir überhaupt mit diesem Wohngebiet?" Den Buchwert des Wohnblocks von 919 000 Euro nannte er "eine fiktive Größe". Ob Abriss oder Verkauf deutlich unter dieser Summe seien, buchhalterisch mache das wenig Unterschied. Udo Berger (UWG) wollte das von der Kämmerei genauer wissen: "Was bedeutet denn ,haushaltwirksamer Verlust'?". Dass sich das Eigenkapital der Stadt um diese Summe verringere, so Kämmerin Jutta Eichler.

Der Debatte im Stadtrat war eine im Verwaltungsausschuss vorausgegangen. Die Abstimmung brachte ein klares Ergebnis: Zwei Abgeordnete stimmten mit Nein, einer enthielt sich. Der Wohnblock samt Grundstück wird jetzt öffentlich ausgeschrieben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.12.2013

Ekkehard Schulreich

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