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Geithain erinnert am 120 Jahre Emaillierwerk – Ausstellung geplant

Heimatmuseum Geithain erinnert am 120 Jahre Emaillierwerk – Ausstellung geplant

Über Jahrzehnte hinweg prägte die Geithainer Emaille die Stadt. Vor 120 Jahren wurde das Emaillierwerk gegründet. Das Heimatmuseum will jetzt dessen Geschichte erzählen. Weitere Zeitzeugen sind gesucht.

Ein großformatiges Exponat steuert Heimatgeschichtler Karlheinz Oertelt zur Sonderschau „120 Jahre Emaillierwerk Geithain“ bei, die am 24. März im Museum Geithain eröffnet werden soll. Das Relief „Handel und Industrie“ wurde 1928 für 25-jährige Mitarbeit übergeben.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Über Jahrzehnte hinweg prägte die Geithainer Emaille die Stadt. 1898 gegründet, standen hier Generationen von Männern und Frauen in Lohn und Brot. Unter wechselnden politischen und wirtschaftlichen Systemen wurden im Unternehmen bei Weitem nicht nur Töpfe emailliert. 2005 musste der Betrieb Insolvenz anmelden. Dass die Emaille noch immer ein Begriff ist, ist dem Unternehmen Geo Gesellschaft für Emaillierung und Oberflächentechnik mbH zu danken, das auf diesem Gelände entstand und auf dieser Tradition aufbaute. Das Jubiläum „120 Jahre Geithainer Emaille“ ist dem Heimatmuseum Anlass für eine Sonderausstellung. Sie soll am 24. März, 14 Uhr, eröffnet werden. Gespeist wird sie nicht nur aus Exponaten des Museums selbst, sondern vor allem durch vielfältige Leihgaben der Geithainer, unter ihnen nicht wenige, die selbst einen erheblichen Teil ihres Berufslebens in diesem Betrieb verbrachten.

Carmen Schmidt vom Heimatmuseum zeigt das Werksbuch mit den Verpflichtungen im Rahmen des ersten Fünf-Jahrplanes vom Emaillierwerk

Carmen Schmidt vom Heimatmuseum zeigt das Werksbuch mit den Verpflichtungen im Rahmen des ersten Fünf-Jahrplanes vom Emaillierwerk.

Quelle: Jens Paul Taubert

„Viele Geithainer sind mit der Emaille irgendwie verbunden. Doch die Geschichte des Unternehmens und was im Werk konkret passierte, wissen viele nicht“, sagt Carmen Schmidt. Für die Museumsleiterin ist der prägnanteste Eindruck noch immer der, den sie als Schülerin während der obligatorischen Unterrichtstage in der Produktion (UTP) erfuhr; bei den Jüngeren hieß das Fach schlicht PA – Produktive Arbeit. Im Vorfeld der Sonderschau trafen sich jetzt knapp ein Dutzend ehemalige Emaillierwerker, um zu beraten, was sie selbst beisteuern können. „Es war ein sehr anregendes Gespräch, und es war sehr erhellend“, sagt Schmidt. Darüber hinaus bringe mancher Museumsbesucher auch spontan Exponate vorbei, etwa Farbmuster für eine Topfkollektion oder Planunterlagen mit Verpflichtungen zur Produktionssteigerung: „Es ist höchst interessant, was die Leute bewahren und was sie zu erzählen haben.“

Manches aus dem Werk hat Karlheinz Oertelt zusammengetragen, der zwar kein Emaillierwerker war, doch sich für Heimatgeschichte interessiert. Ein großes Metallrelief wurde 1928 von der Firma Grässler & Schmidt an Mitarbeiter für 25 Jahre verlässliche Arbeit vergeben. Zudem besitzt er Kantinen-Münzen aus den Zwanzigerjahren und einen Trinkbecher aus der Nachkriegsproduktion.

„Ich würde mich freuen, wenn sich weitere Menschen, die im Werk gearbeitet haben, im Museum melden“, sagt Carmen Schmidt. Zwischen 28. Februar und 10. März seien solche Besucher sehr willkommen; danach baue man die Schau auf. Interessenten melden sich per E-Mail (Heimatmuseum.geithain@googlemail) oder Telefon (034341/44403). Geplant sei, im Laufe der Sonderschau auch zu einer Gesprächsrunde einzuladen, um damit den Horizont um erzählte Geschichte zu erweitern.

Von Ekkehard Schulreich

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