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Geithain Geithain erinnert an Opfer der „Aktion T4“
Region Geithain Geithain erinnert an Opfer der „Aktion T4“
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15:55 19.03.2019
Clementine, Elsa, Marcel Gut und Sebastian Roscher (von links) eröffnen die Sonderschau in Geithain. Quelle: Foto: Julia Tonne
Geithain

 „Aktion T4“ – ein Begriff des Grauens. In Geithain starben drei Menschen durch T4: Georg Förster, Max Arthur Franz und Walter Paul Rudolph – ermordet durch die Nationalsozialisten, weil sie als „lebensunwert“ galten.

Um an deren Schicksal zu erinnern und zu mahnen, dass Menschen niemals nach „Wertigkeit“ einzuordnen sind, haben Schüler der neunten bis elften Klasse im Geithainer Museum die Sonderausstellung „Euthanasie in Geithain“ eröffnet. „Es ist eine Schau gegen das Vergessen, für die Erinnerung“, machte die 14-jährige Clementine deutlich, die mit rund 15 weiteren Gymnasiasten ein halbes Jahr zur Euthanasie und auch zur Zwangssterilisation in Geithain geforscht hat.

57 Menschen wurden in Geithain zwangssterilisiert

In der Stadt wurden nachweislich 57 Menschen zwangssterilisiert und drei ermordet. Insgesamt starben in Deutschland in den Jahren 1940 bis 1945 mehr als 70 000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen unter Leitung der Zentraldienststelle T4. Weshalb nach 1945 der Begriff „Aktion T4“ gebräuchlich wurde.

Max Arthur Franz war einer von vielen, die als lebensunwert galten. 1898 geboren, kämpfte er im Ersten Weltkrieg und zeigte danach ein verändertes Verhalten. Mehrfach wurde er in Heil- und Pflegeanstalten eingewiesen, bis er 1940 wegen angeblicher Schizophrenie ermordet wurde. Förster erlitt das gleich Schicksal, auch der gelernte Bäcker kam nach dem Ersten Weltkrieg mit psychischen Folgeschäden zurück. Zunächst wurde er 1935 zwangssterilisiert, fünf Jahre später dann in Pirna-Sonnenstein umgebracht. Und Rudolph fiel der Aktion T4 zum Opfer, weil er Epilepsie hatte.

Monatelang haben Geithainer Schüler geforscht

Monatelang haben die Jugendlichen gemeinsam mit den Geschichtslehrern Marcel Gut und Sebastian Roscher geforscht – in Archiven, Bibliotheken, in Pirna-Sonnenstein. Hilfe und Unterstützung kamen vom Heimatverein, vom Flexiblen Jugendmanagement, das gemeinsam mit den Schülern einen eindrucksvollen Film zu dem Thema gedreht hat, vom Schweizerhaus Püchau (ein Verein mit dem Ziel eines soziokulturellen Bildungsangebotes im Leipziger Land) und vom Erich-Zeigner-Haus in Leipzig.

Drei verschiedene Ebenen verdeutlicht die Ausstellung, wie Lehrer Roscher betont. „So lernten die Schüler während des halben Jahres den Umgang mit Akten und geschichtliche Recherche.“ Die Stadt Geithain sei die zweite Ebene, drei Opfer seien durch die Schau in den Fokus gerückt, ihnen sei ihre Identität wiedergegeben worden. Ebene drei sieht Roscher im gesamtgesellschaftlichen Umgang mit dem Thema. „Es sollte eine Mahnung an uns alle sein, dass Menschen niemals nach bestimmten Wertigkeiten einzuordnen sind“. Jeder sei richtig, wie er geboren wurde.

Am 12. Mai werden Stolpersteine verlegt

Um den drei Ermordeten auch auf anderem Weg zu gedenken, werden am 12. Mai entsprechende Stolpersteine vor den einstigen Wohnhäusern verlegt. Um 14 Uhr sind Interessierte in die Chemnitzer Straße 13 eingeladen. Die Ausstellung selbst – für die Unterstützung von der Leipziger Künstlerin Karoline Schneider kam – ist bis 25. Mai zu sehen. Ergänzt wird sie am 29. März durch einen Vortrag, der um 19 Uhr im Museum zu hören ist.

Von Julia Tonne

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