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Geithain kauft spontan große Gewerbefläche

Stadtrat Geithain kauft spontan große Gewerbefläche

20 000 Quadratmeter Gewerbefläche für 90 000 Euro: Diesen Coup lässt sich die Stadt Geithain nicht entgehen. Zwar überraschte Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) den Stadtrat mit dieser Offerte, doch gelang es ihm, die meisten Parlamentarier zu überzeugen. Sein Plan: Bauhof umsiedeln, Gewerbe ansiedeln.

Blick auf Geithain. Durch den Flächenkauf eröffnen sich neue Perspektiven.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Ein Filetstück ist die Fläche nicht, aber der Preis ist unschlagbar: Für 90 000 Euro und spontan kauft die Stadt Geithain ein 20 000 Quadratmeter großes Grundstück am Rand des Neubaugebietes. Hier, zwischen Straße der Deutschen Einheit und der Bahnlinie, hatte die Geithainer Baugesellschaft ihren Sitz, doch die befindet sich seit einem Jahrzehnt schon in Liquidation. Die Gläubigerbank drängt endgültig auf eine Veräußerung – und Bürgermeister Frank Rudolph (UWG), der den Stadtrat erst vor einer Woche über den geplanten Deal informieren konnte, das Parlament zu kaufen.

Denn: Die Fläche habe „genügend Potenzial, um neue Arbeitsplätze entstehen zu lassen“. Die Stadt brauche dringend Raum für die Ansiedlung von Unternehmen, habe aber keinen. Zudem könnten in den vorhandenen Hallen der bisher in einem maroden Domizil untergebrachte Bauhof der Stadt, aber auch Vereine wie das Blasorchester und die Karnevalisten unterkommen.

Die Stadt könne Land gewinnen und zugleich verhindern, dass ein anderer kaufe, der keine Investitionsabsichten habe – siehe Bahnhof, siehe altes Landratsamt, die, in fremder Hand, vor sich hindämmerten, sagte Rudolph. Greife Geithain nicht zu, schreibe die Bank aus. Dann sei man draußen, weil der Preis deutlich höher werde. Das Areal ist Bauland, allerdings nur zum Teil erschlossen. Mehrere unsanierte Gebäude stehen darauf, eine Gashochdruckleitung berührt die Fläche. Große Teile, die die Stadt selbst nicht nutzen werde, könne sie abtrennen für Gewerbe, so Rudolphs Überlegung. „Der Preis ist machbar für uns.“ Und wenn man Eigentümer sei, könne man sich um Förderprogramme kümmern, um die Fläche zu entwickeln und Unternehmen anzusiedeln.

„Das Anliegen ist hoch einzuschätzen, aber es geht um sehr viel Geld“, sagte Ludbert Schmuck (WVWV). Deshalb könne er nicht akzeptieren, dass das Thema nicht erst in den Ausschüssen beraten werde. Der Zeitdruck, den der Bürgermeister aufbaue, lasse ihn skeptisch sein. Das meinte auch André Brendemühl (CDU), der schon zu Sitzungsbeginn versucht hatte, den kurzfristig aufgenommenen Punkt von der Tagesordnung zu kippen, damit aber unterlag. Auf dem Grundstück befänden sich Altlasten, es gebe Prüfungsbedarf: „Mir ist das so eigentlich zu heiß.“ Unter Druck sah sich auch Thomas Lang (Linke): „Ich kann das Risiko nicht einschätzen.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine Fehlentscheidung ist, wenn wir das Grundstück kaufen“, sagte Frank Kirschner (UWG). Bauland für 4,50 Euro pro Quadratmeter seien äußerst günstig. „Die Gebäude, die dort stehen, sind mehr wert als der jetzige Bauhof“, bekräftigte Mario Frommhold (CDU). Die Chancen seien ohne Zweifel größer als alle Risiken, und alle unterstellten Probleme seien lösbar. Ob die Ausschüsse drüber redeten oder nicht, am Preis ändere das nichts, meinte Gunter Neuhaus (UWG): „Wenn es um die Ausgestaltung geht, können sich die Ausschüsse tummeln.“

„Seit Jahren reden wir davon, dass wir Gewerbeflächen anbieten müssten. Der Bedarf ist da, aber wir haben keine“, sagte Bauamtsleiterin Kerstin Jesierski. Jetzt biete sich die Chance, die Entwicklung eines großen Areals selbst ganz gezielt vorantreiben zu können.

Die Verwaltung und er selbst stünden ausdrücklich zu dieser Beschlussvorlage, weil sie für Geithains Entwicklung ungemein wichtig sei, fasste Frank Rudolph die Debatte zusammen. Gäbe es mehr Bedenkzeit, würde er sie dem Stadtrat gern gewähren. Doch zu zögern, komme nicht in Betracht. Was den auf dem Grundstück liegenden Aushub betreffe, stamme der „zu 80 Prozent“ von der einstigen Baustelle der DRK-Werkstatt, außerdem von Straßenreparaturen. Zudem lagere dort Muttererde. Man habe auch vor Ort „intensiv geprüft“. Der Landkreis trage den Kauf mit, obwohl er andererseits die Stadt auffordere, den Haushalt zu konsolidieren. Das Geld sei im Haushalt verfügbar.

Die deutliche Mehrheit des Stadtrates folgte dieser Argumentation. Bei der Abstimmung über den Kauf gab es – durchaus überraschend – keine Gegenstimme, lediglich fünf Enthaltungen.

Von Ekkehard Schulreich

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