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Geithain ?Geithain muss Gesicht zeigen an so einem Tag?
Region Geithain ?Geithain muss Gesicht zeigen an so einem Tag?
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17:16 19.05.2015
Mandy Gehrt vom Verein Kulturbahnhof Markkleeberg (l.) und Geithains Bürgermeisterin Romy Bauer (CDU) eröffnen die Ausstellung in Geithain. Quelle: Inge Engelhardt

Die Eröffnung erfolgte Dienstagabend im Rahmen der bundesweiten Aktion "Wir für Demokratie - Tag und Nacht für Toleranz". Ein Graffiti-Workshop und eine Filmvorführung umrahmten das.

Den Begriff Konzentrationslager hörte die Sechstklässlerin Samantha am Dienstag zum ersten Mal. Der 14-jährige Sascha dagegen kannte das Thema aus dem Geschichtsunterricht und wusste auch schon, dass es hier in der Region Außenlager gegeben hatte. "Wir wollen das weitertragen, damit die Information, die Berührung mit dem Thema da ist", erklärte Geithains Bürgermeisterin Romy Bauer (CDU) bei der Eröffnung der Ausstellung. Wichtig sei nicht nur das Wissen, was geschehen ist, sondern auch mit dafür zu sorgen, dass es nicht wieder passiert. Die Veranstaltung im Rahmen des bundesweiten Aktionstages solle ein Zeichen setzen für Toleranz und Demokratie, erklärte die Stadtchefin und hob die Partnerschaft zwischen der Kommune und dem Kinder- und Jugendhaus hervor.

"Geithain muss Gesicht zeigen an so einem Tag." Das hatte auch für Peter Frommelt, dem Leiter des Jugendhauses, festgestanden. "Ich hätte mich gefreut, wenn die Stadträte und Vertreter der Schulen die Einladung heute wahrgenommen hätten", erklärte er. Die mobile Ausstellung ist bis einschließlich Mittwoch im Kinder- und Jugendhaus im Rosental zu sehen, Besucher sind willkommen. Mandy Gehrt vom Verein Kulturbahnhof Markkleeberg, in dessen Regie das Projekt läuft, hofft, dass die Schau Besucher anregt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Auch Melanie van Hoose, Projektmitarbeiterin vom Netzwerk für Demokratische Kultur (NDK) Wurzen, schaute sich um. "Ich finde das total wichtig, dass so ,namenlose' Orte benannt werden. Schön wäre es, wenn auch Klassen der Paul-Guenther-Schule sich das ansehen", erklärte sie.

Schon am Nachmittag hatte sie im Rahmen des Projektes "Jugend wird aktiv" mit jungen Leuten einen zweiten Workshop für Stencil (Graffiti mit Schablonen) im Jugendhaus durchgeführt. Sascha war auch schon beim ersten im März dabei gewesen. "Das ist schwierig, macht aber Spaß", erzählte der Bad Lausicker. Samantha probierte das vorgestern erstmals aus. "Das ist ganz okay, nicht so schwer", fand die Frankenhainerin. Der Jugendhaus-Chef will die "sehr lohnenswerte Kooperation" mit dem NDK auf jeden Fall mit weiteren Workshops fortsetzen. Im November soll im Kinder- und Jugendhaus eine Schau über Anne Frank zu sehen sein.

Abschluss der Veranstaltung bildete vorgestern die Vorführung des Dokumentarfilms "Die Tragödie der Provinz", das hatte die "Initiative für ein weltoffenes Geithain" organisiert. In dem etwa halbstündigen Streifen erzählt Journalist Maik Baumgärtner über rechtsextreme Strukturen im Vogtland und wie Menschen damit umgehen. Als Gesprächspartnerin stand nach der Vorführung Katrin Siegel zur Verfügung, die Politologin hat zeitweise die Kontaktstelle gegen Rechts "Move" geleitet. Man sollte diesen Film vor allem Kommunalpolitikern und Behörden zeigen, weil von deren Seite immer noch stark verharmlost werde, was geschieht, erklärte sie. Als der Film 2010 entstand, habe es im Vogtland noch relativ wenig zivilgesellschaftliches Engagement gegeben. "Seitdem hat sich einiges entwickelt", konnte Katrin Siegel berichten. Im Februar 2012 habe der Superintendent einen Runden Tisch für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage gegründet. Vor rund zwei Jahren sei das Aktionsbündnis "Vogtland gegen Rechts" entstanden.

Die Ausstellung über die KZ-Au§enlager im Landkreis können Interessenten heute sowie am Freitag, Sonnabend, Montag, Dienstag und Mittwoch jeweils von 13 bis 20 Uhr besuchen. Immer bis gegen 18 Uhr gibt es auch Erläuterungen dazu. Schulklassen und Gruppen werden um Anmeldung gebeten und können auch einen Termin am Vormittag vereinbaren. Kontakt über Peter Frommelt, Telefon 0177/ 5607287.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.04.2013

Inge Engelhardt

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