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Geithain verlässt Fremdenverkehrsverband (noch) nicht

FVV Kohrener Land Geithain verlässt Fremdenverkehrsverband (noch) nicht

Nicht über das Knie brechen wollen Geithainer Stadtrat und Bürgermeister das heikle Thema Fremdenverkehrsverband – Austritt oder Verbleib. Die Kündigung wurde am Dienstagabend von der Tagesordnung der Ratssitzung genommen. Ziel: noch einmal intensiv und gemeinsam nach Kompromissen und Auswegen aus diesem Dilemma suchen.

Die Zukunft des Fremdenverkehrsverbandes Kohrener Land ist offen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Aufschub für den Fremdenverkehrsverband (FVV) Kohrener Land, zusätzliche Bedenkzeit für den Geithainer Stadtrat: Seinen Beschlussvorschlag, die Stadt Geithain möge die Mitgliedschaft im FVV zum Jahresende kündigen, zog Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) zu Sitzungsbeginn am Dienstagabend zurück. Er sehe, dass es weiteren Gesprächsbedarf gebe. Dem wolle er in dieser Sitzung und noch einmal in den Ausschüssen Raum gewähren, um eine übereilte Entscheidung zu vermeiden. Allerdings rückte er von seiner Prämisse keinen Zentimeter ab: „Ich bin nicht bereit, in zwei Verbänden Beitrag zu zahlen.“

Gemeint sind der FVV und der Tourismusverein (TV) Leipziger Neuseenland. Einer Lösung näher kam man an diesem Abend trotz anderthalbstündiger Debatte kaum, immerhin aber auf den wunden Punkt: die Ursache für die Doppelmitgliedschaft, die jetzt zur Zerreißprobe führt. Geithain ist die einzige der im FVV organisierten Kommunen, die seit 2015 auch im Neuseenland mittut – in jenem Verband, der Teil der Destination Leipzig Region, einem alles entscheidenden Element der sächsischen Tourismusstrategie, ist. Entschieden worden sei diese Doppelmitgliedschaft, die dem FVV lebenswichtige Zuschüsse des Landkreises sichert, seinerzeit im Vorstand des Fremdenverkehrsverbandes, so Rudolph. Geithains zweifaches Engagement angeboten habe die damalige Bürgermeisterin Romy Bauer, die im Vorstand des FVV mitarbeitete.

Immerhin gelang es den Vertretern beider Verbände am Dienstag, den Stadträten Hintergründe der verfahrenen Situation und Tragweiten möglicher Entscheidungen zu erläutern. Dass das Thema in der Tat von hoher Brisanz ist, wie es Rudolph formulierte, zeigte die Anwesenheit zweier Amtskollegen, die ausdrücklich hinter dem Fremdenverkehrsverband stehen: Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) und Kohrens Bürgermeister Siegmund Mohaupt (CDU).

Der aktuelle Streit entzündet sich am Geld. 4900 Euro zahlt Geithain jährlich im FVV, ab 2016 rund 5000 Euro im Neuseenland. Dass der FVV der Stadt Geithain die über viele Jahre gezahlte Werbekostenpauschale von 10 000 Euro erließ, ist für den Bürgermeister kein Argument für die Zukunft. Ließe sich der FVV-Beitrag reduzieren oder durch andere Leistungen ersetzen, wollte Gunter Neuhaus (UWG) wissen. Einen „finanziellen Kompromiss“ nannte ebenso Silke Haferkamp (CDU) als einzigen Weg aus der verfahrenen Situation. Eine Reduzierung des FVV-Beitrages konnte sich Thomas Lang (Linke) vorstellen, wenngleich er die umstrittenen 4900 Euro „nicht staats- oder stadtgefährend“ nannte und dem FVV eine hochqualitative, unverzichtbare Arbeit auch für Geithain bescheinigte. Letzteres unterstrich Ute Kirsten-Delling (CDU): Geithain sollte auf jeden Fall Mitglied bleiben – auch um die Leader-Förderung, von der man stark profitiere, nicht zu riskieren.

„An der Problemlage, die wir jetzt haben, müssen wir gemeinsam arbeiten“, warb der FVV-Vorsitzende Karsten Richter. Schließlich habe man über zweieinhalb Jahrzehnte gemeinsam etwas aufgebaut und verantwortet. Im April träfen sich die FVV-Mitglieder zu einem Strategie-Workshop. Eine Verminderung des Mitgliedsbeitrages oder die Umwandlung in anders geartete Leistungen hält Richter ab 2017 für machbar; darüber könne und müsse man reden.

Der FVV könne durchaus als Ganzes Mitglied im TV Leipziger Neuseenland werden, erläuterte dessen Geschäftsführerin Sandra Brandt. Ersparnisse aber bringe das nicht, denn auch dann sei für zwei unterschiedliche, aber wichtige Aufgabenbereiche zu zahlen: für die Vermarktung innerhalb der großen Einheit Leipzig Region (DMO genannt, Destinationsmanagement-Organisation), zum anderen für die Förderung des Tourismus vor Ort. Es gebe zwar mehrere Kommunen im Landkreis, die mit Verweis darauf auf fehlenden Tourismus auf ihrer Flur auf eine Mitgliedschaft in der DMO verzichteten; dann falle eine Förderung jeglicher touristischer Infrastruktur aber deutlich geringer aus, ganz zu schweigen von der überregionalen Vermarktung der regionalen Angebote.

Die weitere Debatte zum Thema verlegte der Stadtrat in einen nicht öffentlichen Teil, ohne freilich dort schon zu einer Entscheidung zu kommen. „Ich werde es im April in die Ausschüsse nehmen“, sagte Frank Rudolph im Anschluss. Danach liege es am Stadtrat, die Weichen zu stellen.

Von Ekkehard Schulreich

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