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Geithain: Dem Altdorf steht es bis zur Oberkante

Nach Starkregen Geithain: Dem Altdorf steht es bis zur Oberkante

Sobald es kurz und heftig regnet, läuft der Kanal, der zur Geithainer Kläranlage führt, über. Das ist so geplant. In die Altdorfer Grundstücke entlang der Eula ergießt sich dann eine widerliche Brühe. Nach einem Jahrzehnt bieten die Kommunalen Wasserwerke an, jetzt zumindest die Fäkalien zurückzuhalten. Doch die Anlieger fordern mehr.

Richtig heftig traf es die Anlieger der Eula beim Hochwasser im Sommer 2013. Was zerstört wurde, lag an der Altenburger Straße zur Entsorgung bereit.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain.  Sobald dunkle Wolken am Geithainer Horizont aufziehen und ein kräftiger Schauer niedergeht, liegen bei vielen in der Altenburger Straße die Nerven blank: Dann dauert es nur Minuten, bis die sonst so zahm durch die Gärten rinnende Eula plötzlich anschwillt. Sie setzt die Grundstücke dann nicht nur unter Wasser. Die Brühe ist angereichert mit Fäkalien und all dem, was in der Stadt flussaufwärts durch die Toiletten gespült wird. Ein unhaltbarer Zustand, der seit vielen Jahren anhält. Im Stadtrat legten die Kommunalen Wasserwerke Grimma-Geithain (KWW) jetzt einen Vorschlag auf den Tisch, um zumindest die eklige Fracht zurückzuhalten. Dass die Anrainer allerdings weiterhin mit Überflutungen leben sollen, schmeckt weder ihnen noch dem Stadtparlament. Zahlreiche betroffene Anwohner verfolgten die Ratsdebatte.

„Die Leute werden depressiv, werden krank“, beschrieb Thomas Börngen die Situation im Geithainer Altdorf. Seit Jahren der latenten Gefahr ausgesetzt zu sein, dass Garten, Hof und Haus wie aus dem Nichts plötzlich unter Wasser gesetzt werden, zehre an den Nerven. Und koste immer wieder eine Menge Geld, denn „manche finden längst keinen Versicherer für Elementarschäden mehr“. Dass die Landestalsperren-Verwaltung (LTV) den ursprünglich geplanten Ausbau der Eula – was einen zügigen Abfluss des Wassers sicherstellen sollte – aus Kostengründen verwarf, kann Börngen nicht akzeptieren. Die Begründung, die Investition sei teurer als die am privaten Eigentum verursachten Schäden, gefällt auch anderen Betroffenen und Abgeordneten nicht.

Dass der sogenannte Stauraum-Kanal, der Mitte des vergangenen Jahrzehnts in der Altenburger Straße verlegt wurde, bei Starkregen überläuft, hat eine Vorgeschichte. Die umriss Lutz Kunath, Geschäftsführer des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain. Der Staukanal – eine Mischwasserleitung in Richtung Kläranlage, die einen Teil der Flut zurückhält, dann aber einen Abschlag zum Fluss öffnet – und der Ausbau der Eula gehörten zusammen. KWW und LTV hätten 2008 einen Vertrag über den Eula-Ausbau geschlossen, um „den Hochwasserschutz für die anliegenden Grundstücke zu gewährleisten“, so Kunath. Die Wasserwerke hätten 180 000 Euro in Vermessungen, Gutachten und Planungen investiert, als die Talsperrenverwaltung den Vertrag 2013 plötzlich annullierte. Grund, so Kunath: „eine negative Kosten-Nutzen-Analyse“. Negativ für die Anlieger.

KWW, Stadt und Eigentümer hätten seitdem immer wieder Anlauf genommen, um dennoch zu einer Lösung zu kommen. Dass die nur bruchstückhaft sein könnte, verhehlte Planer Hans-Jörg Temann nicht, der im Stadtrat die untersuchten Varianten vorstellte und die aktuelle Situation „unappetitlich“ nannte. Um das bei starken Güssen sofort anfallende Wasser zurückzuhalten, brauche es mehr Stauraum. Den zu schaffen, sei schwer und teuer. Ein Umbau des Stauraums, so dass der erst unterhalb des Altdorfs seinen Überlauf habe, sei es ebenso. Einzig das sei praktikabel, so Temann: In den Kanal Siebe einbauen, die die Grobstoffe zurückhielten, aber das Wasser nicht unnötig aufstauen sollen. An der Menge des überfließenden Wassers änderten die nichts.

Die Beseitigung von Hochwasser-Schäden bekomme die Stadt zu 100 Prozent gefördert, doch für den Hochwasserschutz sei kein Geld da, kritisierte Mario Frommhold (CDU) diesen Widersinn. Widersinnig auch, dass der Stau-Überlauf oberhalb des Altdorfes errichtet worden sei. Die geplanten Siebe lösten das Überflutungsproblem nicht, wandte Fraktionskollegin Ute Kirsten-Delling ein. Das System könne doch nur funktionieren, wenn die Eula ausgebaut würde; das sei doch von Beginn an klar gewesen, meinte André Brendemühl (CDU). Begeisterung für den KWW-Vorschlag klang aus der Debatte nicht heraus. Immerhin sei diese Investition, die laut Kunath im kommenden Jahr getätigt werde, ohne gesonderte Kosten für Geithain verbunden. Stadtrat und Stadtoberhaupt machten allerdings klar, dass der Sieb-Einbau nicht das Ringen um eine grundsätzliche Lösung überflüssig mache. Die Stadt werde erneut das Gespräch mit der Talsperrenverwaltung suchen, sagte Bürgermeister Frank Rudolph (UWG): „Ausgestanden ist das Thema noch nicht.“

Von Ekkehard Schulreich

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