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Geithainer Anlagenbau: Volle Auftragsbücher – knappe Fachkräfte

Hellwig Transporttechnik Geithainer Anlagenbau: Volle Auftragsbücher – knappe Fachkräfte

Die Auftragsbücher sind voll, wenn andere Unternehmen investieren: Seit mehr als neun Jahrzehnten existiert die Hellwig Förder- und Transporttechnik GmbH. Ein Unternehmen, das vor allem für die mittelständische Wirtschaft in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt produziert – und das nichts von der sprichwörtlichen Stange im Angebot hat.

Azubi Tino Beckmann montiert eine Anlage in der Hellwig Förder- und Transporttechnik GmbH Geithain.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Papierfabriken brauchen sie. Hersteller von Fahrzeugteilen könnten ohne sie kaum produzieren. Ein Dresdner Elektromotorenhersteller hätte seine liebe Not, bis zu 150 Tonnen schwere Aggregate zu bewegen – wenn es nicht Verschiebewagen, Kettenförderer und Rollbahnen aus Geithain gäbe. Seit mehr als neun Jahrzehnten existiert die Hellwig Förder- und Transporttechnik GmbH. Ein Unternehmen, das vor allem für die mittelständische Wirtschaft in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt produziert – und das nichts von der sprichwörtlichen Stange im Angebot hat.

Lösungen nach Maß

„Wir bieten ausschließlich kundenspezifische Lösungen an, und zwar vorwiegend für Stückgüter“, formuliert es Sascha Blau, seit 2015 Geschäftsführer der zwei Dutzenden Mitarbeiter zählenden Unternehmens. Stückgüter, die ihre Ausmaße und vor allem ein erhebliches Gewicht haben. Unter einer Tonne gehe da wenig, sagt Blau: „Wir konstruieren robuste Technik für alles, was schwer ist. Da fühlen wir uns wohl.“ Dabei setze man auf eine hohe Fertigungstiefe, was im Grunde nichts anderes heiße als: „Aus einem Blech entsteht am Ende eine ganze Anlage.“ Elektro- und Automatisierungstechnik etwa kaufe man bei festen Partnern zu, sodass man alles aus einer Hand anbieten könne.

Für die Papierfabrik Penig montierte das Unternehmen beispielsweise über den letzten Jahreswechsel binnen vier Tagen während der Produktionsruhe ein neues Band für die Zellstoff-Herstellung. Für die Muldenhütten Recycling GmbH wurde ein Trogkettenförderer auf Maß gebaut. Die VEM Sachsenwerk GmbH Dresden bezog zuletzt große Verschiebewagen für ihre Elektromotoren, die in Kombination eine Traglast von 150 Tonnen bewegen können. Kettenförderer aus Geithain sind in Gießereien, Schmieden und bei Zulieferern der Automobil-Industrie im Einsatz, Verpackungsmittel-Hersteller und Montagebetriebe bevorzugen Rollenbahnen, um größere Werkstücke und Paletten zu transportieren und dabei auf Gabelstapler zu verzichten. Um Höhenunterschiede zu überbrücken, lassen sich Hebevorrichtungen integrieren. Zudem liefert Hellwig auch große geschweißte Rahmen, etwa für die Aufstellung von Werkzeugmaschinen.

Unternehmen investieren

„Wir sind stark abhängig vom Investitionsverhalten unserer Kunden. Geht es denen gut, haben wir ordentlich zu tun“, sagt Blau und kann sich aktuell nicht beklagen. Problematischer sei da schon der immer deutlicher werdende Mangel an Fachkräften. Über die Arbeitsagentur suche man immer mal wieder, aber nicht immer erfolgreich. Zwar habe das Unternehmen die Voraussetzungen, selbst ausbilden zu können, so der Geschäftsführer: „Aber unsere Erfahrungen sind da nicht die besten. Deshalb werden wir da kaum aktiv. Aber wenn jemand käme, der mit dem Herzen dabei wäre und nicht vor schmutzigen Händen zurückschreckte…“

Als Ingenieurbüro für Transportanlagen wurde der Betrieb 1926 gegründet, entwickelte und konstruierte Seilbahnen zum Lasten- und Personentransport. Wolfgang Hellwig, der die Firma 1960 übernahm, machte sie zu einem Maschinenbaubetrieb. 1972 wurde Hellwig enteignet; der VEB Kettenförderer Leipzig, bestehend aus mehreren Betriebsteilen, setzte allerdings das Profil fort. 1990 die Reprivatisierung und die Konzentration der Kräfte auf Geithain. 1999 Insolvenz. 2001 Ausgliederung der Hellwig Förder- und Transporttechnik GmbH mit neuem Konzept und neuer Geschäftsführung.

Wechselvoll sei die Firmengeschichte in der Tat, sagt Sascha Blau. Vor allem aber zeige sie eines: Kontinuität. Darauf setze man auch in der Zukunft. Aktuell plane man, ein marodes Wohnhaus an der Tautenhainer Straße zu kaufen, es abzureißen und so für eine bessere Zufahrt zum Firmengelände zu sorgen. Perspektivisch könnte dann an der Straße auch ein neues Sozialgebäude entstehen. Darüber sei man mit der Stadt im Gespräch: „Entschieden ist nichts, aber wir haben Ideen, was sich entwickeln ließe.“

Von Ekkehard Schulreich

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