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Geithainer Emaille – ein Schatz für die Türme von St. Nikolai

Verkaufsausstellung Geithainer Emaille – ein Schatz für die Türme von St. Nikolai

Mit einer Verkaufsausstellung will die Kirchgemeinde St. Nikolai in Geithain das Nützliche mit dem Praktischen verbinden: Es soll Platz geschaffen werden und Geld einbringen. Beides für die dringend notwendige Dachstuhlsanierung.

 
 

Quelle: jens paul taubert

Geithain.  Eine Verkaufsausstellung der besonderen Art ist es, und sie befindet sich an einem bemerkenswerten Ort: auf dem Dachboden der Geithainer Stadtkirche St. Nikolai. Wer die hölzernen Stufen im Nordturm hinaufsteigt, muss sich durch ein vor Jahrhunderten überbautes romanisches Fenster zwängen, um sie zu erreichen. Seit dem vierten Advent bietet Ralf Niemann, Kirchner im Ruhestand und umtriebiger Heimatgeschichtler, gegen eine Spende an, was er in Jahrzehnten zusammentrug. Dass diese Sammlung, die ein Sammelsurium in beeindruckendem Sinne ist, jetzt aufgelöst wird, hat zwei triftige Gründe. Der erste: Der Dachstuhl des Nordturms muss dringend saniert werden, deshalb braucht es Platz. Und Geld braucht es zum Zweiten, denn insgesamt ist diese Maßnahme auf 144 000 Euro veranschlagt.

Geithainer Emaille – mehr als ein Jahrhundert war sie ein Begriff. Für Ralf Niemann, der 1981 als Kirchner begann, war sie Anstoß zu bewahren, zu sammeln. Er hob auf, was andere fortwarfen, nahm entgegen, was mancher ihm brachte: „So füllten sich die Regale im Turm.“ Kochtöpfe, Trinkbecher, Siebe, Löffel, Petroleumkannen, Seifenhalter – Geläufiges und längst Vergessenes aus Geithainer Produktion reiht sich auf Tischen, die Jens Kauz im Herbst extra zu diesem Zweck hoch über dem Kirchenschiff zusammenschraubte. Hinzu kommen Gefäße aus Aluminium, Generationen von Leuchten, Irdenes. Unverkäuflich, aber ebenso interessant sind archäologische Funde und Kupferblech-Teile vom Südturm. Die Handwerker, die 1902 ihre Namen mittels Einschlaglettern verewigten, hatten offenbar keine so glückliche Hand. „Zweimal haben sie sich vertan, haben Buchstaben vergessen. Das ist schon kurios“, sagt Niemann. Er staunt: „Ich bin überrascht, dass so viel in den Regalen war.“ Inzwischen weist die Kollektion ausdrücklich erwünschte Lücken auf. Niemann führt gern Besucher unter das Dach, auf dass es in der Spendenbüchse weiter klingelt und raschelt.

„Was mich als Theologen besonders freut, sind jene Emaillegefäße, die in den ersten Friedensmonaten aus Resten der Kriegsproduktion hergestellt wurden“, sagt Markus Helbig, einer der beiden Pfarrer des Kirchspiels Geithainer Land. Er meint etwa Krüge aus Gasmarken-Behältern oder Trinkbecher aus Panzerfaust-Teilen. Die Ausstellung betrachtet er als passable Gelegenheit, auch jene für die Nikolaikirche aufzuschließen, die nicht zur Kirchgemeinde zählen. „Dieses Bauwerk war über Jahrhunderte das Haus einer ganzen Stadt. Fehlte es, wäre das Stadtbild ein ganz anderes“, sagt er. Um dieses Szenario zu verhindern, muss der Nordturm in diesem Jahr saniert werden. Das Geld soll über die Leader-Förderung, von Landeskirche und Kirchspiel kommen. Vor allem ein tragender Balken ist es, der ausgetauscht werden muss. Was ein Vielfaches an Arbeiten nach sich zieht: von der Einrüstung des Turms bis zur Neueindeckung. Vor wenigen Jahren habe man versucht, mit einer neuerlichen Abdichtung den Schaden zu begrenzen, doch inzwischen sei klar: Das angegriffene Gebälk müsse dringend ausgetauscht werden.

Dabei hat die Kirche zu Füßen des Bauwerks eine zweite große Baustelle. Der Felsen, auf dem St. Nikolai als weithin sichtbare Landmarke steht, muss stabilisiert werden. Ein erster Bauabschnitt ist für dieses Jahr vorgesehen. 120 000 Euro kostet der; das Geld kommt von der Denkmalpflege, der Landeskirche und dem Kirchspiel. Vier weitere Bauabschnitte müssen folgen: „Wir hoffen, dass wir die Finanzierung dafür in den nächsten Jahren sichern.“ Unterstützen kann man dieses Vorhaben, indem man sich mit seinen Initialen selbst an diesem Fels verankert. Die Anker, die das Gestein beieinander halten, werden durch kleine Natursteinplatten überdeckt. Für 200 Euro lässt sich so eine Platte erwerben und beschriften. Anderthalb Dutzend Interessenten gibt es bereits, doch die Zahl der nötigen Bohrungen ist weitaus größer.

Wer die Ausstellung auf dem Kirchenboden besichtigen und die Turmsanierung durch eine Spende unterstützen möchte, kann sich an Ralf Niemann (Telefon 034341/4 29 75) beziehungsweise an die Kanzlei des Kirchspiels (034341/­4 27 41) wenden.

Von Ekkehard Schulreich

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