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Geithainer Emaillierer haben Märkte in Rumänien, Iran und am Golf im Blick

Geo Geithainer Emaillierer haben Märkte in Rumänien, Iran und am Golf im Blick

Neue Absatzmärkte sind für Hagen Witruk ein permanentes Thema. Der Geschäftsführer der Geo Gesellschaft für Emaillierung und Oberflächentechnik sieht die vor allem außerhalb Deutschlands. Auf dem Gelände des traditionsreichen Emaillierwerkes werden Boiler nicht nur beschichtet und montiert, sondern erhalten nun auch textile Hüllen.

Gert Fischer testet die Behälter-Ummantelung, die er selbst zuschneidet und näht.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Märkte für die in Geithain emaillierten und mit Hartschaum isolierten Wasserspeicher sieht Hagen Witruk immer stärker im Ausland. In Österreich und der Schweiz hat das Unternehmen Geo Gesellschaft für Emaillierung und Oberflächentechnik mbH zuletzt neue Kunden gewonnen. Nach einer Reise mit einer Wirtschaftsdelegation des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) im Juni nach Rumänien konnte der Geschäftsführer Kontakte zum zweitgrößten Sanitärgroßhändler des Landes knüpfen. Dass die Geithainer sogar über Europa hinausschauen, zeigen erste Bestellungen aus dem Iran und im November eine Messe-Präsenz in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Gert Fischer näht die Behälterummantelungen die er zugeschnitten hat

Gert Fischer näht die Behälterummantelungen die er zugeschnitten hat

Quelle: Jens Paul Taubert

„Auf dem deutschen Markt passiert nicht viel. Er stagniert seit Jahren“, sagt Witruk, der 2005 gemeinsam mit einem Partner das Unternehmen aus der Insolvenz des traditionsreichen Geithainer Emallierwerkes heraus gründete. „Wir haben die Topfproduktion, die nicht mehr rentabel war, sofort eingestellt, und uns statt dessen auf das Boiler-Geschäft konzentriert, das bis dahin ein Nischen-Dasein führte“, so der 46-Jährige. In den ersten Jahren habe man sich damit begnügt, die gelieferten Behälter zu emaillieren und zu dämmen. Dann habe man eine neue Halle gebaut, um die Behälter komplett montieren zu können. Im Frühjahr folgte Ausbaustufe Nummer vier, wenn auch vorerst in überschaubarem Rahmen: Jetzt liefert Geo auch Ummantelungen. Ein Mitarbeiter näht textile Hüllen für die Speicher. „Wenn wir diese Mantelproduktion erweitern, könnte das einen Schub geben“, so der Geschäftsführer, der auf Wachstum mit Augenmaß setzt. Begann Geo seinerzeit mit 40 Mitarbeiter, hat sich die Zahl bis heute mit 45 kaum erhöht: „Doch die produzieren deutlich mehr als damals.“

Dass das Geithainer Emaillierwerk, 1898 gegründet und über Jahrzehnte mit 300 Mitarbeitern und mehr größter Arbeitgeber der Stadt und Topf-Hersteller mit Renommee, nach der Insolvenz nicht gänzlich verschwand, sei vielen gar nicht bewusst, sagt Hagen Witruk. Das mag unter anderem daran liegen, dass das markante Verwaltungsgebäude an der Grimmaischen Straße vor Jahren abgerissen wurde und sich heute ein Supermarkt an dieser Stelle befindet. Andere Flächen des einst mehr als 50 000 Quadratmeter großen Betriebsgeländes nutzt heute ein halbes Dutzend anderer Firmen. Die Kern-Immobilie des Emaillierwerkes indes dient bis heute ihrem ursprünglichen Zweck, wenngleich Geo mehr als fünf Millionen Euro in Anlagen und Gebäude investierte. Wasserspeicher mit einem Fassungsvermögen von 80 bis 3000 Liter erhalten hier eine besondere keramische Beschichtung und danach eine isolierende Hülle. Verbaut werden sie in der Haustechnik überall dort, wo es um erhitztes Wasser geht. „Aufgrund unserer Ofen-Geometrie können wir auch große Speicher emaillieren“, so Witruk, der vor allem Heizungsbauer und den Sanitärgroßhandel zu den Kunden zählt. Selbst die Großen der Branche gäben Aufträge nach Geithain: „Wir sind für die keine Konkurrenz, wir bauen selbst ja keine Speicher.“

Wurde das 100-jährige Bestehen des Geithainer Emaillierwerkes zwei Jahre vor der Jahrtausendwende groß gefeiert – das Ende des traditionsreichen Betriebes war ja nicht absehbar – , soll 20 Jahre später an die Unternehmensgeschichte zumindest erinnert werden. Die ist nicht zuletzt hervorragend dokumentiert, stieß Hagen Witruk doch im Keller einer Halle auf ein Konvolut von Geschäftsunterlagen; dieser Schatz ist inzwischen im Sächsischen Wirtschaftsarchiv wohl verwahrt und wartet auf seine systematische Aufarbeitung.

„Was wir zum 120-Jährigen machen, wissen wir noch nicht“, sagt der Geschäftsführer. Gemeinsam mit dem Archiv, dem Geithainer Museum und dem Heimatverein werde man darüber nachdenken. Eher setzt Witruk aber auf das 125. Gründungsjahr des Werkes anno 2023. Gut möglich, dass sich Geo dann längst schon am Golf und im Iran etabliert hat. In Rumänien will man schon im nächsten Jahr erfolgreich sein: „Der Partner in Brasov hat zwei Testgeräte von uns bekommen. Er will sie 2018 in seinen Katalog aufnehmen.“

Von Ekkehard Schulreich

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