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Geithain Geithainer Fleischerei Schuhknecht wird 100
Region Geithain Geithainer Fleischerei Schuhknecht wird 100
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13:29 13.12.2012
Können auf 100 Jahre Fleischerei Schuhknecht in Geithain schauen: Bernd Schuhknecht mit Tochter Berit und Schwiegersohn Ralf Bargel (r.). Quelle: Jens Paul Taubert
Geithain

In Rochlitz gibt es seit 2005 eine Filiale. „Das Handwerk ist ein Stück Kultur, dessen Wahrung uns allen am Herzen liegen muss“, sagt Bernd Schuhknecht. Man kenne viele Kunden beim Namen und an der Ladentheke herrsche eine persönliche Atmosphäre. Handwerk sei historisch verwurzelt und regional strukturiert. „Wir verkaufen nicht nur Lebensmittel, sondern wir repräsentieren uns als eigene Persönlichkeit in unserem Ort“, erklärt der 64-Jährige. Der Umsatz sei stabil mit einer leichten Steigerung in den letzten Jahren. Nun stehe die Übernahme durch die nächste Generation an und Schuhknecht ist froh, dass er das Geschäft dort in guten Händen weiß. Tochter Berit hatte nach ihrer Berufsausbildung mit Abitur als Keramtechniker in der Fremde die Fähigkeiten für das Fleischerhandwerk und den Verkauf erlernt. Ihr Jubiläumswunsch: „Dass unser Kundenstamm uns treu bleibt und gern auch wächst. Unsere Kunden sind unsere Arbeitgeber.“ Trotz aller Supermärkte kämen sie teils schon über mehrere Generationen, hebt die 42-Jährige diese Beständigkeit hervor. „Wir sind bestrebt, regional faire Preise zu bringen“, erklärt Berit Bargel. In der Fremde hatte sie auch ihren Mann kennengelernt. 1992 waren beide zusammen in den elterlichen Betrieb umgesiedelt. „Schön, so ein Geschäft weiterführen zu können, ich bin hier gut reingewachsen“, sagt der 44-jährige Fleischermeister Ralf Bargel. Vor 100 Jahren, am 15. Dezember 1912, heirateten Albin Schuhknecht und Meta Steinbach. Gleich am darauffolgenden Tag siedelten beide nach Geithain über, um sich hier eine Existenz aufzubauen – das heute noch bestehende Geschäft in der Chemnitzer Straße. Mit einem Hund vor dem Handwagen haben sie das zum Schlachten benötigte Vieh zunächst geholt. Rinder wurden getrieben. Sie haben geschlachtet, zerlegt, verwurstet und verkauft. „Das war eine schwere Arbeit, da keinerlei elektrische Maschinen zur Verfügung standen“, erzählt Bernd Schuhknecht. Als sein Großvater in den ersten Weltkrieg ziehen musste, ruhte die Fleischerei bis zu dessen Heimkehr mit dem Kriegsende 1918. Das Geschäft entwickelte sich, nun konnte das Vieh mit zwei Hunden geholt werden, die bald von Pferden ersetzt wurden. Die Kinder Hildegard und Fritz zogen mit dem Pferdewagen über die Dörfer, um Flecke, Wurst, Fleisch und Speck zu verkaufen und Bestellungen aufzunehmen. 1929 konnten Schuhknechts sich ein Auto für den Transport kaufen, einen Chevrolett. Bevor die erste Kühlmaschine angeschafft wurde, sägten die Mitarbeiter noch Eisblöcke für die Kühlung aus dem gefrorenen Oberfürstenteich. 1939 musste Fritz Schuhknecht in den Krieg ziehen. Als wieder Frieden herrschte, gab es zunächst nichts zu schlachten. Doch als es wieder aufwärts ging, wurde die Fleischerei Schlachtstelle, an manchen Tagen für über 30 Schweine und bis zu zehn Rinder. Lebensmittel gab es auf Marken. Die Markenabschnitte seien am Monatsende nach Sorten getrennt auf Zeitungspapier aufgeklebt und zur Abrechnung beim Rat des Kreises vorgelegt worden. „Das Kleben war eine Arbeit für die ganze Familie, jung und alt“, erinnert sich Bernd Schuhknecht. Sein Vater hatte das Unternehmen 1957 mit Ehefrau Gerda übernommen und übergab es 1979 an seinen Sohn Bernd und dessen Frau Petra. Sie führten es erfolgreich weiter und nach der Wende in die neue Zeit – mit großen Investitionen in Maschinen und einem Umbau des Geschäftes 1992. Rund 500 unterschiedliche Produkte sind heute im Angebot, „nach alten überlieferten Rezepten wird hausschlachtene Wurst hergestellt, kombiniert mit neuen Ideen und Produkten“, so Schuhknecht. Zu seiner Freude wächst mit seinen Enkeln Tom und Nikola die nächste Generation heran. Vielleicht treten sie einmal die Nachfolge an.

Inge Engelhardt

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