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Geithain Geithainer Mieter betrachten Verkauf von 320 Wohnungen mit gemischten Gefühlen
Region Geithain Geithainer Mieter betrachten Verkauf von 320 Wohnungen mit gemischten Gefühlen
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14:00 07.02.2016
Blick auf Geithain-West. Quelle: Jens Paul Taubert
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Geithain

Möglichst noch im Februar will Geithains Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) die mehr als 320 kommunalen Wohnungen ausschreiben, deren Verkauf der Stadtrat – wie berichtet – im Januar einstimmig beschlossen hatte. Er hoffe dabei auf Erwerber aus der Region und verbinde damit die Hoffnung, dass nach dem Kauf auch in die Substanz investiert werde.

Wenn Mietern der Wohnungen, die sich vor allem im Neubaugebiet Geithain-West und im Altneubaugebiet befinden, die Veräußerungsabsicht ein mulmiges Gefühl verursache, könne er das verstehen. Die Stadt werde sich dafür einsetzen, dass die Wohnqualität durch Sanierungen steige. Das sei im Interesse der Mieter. Mietern im Altneubau wolle man die Wohnungen zu moderatem Preis zum Kauf anbieten, ehe man einen großen Investor suche.

Der Verkauf des Großteils des kommunalen Wohnungsbestandes soll die Stadt in die Lage versetzen, „bis zu zwei Drittel der Altschulden“ abzubauen, gibt Rudolph das Ziel vor. Die Altschulden belaufen sich auf rund 4,2 Millionen Mark. „Wir arbeiten straff daran, dass wir die Ausschreibung rausbringen.“ Der Text werde, wie vom Stadtrat gewünscht, mit den Parlamentariern abgestimmt. Während der Bestand in West im Paket offeriert werden soll, will die Kommune im Altneubaugebiet blockweise anbieten – wohl wissend, dass die Eigentumssituation in den meisten Häusern differenziert ist, da ein Teil der Mieter in den Neunzigerjahren Eigentümer der vier Wände wurde.

Rosemarie Sparrer aus der Louis-Petermann-Straße gehört zu jenen, die über alle Zeitenwechsel hinweg Mieter geblieben sind. Seit fast einem halben Jahrhundert fühlt sich die 75-Jährige im Viertel zu Hause. „Ich habe viel Geld reingesteckt in die Wohnung, obwohl sie mir nicht gehört, habe zum Beispiel das Bad gefliest“, sagt sie. Wenn an die Stelle des Vermieters Stadt bald ein privates Unternehmen trete, könnte das Mieterhöhung bedeuten. „Wenn sie dafür investierten, wäre das vielleicht einzusehen.“ Wenn es bezahlbar bliebe. Fakt sei: Nicht zuletzt in Anbetracht des hohen Leerstandes müsse die Stadt handeln.

Als Mieter viel Geld investiert in ihre Wohnung in der Straße der Deutschen Einheit haben auch Barbara und Gerhard Nestler. „An wen wir künftig die Miete zahlen, ist egal – wenn wir sie noch bezahlen können“, sagen sie, die sich hier schon zum Inventar gehörend zählen. Jetzt gelte es abzuwarten, was konkret passiere. Dass an dem Block, an und in dem in den Neunzigerjahren allerhand erneuert worden sei, zwei Jahrzehnte später wieder investiert werden müsse, sei kaum zu übersehen: „Die Fassade sieht inzwischen ziemlich schäbig aus.“ Auf den Sanierungsstau machten Nestlers im November bei der Einwohnerversammlung mit dem Stadtoberhaupt im Bürgerhaus aufmerksam und übergaben einen Brief mit Fragen, Wünschen und Ideen. Zu Letzteren gehört die Frage, ob ein Abriss der oberen – oft leer stehenden Etagen – möglich sei, um die Gebäude aufzuwerten. Ob die Grundsatzentscheidung des Stadtrates zu verkaufen, richtig oder falsch sei, wollen beide im Augenblick nicht beurteilen – weil sie es nicht können: „Ein bisschen skeptisch sind wir allerdings schon.“

„Ich weiß nicht, ob man das Tafelsilber veräußern sollte“, gibt Siegfried Munkwitz aus der Goethestraße zu bedenken – auch wenn das Silber freilich nicht mehr recht glänze und deshalb poliert werden müsste. Der Rückstand bei der Modernisierung, der vielen Mietern zu Recht missfalle, sei das eine. Mindestens ebenso wichtig sei die Frage: „Wer soll denn noch herziehen in unsere Stadt, wenn es ringsum nicht genug Arbeit gibt?“

Weil sie diesen Punkt im Blick haben, verbinden nicht wenige im Stadtrat Hoffnungen durch den Wohnungsverkauf. Das wurde deutlich anhand der Statements vor dem Verkaufsbeschluss. Die Kommune sei finanziell nicht in der Lage, die mehr als 300 Wohnungen derart aufzuwerten, dass sie attraktiv seien für Neu-Geithainer. Ein Käufer indes könnte und sollte das. Zudem käme die Stadt durch eine deutliche Verringerung der Schuldenlast in die Lage, selbst zu investieren, um Geithain als Wohn- und Lebensort mit Strahlkraft zu gestalten: Schulen, Kindereinrichtungen, Verkehrsanbindung, Stadtbild seien Faktoren, auf die man bauen könne.

Von Ekkehard Schulreich

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