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Geithainer Stadtrat: Schülerverkehr darf beim neuen Busnetz nicht zu kurz kommen

Kontroverse Debatte Geithainer Stadtrat: Schülerverkehr darf beim neuen Busnetz nicht zu kurz kommen

Dass der Schülerverkehr künftig nicht mehr das A und O sein soll, missfällt vielen Geithainer Stadträten am neuen Busnetz. Sie fürchten, dass die Schulen noch schlechter als ohnehin erreichbar sein könnten – und dass das zu Lasten der Schülerzahlen gehen könnte. Landkreis, Thüsac und MDV nennen ein ganz anderes Ziel: Leute zum Einsteigen zu bewegen, die das bisher nicht tun.

Thüsac-Bus auf Testfahrt für neue Buslinie in Geithain. Hier an der Zentralhaltestelle am Bahnhof.

Quelle: Andreas Döring

Geithain. Der Schülertransport soll nicht länger der Maßstab für den Busverkehr im südlichen Landkreis Leipzig sein. Mit dem Ziel, das Netz der Buslinien völlig neu zu stricken, liefen der Landkreis, der Mitteldeutsche Verkehrsverband (MDV) und das in der Geithainer Region fahrende Busunternehmen Thüsac, am Dienstagabend im Geithainer Stadtrat allerdings mitnichten offene Türen ein. Vielmehr entzündete sich an möglicherweise in Frage gestellten Zeiten des Unterrichtsbeginns erheblicher Widerspruch. Der wird am 17. März erneut zur Sprache kommen, denn das Landratsamt hat die Leiter der Schulen der Region zu einem Gespräch über die neuen Linien und Fahrpläne eingeladen.

Das heutige Bus-Netz sei veraltet. Immer wieder in Teilbereichen angepasst, genüge es heutigen Anforderungen immer weniger – und schon gar nicht denen der Zukunft. „Eine strategische Anpassung der Linien ist nötig“, sagte Thüsac-Verkehrsplaner Michael Röhricht, als er im Stadtrat das neue Konzept umriss. Die Schülerbeförderung mache aktuell 80 Prozent der Fahrleistung aus. Es gebe viele Querverbindungen, aber wenig Takte. Das neue Netz richte sich an dem der S-Bahn und der Regionalzüge aus. Es setze auf Knotenpunkte in den Städten, aber auch in Prießnitz, wo problemlos binnen fünf Minuten von einem Bus in einen anderen gewechselt werden könne. Zudem entstünden sogenannte unechte Stadtverkehre: Buslinien zu beziehungsweise aus den kleineren Ortschaften würden auf diesem durch die Städte geführt. In Geithain sei eine Haltestelle am Markt geplant, aber auch nahe des Freibades und an anderen Stellen, die von Bussen bisher nicht berührt würden. „Eine Befahrung hat ergeben, dass das möglich ist.“

Ein Taktfahrplan solle neben den Schülern verstärkt andere Personengruppen in die Busse holen, so Röhricht: Berufspendler auf dem Weg zum Bahnhof. Menschen, die zum Einkauf fahren. Patienten, die jetzt eine Praxis besser erreichen. Heranwachsende, die nachmittags zum Fußball wollen. Ausflügler, die das Kohrener Land entdecken wollen. Näher an den Bedürfnissen der heutigen und vor allem der potenziellen Mitfahrer sein, das sei das große Ziel, so der Verkehrsplaner. Auf den Hauptlinien gehe man auf mittlere Sicht durchaus von einer Verdoppelung oder einer Verdreifachung der Fahrgäste aus.

Röhrichts Zukunftsbild geriet ins Wanken mit der ersten Nachfrage aus der Stadtrats-Runde. „Wann darf denn die Schule künftig beginnen?“, wollte Udo Berger (UWG) wissen. Dass Röhricht 7.15 Uhr oder 8.15 Uhr plus/minus fünf Minuten beispielhaft in die Runde warf, von Toleranzbereichen und Zeitfenstern sprach, heizte die Emotionen an. Silke Haferkamp (CDU) nannte es „befremdlich“, dass das Busunternehmen Schulanfangszeiten diktieren wolle. „Sie sind Dienstleister für die Schüler. Diese 80 Prozent und deren Familien stoßen sie gerade vor den Kopf“, bekräftigte Fraktionskollege Mario Frommhold. Hauptaufgabe des Busverkehrs sei es, die Schüler möglichst schnell zu den Schulen und nach Hause zu bringen, meinte Thomas Lang (Linke). Geithainer Schulen seien jetzt schon schlechter angebunden als andere; das vor allem gelte es zu korrigieren.

An Thüsac-Prokurist Martin Hübscher war es, die Wogen ein bisschen zu glätten: „Wir wollen für die Schüler etwas Ordentliches machen – aber auch für die anderen Fahrgäste.“ Landkreis, MDV und sein Unternehmen wollten gemeinsam mit den Stadtparlamenten und den Schulen nach möglichst vielen Wünschen entsprechenden Lösungen zu suchen.

Das neue Netz sieht im Entwurf folgende Regionallinien vor: Frohburg – Bad Lausick über Prießnitz, Borna – Bad Lausick, Prießnitz – Geithain über Frankenhain, Borna – Frohburg und Frohburg – Kohren-Sahlis inklusive eines Rings durch die Kohrener Ortsteile. Ergänzt werden sollen diese Angebote durch mehrere Ergänzungslinien, die die kleineren Ortschaften anbinden: Geithainer Ring nach Narsdorf/Obergräfenhain, Geithain – Bad Lausick über Ebersbach und Tautenhain, Geithain – Kohren-Sahlis – Altenburg über Niedergräfenhain, Syhra, Gnandstein, Frohburg – Altenburg und Altenburg – Borna.

Er sehe, fasste Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) die Debatte zusammen, noch eine Menge Redebedarf. Grundsätzlich halte er die Verbesserung der Fahrtmöglichkeiten für die Allgemeinheit für eine gute Sache. Allerdings müsse sichergestellt werden, dass Buszeiten und Unterrichtsbeginn beziehungsweise -ende besser aufeinander abgestimmt seien, besser als das in Geithain aktuell der Fall sei.

Von Ekkehard Schulreich

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