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Geithain "Genehmigungsverfahren bremsen Bau aus"
Region Geithain "Genehmigungsverfahren bremsen Bau aus"
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14:16 19.05.2015
Im Thierbacher Zweigwerk des Betonwerkes Bad Lausick stellt Detlef Lehmann Versandware für die Auslieferung zusammen. Quelle: Thomas Kube

In Bad Lausick verbindet man damit durchaus Hoffnungen auf einen Großauftrag, denn der Bahnkonzern will deutschlandweit 180 Gründerzeit-Brücken aus Stahl durch solche aus Beton ersetzen. Doch auch unabhängig davon hat das Betonwerk Bad Lausick gut gefüllte Auftragsbücher.

Weil der vergangene Winter keiner war, hätte das Betonwerk Bad Lausick uneingeschränkt durchproduzieren können. Ging aber nicht, weil viele Baufirmen - in der Erwartung von Schnee und Eis - ihre Leute nach Hause geschickt hatten. Geschäftsführer Joachim Czichos sieht allerdings einen viel gewichtigeren Grund, der das Bauwesen ausbremst: die immer langwierigen Genehmigungsverfahren der Behörden.

"Gerade in Sachsen hat die Bürokratie eine ganz schlimme Eigendynamik entwickelt. So schlimm war es in den ganzen 23 Jahren, in denen wir am Markt sind, nicht", sagt Czichos. Und belegt das an diesem Beispiel, einem von vielen: Die Bad Lausicker liefern einen Spezialbeton für den Wasserbau. 100 Kubikmeter wurden kürzlich etwa auf eine Baustelle südwestlich von Leipzig geliefert. Statt der bisher üblichen drei, vier Stichproben, so der Geschäftsführer, wurde jede einzelne Mischerfuhre überprüft. "Ich hab' dort draußen extra ein kleines Labor aufgemacht. Dabei wird der Beton vollautomatisch von einer geeichten Mischmaschine hergestellt. Abweichungen von der Rezeptur sind da überhaupt nicht möglich."

"Die Staatsregierung ist gefragt. Viele Verwaltungsaufgaben sollten privatisiert werden. Da könnte doch Sachsen mal einen eigenen Weg gehen", sagt Joachim Czichos, der in Bad Lausick eines der größten Unternehmen leitet mit 100-köpfiger Belegschaft im Winter und 140 Mitarbeitern im Sommer. Und der seit 1991 Jahr für Jahr an die fünf Lehrlinge ausbildet. Behörden sollten sich auf Hoheitsfragen konzentrieren; alle anderen Prüfungen erledigten Private ebenso gründlich, nur zügiger.

Apropos Züge: Sonderelemente aus Beton, für Brücken beispielsweise, fertigt das Unternehmen seit Jahren schon in seinem Thierbacher Zweigwerk. Bauteile, die auf Schwertransportern deutschlandweit und darüber hinaus versandt werden. Für die Deutsche Bahn AG lieferten die Kurstädter im vergangenen Jahr Teile einer großen Brücke. "Am Donnerstag wurden sie bei uns abgeholt, am Sonnabend montiert, am Montag rollte der erste Zug drüber." Noch befindet sich das Bauwerk, ausgestattet mit zahlreichen Messgeräten, im Test. "Wenn sich unsere Technologie bewährt, ergibt sich daraus vielleicht ein Auftrag, der uns vier, fünf Jahre gut beschäftigt", sagt Czichos. Immerhin müsse die Bahn in naher Zukunft an die 180 Brücken, die alle weit mehr als ein Jahrhundert alt seien, ersetzen.

Das Betonwerk hält es nicht nur mit der Schiene. Es liefert Transportbeton auch für die zwischen Borna und Rötha im Bau befindliche Autobahn 72, nämlich für die Brücken darüber. Weit über die Region hinaus werden Balkone, Fassadenelemente, Treppen, Schornsteine für Eigenheime und Schalungssteine versandt. Gut im Geschäft ist das Unternehmen nach wie vor mit Kleinkläranlagen; schließlich läuft in Sachsen die Umrüstefrist auf Vollbiologie Ende nächsten Jahres aus.

Dass die Betonwerker ein Herz für den Fußball haben, ist bekannt. Sie sind Hauptsponsor des FC Bad Lausick. "Im Ergebnis sind wir nicht schlecht", sagt Joachim Czichos mit Blick auf die ballkünstlerischen Leistungen. Allerdings fürchtet er, dass der Verein, weil ein Kunstrasenplatz fehlt, ins Hintertreffen geraten könnte. Er sieht "nach den vielen Jahren des Aufbaus, die wir geleistet haben ohne eine Mark von der Stadt", die Kommune in Zugzwang: "Wenn wir nicht ganzjährig trainieren und spielen können, wandert uns der Nachwuchs ab." In den Nachbarorten seien die Rasenbedingungen oft besser. Weniger bekannt ist das Engagement des Unternehmens für die Volleyball-Frauen des SV Einheit Borna, denen vor wenigen Tagen erst der Aufstieg in die dritthöchste deutsche Spielklasse gelang.

Ein ganz anderes Feld, auf dem die Bad Lausicker Unterstützung geben, ist die Musik. Joachim Czichos leitet das Kuratorium, das Sächsischer Bläserphilharmonie und Deutscher Bläserakademie zur Seite steht. Dass trotz Förderung durch den Kulturraum das Orchester seit Jahren unterfinanziert sei - die LVZ berichtete in den vergangenen Wochen mehrfach darüber -, könne er nicht hinnehmen: "Ein Orchester und eine Heimatstube kann ich doch nicht miteinander vergleichen oder gar gegeneinander ausspielen." Die Förderpolitik müsse neu ausgerichtet werden. Es könne nicht sein, ein solch renommiertes Ensemble auszuhungern: "Da hilft nur eines: Druck!"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.04.2014
Ekkehard Schulreich

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