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Jahnshainer Feuerwehr ohne Heizung, Toilette und Dusche

Kohren-Sahlis Jahnshainer Feuerwehr ohne Heizung, Toilette und Dusche

Die Kameraden aus Jahnshain, Meusdorf und Linda wissen, was sie dem Gemeinwesen schuldig sind: Trotz bescheidener Bedingungen ist auf die Freiwillige Feuerwehr Verlass. Doch der Zustand des Gerätehauses wird immer schlimmer. Eine wirkliche Lösung dieses Problems scheint nicht greifbar.

Alles andere als komfortabel und nicht einmal zweckmäßig: der Raum zum Umziehen und zur Aufbewahrung der Einsatzkleidung.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Kohren-Sahlis/Jahnshain.  Das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Jahnshain hat Geburtstag. 60 Jahre alt wurde der Bau. Ihn zu feiern, ist dem 19 Kameraden im Wehrleiter Jörg Stahl indessen nicht zumute. Nicht nur, weil das große Tor von der blätternden roten Farbe kaum noch zusammengehalten wird. Das Bauwerk, seinerzeit in Eigenleistung hochgezogen, lässt jeglichen Standard vermissen, der heute angezeigt ist. Dass der neue Brandschutz-Bedarfsplan, für die Stadtgebiete Frohburg und Kohren-Sahlis gemeinsam erstellt, Investitionen für das Depot erst im nächsten Jahrzehnt vorsieht, hebt die Stimmung mitnichten. Trotzdem aber steht die Wehr, die zwölf Aktive steht, für die Dorfgemeinschaft zusammen – für Jahnshain, Linda und Meusdorf im südlichsten Zipfel des Landkreises Leipzig.

„Wir haben immerhin ein Waschbecken, dass wir uns nach dem Einsatz mal die Hände waschen können. Früher sind wir runter an den Bach gerannt“, sagt Jörg Stahl über das Gerätehaus: „Heute kannst du nur noch Schuppen dazu sagen.“ Keine Toilette, keine Dusche, keine Heizung und damit keinen Raum, um die Einsatzkleidung zu trocknen. Damit das sechssitzige Fahrzeug mit seinem Wassertank, 1999 angeschafft, den Winter über einsatzbereit bleibt, wird das Gemäuer kostenintensiv und ineffizient mit Strom auf zehn Grad gebracht. Drinnen wurde zuletzt ein bisschen geweißt, doch ist das allenfalls Kosmetik: „Und wenn wir noch bis 2022 warten…“

Stahl vollendet den Satz nicht. Der neue Brandschutz-Bedarfsplan, der die Wehr zutreffend als unverzichtbar beschreibt, um das Gemeindegebiet abzusichern, hat hinsichtlich der hinausgeschobenen Investition in Jahnshain einen entscheidenden Makel. Dass der Kohrener Stadtrat kürzlich das Dokument, das Frohburg im Auftrag beider Kommunen und in Kooperation der beiden Stadtwehrleitungen erarbeitete, durchfallen ließ, hilft ihm da kaum. „Es muss uns geben hier im äußersten Zipfel, und auf uns ist Verlass“, sagt er. Die Kritik richte sich nicht unmittelbar an die Kommune; die Situation, wie sie bei der Jahnshainer Feuerwehr eingetreten sei, wie sie sich aber auch in vielen anderen Wehren auf dem Lande zeige, sei vielmehr Ergebnis der Landespolitik.

Die Ehrenamtlichen in Jahnshain brauchten endlich ein Depot, das heutigen Gepflogenheiten entspreche, sagt Stahl, der zugleich Ortsvorsteher ist: „Es lohnt sich im Grunde nicht, in die Bude auch nur eine müde Mark hineinzustecken.“ Im Sinne der Wehr und der Dorfgemeinschaft wäre es statt dessen, die einstige, lange schon leer stehende Schule umzubauen: unten hinein Platz für das Feuerwehr-Auto, für Garderobe, Sanitärräume; im ersten Stock Zimmer für Ortschaftsrat und Dorfleben; oben drüber Wohnraum zum Vermieten: „Dann hätte das Haus einen Nutzen – und uns wäre geholfen.“

„Wir stehen zur Jahnshainer Feuerwehr, gar keine Frage“, sagt der Kohren-Sahliser Bürgermeister Siegmund Mohaupt (CDU). Die Investition in das Gerätehaus stehe „definitiv“ in einer Eingemeindungsvereinbarung mit Frohburg; da herrsche Konsens. Bis zu einer grundsätzlichen Lösung des Problems werde die Stadt sich bemühen, zum Beispiel etwas am Tor zu machen, um die Einsatzbereitschaft sicherzustellen. Der Idee, die ehemalige Schule unter anderem für ein Depot zu nutzen, stehe er aufgeschlossen gegenüber: „Eine Kombination von Gerätehaus, Dorfgemeinschaftshaus und Wohnungen ist tragfähig – anders als es reine Dorfgemeinschaftshäuser landläufig sind, wie sich vielerorts zeigt.“

Für unverzichtbar hält Stadtrat Thomas Pohling (CDU) die Jahnshainer Wehr: Jahnshain, Linda und Meusdorf lägen fernab, hier gebe es vielen Fachwerkbauten, große Landwirtschaftsbetriebe und – das zeigte sich zuletzt 2013 – ein hohes Überschwemmungspotenzial. „Klar ist natürlich, dass aufgrund der schlechten Haushaltssituation nur kleinere Instandsetzungen möglich sind. Würde man alle Standards erfüllen wollen, käme man um einen teuren Neubau des Gerätehauses kaum herum“, sagt er. Ebenso wichtig wie Gebäude und Technik seien die Kameraden selbst: „An der Mitgliederfrage lässt sich die Zukunftsperspektive ablesen.“ Es gebe Nachwuchs und Zuzug und deshalb durchaus Anlass zu Zuversicht und die Pflicht zu handeln.

Von Ekkehard Schulreich

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