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Gerhard Weber zeigt jetzt in der „Riff“-Galerie Akt-Fotos aus der DDR-Zeit

Gerhard Weber zeigt jetzt in der „Riff“-Galerie Akt-Fotos aus der DDR-Zeit

Zwei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR erfahren nackte Tatsachen der kleinen Republik eine Renaissance: Die Akt-Fotografie der siebziger und achtziger Jahre ist - wieder - gefragt.

Bad Lausick. Der Fotograf Gerhard Weber, eher bekannt als ein Chronist von Lebenswelten, zeigt in der Bad Lausicker „Riff"-Galerie jetzt 30 Aktfotos aus jenen Jahren, darunter mehrere, die noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren.

„Um die Akt-Fotografie kommt kein Fotograf herum. Für mich war sie immer eine der schönsten Nebensächlichkeiten meiner Arbeit", sagt Gerhard Weber. Wobei das Präteritum dieser Aussage nicht ganz trifft: Weber, der vor einer Woche seinen 70. Geburtstag feierte, fotografiert auch heute hin und wieder gern den menschlichen, vorzugsweise weiblichen Körper. Jene Bilder, die ihm und 17 Kollegen in den vergangenen Monaten eine große wie überraschende Aufmerksamkeit bereiteten, sind indes 20, 30, 40 Jahre alt.

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Bad Lausick. Zwei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR erfahren nackte Tatsachen der kleinen Republik eine Renaissance: Die Akt-Fotografie der siebziger und achtziger Jahre ist - wieder - gefragt. Der Fotograf Gerhard Weber, eher bekannt als ein Chronist von Lebenswelten, zeigt in der Bad Lausicker „Riff"-Galerie jetzt 30 Aktfotos aus jenen Jahren.

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Versammelt sind sie in dem im vergangenen Jahr erschienenen Bildband „Schön nackt", der sich der Akt-Fotografie in der DDR widmet. Einige der dort abgedruckten Weberschen Arbeiten sind ab 20. Januar in der Galerie des Bad Lausicker Freizeitbades „Riff" zu sehen, zudem weitere aus den Siebzigern und Achtzigern. „Ich habe mein Negativ-Archiv durchforstet und dabei einige Bilder entdeckt, die noch niemand gesehen hat", sagt Weber: „Die zeige ich in Bad Lausick auch."

Pendelte die Freude an hüllenloser Körperlichkeit in der offiziellen DDR zwischen den Polen FKK-Badekultur, Willi-Sitte-Fleischlichkeit und Nacktfotos in „Magazin" und auf der letzten („Funzel"-)Seite des „Eulenspiegels"? In Gerhard Webers Augen greift das zu kurz: „Akt-Fotografie wurde recht intensiv betrieben. Doch in die Öffentlichkeit gelangte sie nicht im selben Maße." Während des Studiums war Akt Pflicht; viele Fotografen lösten sich später nie ganz davon, zahlreiche gute Amateure fanden ihre Nischen. In den siebziger Jahren fand republikweit der Wettbewerb „Akt und Landschaft" statt, Ausstellungen und Katalog inklusive. Nicht zu vergessen kleine, aber feine regionale Schauen in Grimma und Oschatz.

Nach der Wende folgten dann Plenairs auf den Schlössern Colditz, Trebsen und Püchau. Weber, der von 1967 bis 1971 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert hatte und für Jahre als Bildreporter der Leipziger Volkszeitung in Grimma arbeitete, gehörte zu jenen, die in der Region vieles anstießen. Bekannt wurden die Akt-Workshops in Höfgen. Günter Rössler, einer der Protagonisten, der unter anderem in besagtem „Magazin" gedruckt wurde, hatte maßgeblichen Anteil daran.

Nicht Ästhetik und Erotik allein machen für Gerhard Weber den Reiz der Akt-Fotografie aus. Wie bei seinen Aufnahmen, die ihn weithin zu einem Begriff werden ließen - die „Leute von Erlln", die Colditzer Familienporträts, die Impressionen des Muldenlandes - versteht er sich auch hier als Chronist: „Ich habe immer versucht, die Menschen in ihrem Lebensumfeld zu zeigen." Die Fotografien sind deshalb nicht nur von einer gewinnenden Natürlichkeit fern der Pose; sie beleuchten das Milieu und sind Zeit(auf)nahmen. So gesehen ist Weber seinem Anspruch über Jahrzehnte treu geblieben: zu erzählen über Menschen mittels Kamera.

„Spätestens seit ich Anfang der achtziger Jahre die Leute von Erlln fotografiert habe, hat mich das nicht mehr losgelassen", sagt er. Zurzeit nimmt ein neues, groß angelegtes Vorhaben Gestalt an. Im Mittelpunkt: die Menschen auf dem Land nach der Wende. Im nächsten Jahr soll es dazu eine große Ausstellung geben, ein Geburtstagsgeschenk, das er sich, wenn auch verspätet, selbst macht. Wegen der unverhofften Akt-Renaissance 2009 hatte er diesen Plan zurückstellen müssen.

In diesem Jahr sammelt Gerhard Weber seine Kräfte für den großen Wurf. Und knüpft an an den großen Erfolg, den im vergangenen Herbst seine Schau „Im Land der Mulde - Fotografien 1968 - 2008" in der Grimmaer Klosterkirche ihm bescherte. Zu sehen sind kleinere Ausstellungen von ihm: ab 20. Januar in Bad Lausick, im Februar in der Evangelischen Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis, danach im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, in Grimma, in Hohburg, wo er im Steinbruch vor Jahren Akt-Fotografie betrieb...

Die Schau ist bis zum 12. April zu sehen.

Ekkehard Schulreich

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