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Geithain Geschichte besteht aus Schicksalen
Region Geithain Geschichte besteht aus Schicksalen
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13:48 19.05.2015
Bernd Richter in der Geithainer Nikolaikirche mit seinem Buch über die Friedliche Revolution 1989/1990 im Kreis Geithain. Quelle: Jens Paul Taubert

Im Heimatmuseum der Stadt wurde anschließend eine Sonderausstellung unter dem Titel "Wir sind das Volk!" eröffnet.

Über 80 Menschen waren in die Kirche gekommen, darunter Repräsentanten und Verantwortungsträger aus Politik und Gesellschaft, Autoren des Buches sowie Vertreter von Heimat- und Geschichtsvereinen der Region. Ebenso geladen waren Bürgermeister der ersten Stunde im damaligen Kreis Geithain und die 1990 gewählten Geithainer Stadtverordneten.

Ihm sei es eine Freude, dass es hier in Geithain, der ehemaligen Kreisstadt, eine eigene Erinnerung an die Ereignisse von damals gibt, begrüßte Pfarrer Markus Helbig die Anwesenden. Bürgermeisterin Romy Bauer (parteilos) erinnerte an die ersten Friedensgebete in der Region - am 25. Oktober in Bad Lausick und am 31. Oktober in Geithain. Zum Orgelspiel von Kantor Janko Bellmann rezitierte Ralf Niemann Ausschnitte aus "Elias", dem Oratorium von Mendelssohn Bartholdy.

Dieses "Fürchte Dich nicht" drücke aus, was die Menschen vor 25 Jahren bewegt habe, sagte Bernd Richter, der Vorsitzende des Geithainer Heimatvereins. Rund zwei Jahre hat er an der Chronik zu den Ereignissen der Friedlichen Revolution in der Region Geithain gearbeitet, nun liegt das 324 Seiten starke Buch in 500 Exemplaren vor.

In seiner Rede anlässlich der Buchpräsentation schlug Richter den Bogen vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Jahr 1990. Er erinnerte daran, dass sich am Reformationstag 1989 in der überfüllten Geithainer Nikolaikirche rund 1500 Menschen versammelt hatten. Auch in Frohburg, Kohren-Sahlis und Bad Lausick demonstrierten die Menschen an jenem 31. Oktober. "Mich fasziniert noch heute, wie jahrzehntelanger Frust in Losungen voll von Witz und Poesie von den Seelen abgeschüttelt wurde, als die Massen endlich offen und kritisch Wahrheiten artikulierten", erklärte der Initiator des Buches. Nicht nur die großen, staatstragende Zusammenhänge seien wichtig bei der Vermittlung der damaligen Ereignisse an die junge Generation, "sondern alles, was jeder von uns persönlich erlebt hat, muss unserer Jugend vermittelt und für die Zukunft bewahrt werden", appellierte Richter. Denn die Geschichte sei die Summe der Einzelschicksale.

Das nun vorliegende Buch könne nur ein erster Versuch sein, die weit verzweigten Ereignisse im ehemaligen Kreis Geithain zusammenzustellen. "In einer weiteren Dokumentation sollten ergänzende Fakten gesammelt werden, untersetzt insbesondere durch Originaldokumente und weitere persönliche Erinnerungen", erklärte Richter.

Er begleitete das "Kyrie eleison" am Klavier. Pfarrer Helbig rückte Menschen in Bedrängnis in den Mittelpunkt, insbesondere in Krisengebieten. Er erinnerte aber auch an das, was vielen hier und heute auf der Seele liegt. "Wir brauchen Klarheit, Wegweisung, klare Entscheidungen."

Zahlreiche Bürger kamen im Anschluss zur Ausstellungseröffnung im Heimatmuseum, darunter Mitbegründer der Bürgerbewegung "Neues Forum" wie Hartmut Rüffert oder in Geithain Bernhard Weiser. Viele, die im Buch ihre Erlebnisse an die Wendeereignisse schildern, waren da, so wie Thomas Pilz. "Gut, dass so etwas festgehalten wird", sagte der 58-Jährige. Die Ausstellung zeigt seine beiden "Glasnost"-Fotos, die in der Kreisfototschau Ende September 1989 in Geithain für einen Eklat sorgten. Zu sehen sind auch zahlreiche Aufnahmen, die der Geithainer mit seiner kleinen Praktika bei Demonstrationen in Leipzig gemacht hat, hauptsächlich von den kreativen Transparenten. "Eine schöne Ausstellung", lobte Frank Böttger von dem ebenfalls viele Exponate stammen und der seine Erlebnisse im Buch schildert. © Kommentar

Erhältlich ist das Buch in den Buchhandlungen in Geithain und Frohburg, außerdem im Frohburger Bürgerzentrum am Markt und der Bad Lausicker Touristinformation.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.10.2014
Inge Engelhardt

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