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Geschichte des Kohrener Lebensborn-Heims soll nie wieder in Vergessenheit geraten

Ausstellung Geschichte des Kohrener Lebensborn-Heims soll nie wieder in Vergessenheit geraten

Zum Eröffnungswochenende der Ausstellung „Geraubte Kinder, vergessene Orte“ in Kohren-Sahlis war der Besucherandrang so groß, dass Vorträge wegen Überfüllung der Einrichtung verschoben werden mussten. Dass soll zur Finissage nachgeholt – und das Gedenken an das NS-Heim Sonnenwiese auch darüber hinaus bewahrt werden.

Corinne Schulze, Leiterin der Museen in Kohren-Sahlis, vor der Ausstellungstafel über Hermann Lüdeking, der auch im Heim Sonnenwiese untergebracht war.

Quelle: Peter Ruf

Kohren-Sahlis. „Geraubte Kinder, vergessene Opfer“: Diese Schau, die sich mit dem NS-Lebensborn-Heim in Kohren-Sahlis auseinander setzt, gehört zu den frequentiertesten Sonderschauen im Töpfermuseum. „Es kommen viele Menschen zu uns, die Verwandte im Heim hatten oder die selbst dieses Heim durchlaufen mussten. Es interessieren sich aber auch sehr viele Einheimische, nicht nur die Älteren, sondern auch Heranwachsende“, sagt Corinne Schulze, die die kommunale Einrichtung leitet. Der Tenor laute: Es sei höchste Zeit, die Vorgänge um das Kohrener Heim Sonnenwiese, zwischen 1941 und 1945 Teil des von Heinrich Himmler gegründeten und der SS unterstellten Netzes an Lebensborn-Heimen, breiter darzustellen und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ähnliche Versuche in den Nachwende-Jahren waren in Anfängen stecken geblieben.

Konnte der Raum im Obergeschoss des Töpfermuseums schon zur Eröffnung die vielen Besucher kaum fassen, hält der Zuspruch seither unvermindert an. Besonders zahlreich waren die Gäste an jenem Wochenende, an dem der Tag der offenen Töpfereien stattfand, aber auch unter der Woche lenken zahlreiche Besucher ihre Schritte ins Museum. Um dem großen Interesse an der bis zum 8. April währenden Schau gerecht zu werden, gibt es am Abschlusstag, 16 Uhr, eine Finissage. In derem Rahmen holt Kurator Christoph Schwarz seinen Vortrag nach, den er wegen der Überfüllung der Schau am Eröffnungsabend nicht hatte halten können. „Wir werden an diesem Nachmittag außerdem Gespräche mit Zeitzeugen haben“, sagt Schulze. Die Runde solle all jenen ein Podium bieten, die sich austauschen, auch Persönlichstes zur Sprache bringen wollten.

Schüler des Internationalen Gymnasiums Geithain hatten sich in den vergangenen Wochen mit der Geschichte des Heimes namens Sonnenwiese befasst, in dem seit 1941 nach und nach mehrere Hundert Mädchen und Jungen aus vielen europäischen Ländern untergebracht waren, die von den Nazis geraubt und „germanisiert“ worden waren. Unterstützt wurden die Schüler bei ihren Recherchen, in die sie Zeitzeugen aus der Region einbezogen, durch das Flexible Jugendmanagement des Landkreises. Nachzulesen ist das zusammengetragene Material im Internet unter www.lebensbornheim-sonnenwiese.tk. Die Ergebnisse sollen sich nicht nur auf die Schau im Töpfermuseum beschränken. Eine Gedenktafel am einstigen Heim am Stadtrand, heute eine Einrichtung des Geithainer DRK, soll dauerhaft an die Geschichte erinnern. Außerdem soll gemeinsam mit dem Künstler Gunter Demnig, Initiator der deutschlandweit an verfolgte und getötete Juden erinnernden Stolpersteine, eine Stolperschwelle verlegt werden. Um sie zu finanzieren, werden zurzeit schon im Töpfermuseum Spenden gesammelt. Ziel sei es, sagt Corinne Schulze, einen bleibenden Ort der Erinnerung und des Gedenkens zu schaffen: „Das entspricht auch dem Wunsch vieler, mit denen wir hier in der Sonderschau ins Gespräch gekommen sind.“

Zur Finanzierung beitragen sollen außerdem Veranstaltungen, die in den nächsten Monaten in Kohren-Sahlis stattfinden werden. Auch Töpfermuseum und Jugendmanagement bleiben ganz dicht am Thema: Für den 3. Mai hat es den Historiker Dr. Georg Lilienthal eingeladen, der mit seinem Buch „Der Lebensborn e.V.“ 1993 eine als Standardwerk geltende umfassende Studie zu diesen Heimen der NS-Rassenpolitik vorlegte. Vortrag und Gespräch beginnen 19 Uhr – allerdings nicht im Museum, sondern am Originalschauplatz, der heutigen DRK-Wohnstätte in der Frohburger Straße.

Die Sonderschau im Töpfermuseum „Geraubte Kinder, vergessene Opfer“ ist bis zum 8. April zu sehen: Dienstag bis Freitag von 10 bis 12 und 13 bis 16 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 13 bis 16 Uhr.

Von Ekkehard Schulreich

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