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Geschichte wird lebendig

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Interessierte Laien und ebenso Fachleute können jetzt spannende Ausflüge in Sachsens Geschichte unternehmen. Stadthistoriker Wolfgang Reuter hat ein "Geithainer Urkundenbuch" erarbeitet.

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Wolfgang Reuter in der Geithainer Stadtbibliothek, hier gibt es sein Urkundenbuch auf dem Rechner.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Es enthält 272 Urkunden, meist ungekürzt, sowie kurze Zusammenfassungen von weiteren 89 Dokumenten. Dieses Fachbuch zur Landes- und Stadtgeschichte entwirft ein Bild der Jahre 1097 bis 1539. Das Werk umfasst 354 Seiten und ist als E-Book veröffentlicht. Der 83-jährige Autor wird es am 5. November in der Geithainer Stadtbibliothek vorstellen. Die Veranstaltung beginnt 19.30 Uhr.

 

 

Vor drei Jahren habe ihm ein Archivar erzählt, er bereite ein Urkundenbuch der Stadt Borna vor, erinnert sich Wolfgang Reuter. Daraufhin schaute sich der Geithainer in der Nationalbibliothek in Leipzig um und stellte fest, dass bislang nach der Wende kein einziges Urkundenbuch über eine Stadt in Westsachsen erschienen ist. So beschloss der promovierte Wissenschaftler im Ruhestand: "Dann mache ich eines von Geithain."

 

 

Wichtige Quelle war ihm das alte Kirchenarchiv von St. Nikolai, wo es eine große Zahl von Abschriften gibt - nicht nur von Urkunden, sondern auch von Archivalien, wie beispielsweise Jahresrechnungen mit Einnahmen aus dem Stadtgericht, in denen Geldbußen verzeichnet sind. Auch eine Abschrift des alten Geithainer Stadtbuches findet sich hier, das Original auf Pergamentseiten sei wahrscheinlich beim Bombenangriff auf Dresden 1945 im Archiv der Landeskirche zerstört worden, so Reuter. Das Buch enthält für die Zeit von 1380 bis 1480 sehr viele Einzelheiten aus dem damaligen Leben der Menschen - mit Freud und Leid. Da wurden Täter bestraft oder das Schuldach repariert. Eine weitere Quelle des Buches sind schließlich Briefe. Die Schätze des Pfarrarchivs der Fachwelt zugänglich zu machen, ist Reuter ein Anliegen - ebenso, die überregionale Bedeutung der Stadt Geithain weiter aufzuhellen und ihren Platz in der Landesgeschichte zu festigen.

 

 

"Ich beschäftige mich nicht mit einer Urkunde, sondern setze sie in Zusammenhang", erläutert der Autor, aus dessen Feder schon zahlreiche Bücher und Veröffentlichungen zur Geithainer Stadtgeschichte stammen. Diesen Kontext hat das Geithainer Urkundenbuch anderen voraus. Genau beschrieben ist auch, wie die Suchfunktion nach bestimmten Orten oder Personen funktioniert.

 

 

Wolfgang Reuter hat neben dem Kirchenarchiv von St. Nikolai auch die Staatsarchive in Dresden, Leipzig, Altenburg und Weimar genutzt. Die historischen Urkunden, verfasst in alter Schrift, die sich über die Jahrhunderte auch änderte, hat er mit der Hand abgeschrieben.

 

 

Er habe bei diesen Recherchen Entdeckungen gemacht, erzählt er. Dazu zählt beispielsweise, dass es bereits 1428 die Ehescheidung eines Geithainer Bürgers durch Bischof Nikolaus von Merseburg gab. Der Geithainer hieß Hannß Man und er habe seiner geschiedenen Frau eine "extrem hohe Entschädigung" gezahlt. "Woher hatte der Mann das Geld?", fragt sich Wolfgang Reuter. Er habe alle Veröffentlichungen über andere Kleinstädte in der Region durchgesehen. "Ich finde keinen vergleichbaren Vorgang", ist er verwundert.

 

 

Somit enthält sein Urkundenbuch auch zahlreiche Anregungen für Studenten. Sie könnten beispielsweise auch der Frage nachgehen, warum der Herzog zu Sachsen und Markgraf von Meißen, Friedrich II., im Jahre 1458 eine Befreiung von Lasten erließ, die auch Geithain betraf. Der Autor möchte, dass seine Forschungsergebnisse einem weiten Kreis Studierender zugänglich gemacht werden. Nachdem das Buch fertig war, hat er es deshalb an verschiedene Archive gesandt. "Die Aufnahme dort war gut", freut er sich.

 

 

Für die Lesung am 5. November in der Stadtbibliothek wünscht sich Wolfgang Reuter, "dass diejenigen kommen, die an der Vergangenheit Geithains interessiert sind und Einsicht in ein wissenschaftliches Werk in verständlicher Sprache nehmen wollen."

 

 

Natürlich legt der ambitionierte Forscher auch jetzt nicht die Hände in den Schoß. Er beschäftigt sich mit der Siedlungsgeschichte etwa ab 1100 bis 1186, "um klar zu machen, warum es in Geithain zur Marktgründung kam, aus der sich später die Stadt entwickelt hat." Grundlage ist seine 2010 erschienene Schrift "Dorf oder Markt?". Zu diesem Teil der Frühgeschichte Geithains will er nun in größerem Zusammenhang und leicht verständlich ein Manuskript für die Reihe "Vom Turm geschaut" des Geithainer Heimatvereins verfassen.

 

 

In der Geithainer Stadtbibliothek gibt es Wolfgang Reuters Urkundenbuch als PDF-Datei auf dem Rechner. Bibliotheksnutzer können es kostenfrei nutzen und auch einzelne Seiten drucken. Unter der Adresse www.qucosa.de/recherche/frontdoor/?tx_slubopus4frontend[id]=15107 finden Interessenten das Werk des Geithainers im Internetauftritt der Universitätsbibliothek Leipzig. Unter "Volltext.pdf" öffnet sich das Urkundenbuch.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.10.2014
Inge Engelhardt

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