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Geithain Gesellschaftsverein in Gnandstein hat schon jede Menge auf die Beine gestellt
Region Geithain Gesellschaftsverein in Gnandstein hat schon jede Menge auf die Beine gestellt
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08:00 22.04.2017
Theater auf dem Feld. Quelle: privat
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Kohren-Sahlis/Gnandstein

Der Liedermacher Gerhard Schöne, die Bands Keimzeit und Juckreiz, die Trödelmärkte auf der Gnandsteiner Burg, die zuletzt mehrere Tausend Besucher ins Dorf holten: Sie stehen für eine mitunter durchaus subversive Erfolgsgeschichte, die der Jugendklub Gnandstein und die IG Rock in den Achtzigerjahren zelebrierten – und an die der 1991 gegründete Heimat- und Gesellschaftsverein anknüpfte mit großen Dorffesten, Hexenfeuern, dem „Flotten Dreier“. Dass man inzwischen kleinere Brötchen bäckt, hat viele Gründe: immer größerer, auch bürokratischer Aufwand, eine gewandelte Feierkultur, die nur noch geringe Zahl derer, die für solche Kraftakte den Enthusiasmus aufbringen. Der Gesellschaftsverein mit heute zwei Handvoll Mitgliedern rückt deshalb näher zusammen mit den Fußballern der SG Gnandstein. Nach erfolgreichem Wintergrillen richten sie gemeinsam am 29. April eine Walpurgisfeier aus. Im Herbst dann soll ein Jubiläum Basis sein für ein kleines Fest: die Einweihung der Schule vor 140 Jahren, die seit dem Jahr 2000 schon nicht mehr als solche existiert, im Bewusstsein der Gnandsteiner aber fest verankert ist.

„Erich auf der Todesleiter“, eine Performance mit solchem Titel konnte 1984 nicht ohne Konsequenzen bleiben, auch wenn es sich bei den Darstellern, die das renommierte „Theater aus dem Hut“ einsetzte, um graue Mäuse handelte. „Eigentlich war der Trödelmarkt schon verboten, bevor er eröffnete. Aber wir haben das trotzdem durchgezogen“, erinnert sich Hartmut Grunwald, der als studierter Museologe 1981 nach Gnandstein gekommen war und prompt von der Gemeindeverwaltung den Auftrag bekam: „Mach du mal was für die Jugend, du kannst das.“ Der Jugendklub, 1982 gegründet, renovierte Räume oben auf der Burg, wollte aber auch „Sachen machen für das Dorf, für Kinder, Jugendliche, Erwachsene“. Im selben Jahr gab es den ersten Trödelmarkt mit Puppenspiel, Handwerk, Trödel natürlich und abends Bands.

Nach Mäuse-Erichs Eskapaden musste ein Gang zurückgeschaltet werden. Doch aus den Discos des Jugendklubs wurden bald erneut Konzerte, auch von Bands wie Freygang, für die große Bühnen des kleinen Landes tabu waren. Inzwischen hatte sich listig eine Gnandsteiner Außenstelle der IG Rock Leipzig gegründet; der Kulturbund bot ein schützendes Dach. Das war wichtig, denn, sagt Grunwald. „Konflikte blieben nicht aus, wenn viele Tramper kamen, manche am Friedhof nächtigten und einmal sogar die Glocken läuteten.“ Parallel dazu gab es einmal im Jahr ein Kinderfest.

Die politischen Veränderungen 1989/90 schafften Freiräume, erforderten aber auch neue Strukturen: Der Heimat- und Gesellschaftsverein fand zueinander. In den ersten Jahren hatte der an die 40 Mitstreiter. Die Dorffeste knüpften an frühere an, reichten bis über die Jahrtausendwende hinaus, erreichten viele im weiteren Gnandsteiner Umland. „Das letzte große Fest war 2001, da hatte es gerade die Anschläge in New York gegeben. Wir überlegten, ob wir das absagen, aber wir hatten so viel Kraft und vor allem Geld investiert“, erinnert sich Thomas Voigt, der den Verein über Jahre leitete und jetzt Stellvertreter ist. Eine Schweigeminute war der Kompromiss, das Zelt so voll wie nie und nie wieder.

Als neues Format wurde der „Flotte Dreier“ erfunden, ein amüsanter Wettbewerb: eine Distanz im Krankenhaus-Bett, Schlauchboot-Tour auf dem Teich - „zurück ging es in einem originalen Saukasten“! Zu Magneten erwiesen sich die Hexenfeuer in der Walpurgisnacht, Kostüm-Prämierung inklusive, bis, darüber schüttelt Petra Sporbert heute noch den Kopf, es plötzlich politisch unkorrekt schien, Strohpuppen in die Flammen zu werfen.

„Irgendwann kamen wir an den Punkt, wo wir merkten: Große Feste können wir nicht mehr stemmen“, sagt Thomas Voigt. Statt dessen orientiere man sich auf handhabbare Formate, kleinere Feste, Skatturniere. „Etwas für das Dorf zu machen, liegt uns ja weiter am Herzen.“ Der 140. Geburtstag der Schule soll im Herbst Anlass sein für ein solches Fest. „Es gibt eine Schulchronik, die reicht bis 1993 oder 1994“, sagt Marco Höppner, der das Schulgebäude nach der Schließung kaufte und umbaute. Geplant sei eine Ausstellung in einem der einstigen Klassenzimmer: „Dazu wollen wir im Dorf noch Material sammeln.“ Im Hof soll ein Festzelt aufgebaut werden. Das nächste größere Dorffest haben die Gnandsteiner bereits im Blick, auch wenn dieses Jubiläum – anders als die 750-Jahr-Feier – ein unrundes ist: 2019 wären 790 Jahre Gnandstein zu feiern. Thomas Voigt: „Das sollten wir uns nicht entgehen lassen.“ Deshalb und grundsätzlich gelte: Mitstreiter und frische Ideen sind dem Heimat- und Gesellschaftsverein immer willkommen.

Von Ekkehard Schulreich

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