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Gesichter offenbaren Emotionen: Berührende Porträts in der Bad Lausicker "Riff"-Galerie

Gesichter offenbaren Emotionen: Berührende Porträts in der Bad Lausicker "Riff"-Galerie

Gesicht zeigen: Diesen Slogan nimmt Silke Wild beim Wort, um ihn zu hinterfragen. Ergebnis ist eine bemerkenswerte Serie von Porträts, die die Bei-Leipziger Fotografin derzeit in der Bad Lausicker „Riff"-Galerie zeigt.

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Silke Wild mit dem Ausstellungsplakat.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick. Bis Ende Februar kann man sich überraschen und faszinieren lassen.

Da ist der Mann mit jenem Lachen, das einen Großteil seines Gesichtes einnimmt und das den Betrachter des Bildes einnimmt: Hier unbewegten Mundes zu stehen, unmöglich. Da ist der Junge mit der sprichwörtlich jungenhaften Fröhlichkeit und Undurchschaubarkeit. Da ist ein Mädchen mit einer Träne, da ist jene Frau in schmerzvoller Trauer jenseits schon des Tränenflusses. 18 großformatige Porträts stellt Silke Wild in der Bad Lausicker „Riff"-Galerie aus, sie zeigt Menschen in intimen Augenblicken, ohne sie zur Schau zu stellen. „Emotionen - was wir ohne Worte sagen" hat die in Gärnitz im Westzipfel des Landkreises lebende Fotografin ihr Projekt genannt, das sie bis zum Frühjahr im Kur- und Freizeitbad in Ausschnitten präsentiert.

„Hinter dem Gesicht, das Menschen im Alltäglichen zeigen, steckt noch ein anderes", beschreibt die 46-Jährige ihre Intentionen. Dieses andere, eines dieser anderen freizulegen, dieser Arbeit hat sie sich in den vergangenen Monaten intensiv gewidmet. „Man muss Menschen finden, die dazu bereit sind. Und man muss sie öffnen", sagt Wild. Letzteres kann in wenigen Minuten geschehen, braucht manchmal aber auch mehrere Anläufe und Stunden - immer aber das: Vertrauen. Ali, der Mann mit der leicht hochgezogenen Augenbraue und dem winzigen Kinnbart gab sein Geheimnis am bereitwilligsten Preis. „Dreimal auf den Auslöser drücken, reichte, um das perfekte Bild zu haben." Ganz anders dagegen das Bestreben Wilds, Elisabeth, die Achtjährige, gelangweilt zu zeigen. Langeweile lässt sich nicht befehlen, sie musste organisiert werden: „Das vielleicht 90. Bild traf." Tränen, Erschütterung zu zeigen, verletzt zu sein und es öffentlich zu machen - das Schwierigste. Den Betrachter der Bilderschau berührt es stark, daran teilzuhaben. Und die Fotografin räumt ein, dass das Porträt von Sylvia das aufwendigste, nahegehendste war: „Da habe ich fast mitgeheult." Denn im Hintergrund, nicht sichtbar, läuft eine traurige Familiengeschichte.

Herzensdinge zu fotografieren, Silke Wild hat dafür wenig Zeit. Hochzeitsfotografie, Passbilder, Dokumentationen, auch mal Dessous - das ist das Tagesgeschäft einer Frau, die das Fotografenhandwerk ab 1982 in all seinen Facetten lernte und die seit 2004 ein eigenes Studio betreibt. „Mit Elf habe ich zu meinen Eltern gesagt: Ich will Fotograf werden", blickt sie zurück auf ein Weihnachtsfest, bei dem Fotoapparat und Entwickler-Chemikalien unter dem Lichterbaum lagen. Das Kinderzimmer avancierte zur Dunkelkammer, als eine von 250 Bewerbern sicherte sie sich später eine der fünf vorhandenen Lehrstellen. „Schwerindustrie, Gießereien, Herzkatheder, ich habe alles fotografiert", erzählt Wild. Die Prüfungsarbeit schreibt sie über Kinderbilder - und kommt später auf dieses Thema immer wieder zurück.

Im Bad Lausicker Kur- und Freizeitbad „Riff" etwa, wo sie am Mitte des vergangenen Jahrzehnts nicht nur Image-Fotografien macht, sondern darüber hinaus Unterwasser-Bilder vom Babyschwimmen; die zeigt sie 2008 in der hauseigenen Galerie. Inzwischen schmücken ihre Arbeiten Prospekte der Kurverwaltung, der Medianklinik, hat in diesem Jahr eine Schkeuditz-Broschüre ausgestattet. Arbeit und Vergnügen, Silke Wild will das nicht voneinander trennen: „Wenn ich arbeite, macht es mir Spaß. Das ist ein großer Gewinn." Selbst fotokünstlerisch in die Öffentlichkeit zu gehen, den Platz des Dienstleisters hinter dem Objektiv zu verlassen, seit wenigen Jahren ist sie stärker dazu bereit. Die Bad Lausicker Schau „Emotionen", die im Sommer in der Markranstädter Stadtkirche noch einmal zu sehen sein wird, bestärkt sie darin. Und letztlich tun das auch jene, die in dieser Schau Gesicht zeigen.

Ekkehard Schulreich

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