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Gesucht: Erinnerungen an die Wendezeit

Gesucht: Erinnerungen an die Wendezeit

Die friedliche Revolution jährt sich im kommenden Jahr zum 25. Mal. Ein Buch über die Ereignisse der Wendezeit in der Region Geithain soll im Herbst 2014 erscheinen, begleitet von einer Ausstellung.

Geithain. Bernd Richter, Vorsitzender des Geithainer Heimatvereins, hat dafür schon viel Material zusammengetragen. Doch er bittet um weitere Berichte über Ereignisse der Wendezeit.

 

 

Ob Mängel in Geithain, den Zustand des Beutelwassers oder die Lage im Land - Joachim Weinrich hat alles bedichtet. Für das Wendebuch hat der Geithainer seine Texte auf Band gesprochen und Bernd Richter hat sie abgeschrieben. Der Geithainer hat aus alten Unterlagen und den Berichten der Leipziger Volkszeitung von 1989 und 1990 die entscheidenden Ereignisse im ehemaligen Kreis Geithain aufgelistet. Er will, was geschah, objektiv darstellen, so weit eine objektive Darstellung möglich sei, erklärt der 69-Jährige. Er wird auch ein Vorwort zu dem Buch schreiben, das ansonsten Erinnerungen jener, die dabei waren, umfassen soll.

Gemeldet habe sich nach dem Aufruf niemand, man müsse die Leute ansprechen, hat Richter festgestellt. So ist schon einiges zusammengekommen.

 

 

In der Titelgeschichte des Buches "Auftakt mit Arnold Z." erinnert sich der 1941 in Frohburg geborene Schriftsteller Guntram Vesper, der 1957 über West-Berlin in die Bundesrepublik kam, auch an die Dienststelle der Staatssicherheit (Stasi) in Geithain. Unsere Zeitung hatte 2010 Auszüge daraus veröffentlicht. Vesper hat sein Einverständnis für den Abdruck von Teilen der Erzählung im Buch erklärt.

 

 

Bereits am 26. April 1989 habe Hartmut Rüffert, Mitbegründer des Neuen Forums in Borna, eine Wandzeitung gestaltet mit Kritik an den Zuständen in der DDR. Er habe sie in der Geithainer Musikelectronic ausgehängt, wo er damals arbeitete. "Sie ist am 1. Mai von der Stasi entfernt worden", berichtet Richter. Die Texte von dieser Wandzeitung habe Rüffert noch und auch eine Kopie des entsprechenden Stasi-Berichtes.

 

 

Als rund um den 40. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in der damals noch existierenden Postturnhalle in Geithain eine Ausstellung zum bildnerischen Volkskunstschaffen gezeigt wurde, stellte der Niedergräfenhainer Thomas Pilz unter der Überschrift "Glasnost" zwei Fotos von der Montagsdemonstration in Leipzig aus. Dagegen habe es Widerstand gegeben, doch schließlich blieben die Bilder hängen, erzählt der Chef vom Heimatverein.

 

 

Anna Maria Richter, seine Frau, hat die Ereignisse am 7. Oktober in Leipzig miterlebt. Als sie zu einem Konzert ins Gewandhaus gehen wollte, sah sie, wie Polizisten mit Wasserwerfern und Hunden gegen die Demonstranten vorgegangen ist. Darüber wird sie berichten. Frank Böttger aus Geithain hatte sich bereits 2009 in unserer Zeitung an die Demonstrationen 1989 in Leipzig und Geithain erinnert - und an den Fall der Mauer in Berlin.

 

 

Elisabeth Schön aus Bad Lausick berichtet über das erste Friedensgebet im Kreis Geithain am 25. Oktober 1989 in der Bad Lausicker Kirche St. Kilian mit anschließender Demonstration. "Sie hat die Erlebnisse aus ihrer persönlichen Sicht dargestellt. Das ist eine große Bereicherung", freut sich der Buch-Initiator. In Geithain waren die Leute bekannterweise am 31. Oktober erstmals auf die Straße gegangen. Bernd Bräuer aus Geithain hat "Wendeberichte" geschrieben, zu dem, was er erlebt hat. Annelies Büchner von der damaligen Kreissparkasse Geithain berichtet über die Währungsumstellung 1990 in Geithain.

 

 

Gern hätte Bernd Richter weitere Erinnerungen an den Einzug der D-Mark in der Region. Er sucht aber auch noch Menschen, die über die Veranstaltung am 5. November im Geithainer Stadion berichten könnten oder über Fahrten zur Abholung des Begrüßungsgeldes. Gefragt sind ebenfalls Berichte über die Unterzeichnung der Partnerschaftsverträge zwischen Frohburg und Uetze, Bad Lausick und Baunach sowie Geithain und Veitshöchheim.

"Wer etwas dazu beitragen kann, wird gebeten, Kontakt aufzunehmen. Dann besprechen wir, ob er selber schreibt oder seine Erlebnisse erzählt", sagt der Vereinschef. Im ersten Quartal 2014 will er das Manuskript in einer öffentlichen Mitgliederversammlung des Heimatvereins in Geithain vorstellen. Ähnliches kann er sich in Bad Lausick und Frohburg vorstellen, will auf die dortigen Vereine entsprechend zugehen. Hinweise zum Inhalt seien stets willkommen.

 

 

Im Herbst 2014 soll die Publikation erscheinen, derzeit bemüht sich Richter noch um eine Förderung des Projektes. Ebenfalls für den Herbst ist eine Sonderausstellung zur Wendezeit im Geithainer Heimatmuseum geplant - möglichst mit Fotos und Dokumenten.

Kontakt zu Bernd Richter über Telefon 034341/4 26 03 oder per E-Mail an geithainerheimatv@gmx.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.11.2013
Inge Engelhardt

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