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Glastener Feuerwehr braucht Gerätehaus: Spendenbriefe an 120 Unternehmen

Glastener Feuerwehr braucht Gerätehaus: Spendenbriefe an 120 Unternehmen

Ob nun Weltmeister oder nicht: Spendenfreudig sind die Deutschen in jedem Fall, gerade in den Wochen vor Weihnachten. Ein passabler Grund für die Glastener Feuerwehr, auf ihre Misere aufmerksam zu machen.

Glasten. „Helfen Sie den Helfern!" steht in fetten Lettern auf mehr als einem Hundert Briefe, den die Wehr jetzt an große Unternehmen in ganz Deutschland schickte. Ihr Wunsch: Geld für ein Gerätehaus, das mehr ist als bloß eine Garage.

Menschen brauchen Hilfe, zweifellos, sagt Detlef Stolle. Es sei Aufgabe der Feuerwehren, genau diese Hilfe im Notfall zu gewähren, so der stellvertretende Stadtwehrleiter von Bad Lausick, der zugleich im Ortsteil Glasten ehrenamtlicher Feuerwehrmann ist. „Doch wer hilft uns, den Helfern, dass wir diese verantwortungsvolle Aufgabe überhaupt stemmen können?" In Glasten jedenfalls seien die Bedingungen, unter denen die 21 aktiven Mitglieder und die 23 Kameraden der Alters- und Ehrenabteilung seit Jahren uneigennützig und neben ihrem eigentlichen Beruf arbeiteten, im Grunde unhaltbar.

Das ist Anlass für Stolle und den Glastener Wehrleiter Karsten Dathe, einen Hilferuf zu verschicken mit der Weihnachtspost. Eine Bitte um Spenden an große Konzerne, die deutschlandweit und international im Geschäft stehen und die bekannt sind für ihr karitatives Engagement. „Wenn wir alarmiert werden, müssen wir uns neben dem Einsatzfahrzeug die Einsatzkleidung überziehen", beschreibt Karsten Dathe die Situation. Dann quälen sich die Kameraden – bei Minusgraden im Winter – auf dem blanken Betonboden in Jacke und Stiefel, während unmittelbar neben ihnen der drei Jahrzehnte alte Einsatzwagen abgasintensiv gestartet wird. „Abgesehen davon haben wir keine Möglichkeit, unsere Sachen zu trocknen, ganz zu schweigen von einer Dusche nach dem Einsatz", sagt Dathe. Die Garage, die den Glastenern als Stützpunkt dient, haben sie 1970 in Eigenregie gebaut. Umkleide-, Sanitär- und Schulungsraum? Fehlanzeige.

Dass endlich etwas geschehen muss, darüber sind sich die Glastener im Klaren. Noch, sagt Dathe, gebe es eine achtköpfige Jugendwehr, müsse man sich keine unmittelbaren Sorgen machen um den Feuerwehr-Nachwuchs. „Aber wenn wir Leute für die Feuerwehr gewinnen wollen, dann muss wenigstens das Umfeld stimmen. Und das tut es nicht." 120 Briefe haben die Glastener geschrieben, auf ihre problematische Lage hingewiesen. „Die Hälfte hat abgesagt, und viele haben sich noch gar nicht gemeldet", sagt Detlef Stolle. Und hofft, dass bis zum Jahresende noch ein paar Ermutigungen in Form von Spenden eingehen. Überschäumende Erwartungen hat Wehrleiter Karsten Dathe nicht: „Jede Hilfe wäre uns recht." Denn nicht nur besagte Garage könnten die Glastener allenfalls „als Übergangslösung" akzeptieren; mit dem Einsatzwagen, einem DDR-LO auf einem Mercedes-Chassis sehe es nicht anders aus: „Wenn wir alle da eingestiegen sind, besteht die Gefahr, dass die Vorderachse überlastet ist."

Dass sich knapp 200 Kameradinnen und Kameraden der neun Bad Lausicker Feuerwehren ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl bewusst sind, dass sie bereit sind, dafür ehrenamtlich einzustehen, darauf machten sie vor wenigen Wochen mit Nachdruck im Bad Lausicker Stadtrat aufmerksam. Sie forderten, den Investitionsstau zügig abzubauen. Den Wert der Feuerwehren rückt auch die von Unternehmern und Stadt getragene Bad Lausicker Initiative „Keiner kommt. Feuerwehren in Not" bundesweit ins Bewusstsein.

Ekkehard Schulreich

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